Diagnose von Lungenerkrankungen Weniger Strahlung: Dunkelfeld-Röntgen erkennt Unterschiede im Gewebe

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Mit einem präziseren Röntgenverfahren lassen sich Lungenkrankheiten besser erkennen. Außerdem benötigen die Forscher der TU München mit dem Dunkelfeld-Röntgen eine geringere Strahlendosis als bei der Computertomographie.

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Diagnose von Lungenerkrankungen: Prof. Franz Pfeiffer mit seinem Dunkelfeld-Röntgengerät.
Diagnose von Lungenerkrankungen: Prof. Franz Pfeiffer mit seinem Dunkelfeld-Röntgengerät.
(Bild: Andreas Heddergott / TU Muenchen)

In einer normalen Röntgenaufnahme lassen sich kaum die feinen Unterschiede im Gewebe erkennen. Allerdings fehlt eine schnelle und kostengünstige Option mit geringer Strahlenbelastung für Früherkennung und Nachuntersuchungen fehlt bisher. Die Lücke könnte ein an der TU München entwickeltes Verfahren des Dunkelfeld-Röntgens schließen. Die Dunkelfeld-Technik nutzt Anteile des Röntgenlichts, die gestreut werden und beim konventionellen Röntgen unbeachtet bleiben.

Die neue Methode nutzt das physikalische Phänomen der Streuung ähnlich wie die schon länger bekannte Dunkelfeldmikroskopie mit sichtbarem Licht: Damit werden Strukturen weitgehend transparenter Objekte sichtbar. Im Mikroskop erscheinen sie als helle Strukturen vor dunklem Hintergrund, was der Methode ihren Namen verleiht.

„An Grenzflächen zwischen Luft und Gewebe ist diese Streuung beispielsweise besonders stark“, erklärt Franz Pfeiffer, Professor für biomedizinische Physik und Direktor des Munich Institute of Biomedical Engineering der TUM. „Dadurch lassen sich in einem Dunkelfeldbild der Lunge Bereiche mit intakten, also luftgefüllten, Lungenbläschen klar von Regionen unterscheiden, in denen weniger intakte Lungenbläschen vorhanden sind.“

Geringere Strahlendosis als Computertomographie

Bei der Dunkelfeld-Röntgen-Technik ist eine deutlich geringere Strahlendosis notwendig als die heute verwendete Computertomografie. Denn sie erfordert nur eine einzelne Aufnahme pro Patient, während für die Computertomografie zahlreiche Einzelaufnahmen aus verschiedenen Richtungen erstellt werden müssen.

„Wir rechnen mit einer um den Faktor Fünfzig reduzierten Strahlenbelastung“, sagt Franz Pfeiffer. Darüber hinaus haben die ersten klinischen Ergebnisse bestätigt, dass das Dunkelfeld-Röntgen zusätzliche bildliche Informationen über die zugrundeliegende Mikrostruktur der Lunge liefert.

Mit der Dunkelfeld-Röntgen-Technik haben wir aktuell eine Chance, Lungenkrankheiten früher zu erkennen und gleichzeitig breiter als bisher einzusetzen,“ betont Pfeiffer abschließend.

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