Weltraumteleskop „Kepler“ sendet nicht mehr

| Redakteur: Julia Schmidt

Dem Weltraumteleskop Kepler ist nach 9 Jahren im All der Treibstoff ausgegangen. Im Laufe seiner Mission hat es über 500.000 Sterne untersucht. Der Nachfolger TESS ist bereits im April gestartet. (Bild: eine Konzeptstudie des Teleskops)
Dem Weltraumteleskop Kepler ist nach 9 Jahren im All der Treibstoff ausgegangen. Im Laufe seiner Mission hat es über 500.000 Sterne untersucht. Der Nachfolger TESS ist bereits im April gestartet. (Bild: eine Konzeptstudie des Teleskops) (Bild: NASA)

Nach neun Jahren im All ist dem berühmten Weltraumteleskop Kepler der Treibstoff ausgegangen. Kepler soll nun in Zukunft in einer sicheren Umlaufbahn um die Sonne treiben.

Dem Weltraumteleskop „Kepler“ ist nach rund neun Jahren Dienstzeit wie erwartet der Treibstoff ausgegangen. Die NASA hat deshalb beschlossen, das Teleskop innerhalb seiner aktuellen, sicheren Umlaufbahn rund um die Sonne, weg von der Erde, in den Ruhestand zu schicken. Daten wird das Teleskop keine mehr senden oder empfangen können.

Der nach dem deutschen Astronomen Johannes Kepler (1571-1630) benannte Planetenjäger war 2009 in die Erdumlaufbahn gebracht worden, um nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems zu suchen. Seitdem hat Kepler Hinweise auf mehr als 2.600 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems gefunden, von denen viele vielversprechende Orte für Leben sein könnten.

Ein völlig neues Forschungsgebiet

„Als erste Planetenjagd-Mission der NASA hat Kepler alle unsere Erwartungen übertroffen und den Weg für unsere Erkundung und Suche nach Leben im Sonnensystem und darüber hinaus geebnet“, sagte Thomas Zurbuchen, stellvertretender Direktor von NASAs „Science Mission Directorate“ in Washington. „Es hat uns nicht nur gezeigt, wie viele Planeten es da draußen geben könnte, es hat auch ein völlig neues Forschungsfeld eröffnet, das die Wissenschaftsgemeinde im Sturm erobert hat. Seine Entdeckungen haben ein neues Licht auf unseren Platz im Universum geworfen.“

Zum Beispiel habt die Menschheit dank Kepler Hinweise auf die Vielfalt der Planeten bekommen, die in unserer Galaxie existieren. Die jüngste Analyse von Keplers Entdeckungen kommt zu dem Schluss, dass 20 bis 50 Prozent der am Nachthimmel sichtbaren Sterne wahrscheinlich kleine, möglicherweise felsige Planeten haben, die der Erde ähnlich groß sind und sich innerhalb der bewohnbaren Zone ihrer Elternsterne befinden. Das bedeutet, dass sie sich in der Nähe ihrer Elternsterne befinden, wo sich flüssiges Wasser – ein lebenswichtiger Bestandteil des Lebens, wie wir es kennen – auf der Planetenoberfläche sammeln könnte.

Die häufigste Größe der Planeten, die durch Kepler identifiziert werden konnte, existiert in unserem Sonnensystem gar nicht – nämlich Planeten deren Größe zwischen der von Erde und Neptun liegt. Kepler fand auch heraus, dass von Natur aus offenbar vielfach geradezu vollgestopfte Planetensysteme entstanden sind, in einigen Fällen mit so vielen Planeten in der Umlaufbahn um ihre Elternsterne, dass unser eigenes inneres Sonnensystem im Vergleich geradezu spärlich aussieht.

„Als wir vor 35 Jahren mit der Konzeption dieser Mission begannen, wussten wir von keinem einzigen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems irgendetwas“, sagte William Borucki, der leitende Ermittler der Kepler-Mission, der sich inzwischen vom Ames Research Center der NASA im kalifornischen Silicon Valley zurückgezogen hat. „Jetzt, wo wir wissen, dass Planeten überall sind, hat Kepler uns auf einen neuen Kurs gebracht, der zukünftige Generationen dabei hilft unsere Galaxie zu erkunden.“

Insgesamt über 500.000 vermessene Sterne

Das am 6. März 2009 vorgestellte Weltraumteleskop Kepler kombinierte modernste Techniken zur Messung der stellaren Helligkeit mit der damals größten Digitalkamera, die für Weltraumbeobachtungen ausgestattet war. Ursprünglich war Kepler so positioniert, das es kontinuierlich auf 150.000 Sterne in einem bestimmten, mit Sternen gepflasterten Fleck des Himmels im Sternbild Cygnus starren konnte. Kepler unternahm die erste Vermessung von Planeten in unserer Galaxie und mit seiner Hilfe wurden die ersten erdgroßen Planeten in den bewohnbaren Zonen ihrer Sterne entdeckt.

Bei der Mission traten allerdings auch immer wieder technische Schwierigkeiten auf, seit 2013 operiert Kepler nur noch in begrenztem Modus. Das Projekteam konnte eine Lösung entwickeln, bei der das Sichtfeld des Teleskops etwa alle drei Monate gewechselt wurde. Dies ermöglichte eine erweiterte Mission für Kepler mit der Bezeichnung K2, die weitere vier Jahre andauerte. So konnten mit Hilfe von Kepler insgesamt über 500.000 Sterne vermessen werden.

Die Beobachtung so vieler Sterne hat es Wissenschaftlern ermöglicht, das Verhalten und die Eigenschaften der Sterne und deren Planeten besser zu verstehen. Neue Forschungen zu den Sternen mit Hilfe von Kepler-Daten fördern auch andere Bereiche der Astronomie, die die Geschichte unserer Milchstraße und die Anfangsstadien explodierender Sterne, sogenannten Supernovas, untersuchen, um zu lernen, wie schnell sich das Universum ausdehnt. Die Daten der erweiterten Mission wurden auch der Öffentlichkeit und der Wissenschaft sofort zur Verfügung gestellt, so dass Entdeckungen in unglaublichem Tempo gemacht werden konnten und die Messlatte für andere Missionen hoch gelegt wurde.

Der Nachfolger TESS ist im April gestartet

Vor der Außerbetriebnahme der Raumsonde brachten die Wissenschaftler Kepler auf ihr volles Potenzial, führten mehrere Beobachtungskampagnen erfolgreich durch und luden wertvolle wissenschaftliche Daten herunter, auch nach ersten Warnungen vor niedrigem Kraftstoffverbrauch. Die neuesten Daten aus der Kampagne 19 werden die Daten des neuesten Planetenjägers der NASA, des Transiting Exoplanet Survey Satellite, ergänzen, der im April gestartet wurde. TESS baut auf Keplers Fundament mit frischen Datenstapeln auf, wenn es um Planeten geht, die etwa 200.000 der hellsten und nächstgelegenen Sterne der Erde umkreisen, Welten, die später von Missionen nach Lebenszeichen erforscht werden können, wie das James Webb Space Telescope der NASA.

Ein Nachfolger für „Kepler“ hat sich bereits auf den Weg gemacht: Im April startete das Weltraumteleskop „Transiting Exoplanet Survey Satellite“ (TESS) vom US-Bundesstaat Florida aus zur Planetensuche im All. (mit Material von dpa)

Autonome Drohnentechologie: Ein Hubschrauber auf dem Mars

Autonome Drohnentechologie: Ein Hubschrauber auf dem Mars

29.10.18 - In zwei Jahren will die NASA wieder einen Rover zum Mars schicken. Mit dabei: ein autonom agierender Hubschrauber, der testen soll, ob die dünne Atmosphäre des Mars für Helikopter geeignet ist. Und sollte er fliegen können, hat er eine wichtige Aufgabe für zukünftige Mars-Missionen. lesen

NASA testet erfolgreich Mini-Kernkraftwerk für Langstrecken-Raumflüge

NASA testet erfolgreich Mini-Kernkraftwerk für Langstrecken-Raumflüge

10.05.18 - Die NASA und das Department of Energy's National Nuclear Security Administration (NNSA) haben erfolgreich ein neues Kernreaktor-Energiesystem demonstriert, das lange Zeit bemannte Missionen zum Mond, zum Mars und zu anderen Zielen ermöglichen könnte. lesen

ÖWF stellt Raumanzug für Mars-Simulation vor

ÖWF stellt Raumanzug für Mars-Simulation vor

28.09.18 - Das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) hat in Wien einen neuen Raumanzug vorgestellt, mit dem eine bemannte Marsmission simuliert werden soll. lesen

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
Ja, das waren Tippfehler. Vielen Dank für Ihren Hinweis. Ich habe es ausgebessert. Viele Grüße...  lesen
posted am 13.11.2018 um 09:13 von Julia Schmidt

Im Artikel wird mehrmals Keplar geschrieben: Ist das ein Tippfehler?  lesen
posted am 13.11.2018 um 08:49 von Unregistriert


Mitdiskutieren
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45577800 / Seitenblicke)