Eclipse Summit Europe 2007 Weit mehr als Java-Tools − Eclipse will weiter wachsen

Redakteur: Martina Hafner

Vom 10. bis 11. Oktober präsentierte sich die Eclipse Community mit 400 Teilnehmern in Ludwigsburg. Für die nächste Zukunft hat deren Organ, die Eclipse Foundation, unter anderem drei Ziele: Wachstum im Embedded-Bereich, Etablierung der auf dem OSGI-Standard basierenden Eclipse-Runtime und breiter Toolsupport über verschiedene Programmiersprachen und Entwicklungsaufgaben hinweg.

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Seit ihrer Gründung hat die Eclipse Foundation ihre Aktivitäten erheblich erweitert. Foundation-Chef Mike Milinkovich: Unsere Wurzeln liegen zwar bei Java-Tools, unsere Ziele sind inzwischen aber wesentlich weiter gesteckt. Wir unterstützen mehr Programmiersprachen wie C und C++, PHP oder Ruby. Darüber hinaus wollen wir uns verstärkt im Embedded-Bereich etablieren und das Bewusstsein im Markt für die Runtime-Plattform namens Equinox , die den OSGi Standard implementiert, als Applikations-Plattform erweitern.“

Dieses Jahr wurden die Eclipse-Lösungen durchschnittlich etwa 1 Mio. mal im Monat aus dem Internet geladen, wobei insbesondere das letzte Release im Juli namens Europa für einen Schub sorgte. Dabei entfielen von den fünf Packages 31% auf die Eclipse-Plattform Eclipse Classic und 10% auf die Eclipse IDE für C/C++-Entwickler. Etwa je 20% der Downloads kamen aus USA und China, Deutschland machte 7% aus. Insgesamt liegt Asien derzeit unübersehbar an der Spitze bei den Downloads.

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IBM liefert derzeit gut 40 Prozent des Codes

Momentan zählt die Eclipse Foundation 160 Mitgliedsfirmen, über 60 Projekte und 888 Commiter aus 50 Firmen, also Entwickler, die Code zu den einzelnen Projekten beitragen. Unter den Mitgliedsfirmen sind Halbleiterfirmen wie Texas Instruments, Intel, AMD oder ARM, OEMs wie Ericsson oder Nokia sowie zahlreiche Toolanbieter, auch aus dem Embedded-Bereich wie QNX, LynxOS oder MontaVista. Von den großen Namen fehlen hier aber bisher Microsoft und Green Hills.

Ursprünglich gründete IBM Eclipse, um ein Tooling-Angebot für Java zu etablieren, das mit Microsofts Visual Studio konkurrieren konnte. Da Anbieter wie Borland, Oracle oder BEA sich jedoch weigerten, einer von IBM gesteuerten Organisation beizutreten, einigte man sich 2004 auf ein eigenständiges Konsortium, insbesondere getragen von IBM, Intel, HP und SAP. Heute zahlt IBM mit jährlich 250.000 US-$ nicht mehr als die anderen 19 strategischen Mitgliedsfirmen und hat die gleichen Stimmrechte. Jedoch ist das Unternehmen derzeit noch der größte Einzelzulieferer von Code, wenngleich sich das Verhältnis doch verschoben hat. 2004 kamen um die 80% des Eclipse-Codes von IBM, 2007 waren es noch 42%.

Projekte für modellgetriebene Entwicklung

Auch machen sich die Eclipsianer inzwischen über den gesamten Life-Cycle-Prozess Gedanken. Im Eclipse Modeling Project geht es z. B. um modellbasierte Entwicklungstechniken mit dem Ziel, Modellierungs-Frameworks, -Tools und Standard-Implementierungen zu schaffen. Hier engagiert sich unter anderem der Dienstleister Itemis. Wolfgang Neuhaus, Vorstand des Unternehmens: „Da die eingebetteten Systeme immer softwareintensiver werden, spielen Architekturprinzipien, Komponentenstandards und verteilte Systeme eine zunehmende Rolle. Daher werden sich bewährte Prinzipien aus der Unternehmenssoftware wie Objektorientierung, Komponentenstandards und deren Umsetzung zunehmend etablieren.“

Diese müssen allerdings mit den vorhandenen Methoden im Embedded-Bereich kombiniert werden, wo eben eher auf Basis von Blockschaltdiagrammen und ähnlichen Methoden gearbeitet und gedacht wird. Auch die Entwicklungswerkzeuge waren in der Vergangenheit nicht unbedingt Eclipse-basiert. „Eclipse bietet aber viele Chancen eine integrierte und durchgängige Werkzeugketten hinzubekommen,“ so Neuhaus.

Derzeit arbeitet Itemis mit Hochschul- und Embedded-Partnern in Forschungsprojekten an einer besseren Verzahnung für die Simulation von Modellen, mit der sich auch kombiniert Blockschaltdiagramme mit Zustandsautomaten aus dem UML nutzen lassen um sie grafisch zu visualisieren sowie in den Modellen selbst eine Simulation ablaufen zu lassen bevor es auf die Code- und Zielplattformebene geht.

„Wir versuchen, einen Mix herzustellen, der für die Zielgruppen am besten geeignet ist. Entwickler, die nicht die Notwendigkeit haben, etwas grafisch aufbereiten zu müssen, bevorzugen häufig textuelle Repräsentationen mit denen sie besser und schneller Details bearbeiten können. Sie nutzen Grafik eher, um einen Überblick zu gewinnen, wobei diese sicher sehr hilfreich ist. Insofern versuchen wir den geeigneten Mix für die jeweilige Zielgruppe zu finden, anstatt dogmatisch UML überzustülpen,“ schließt Neuhaus

Den kompletten Entwicklungsprozess berücksichtigen

Ein relativ neues Projekt ist die derzeit noch in Entwicklung befindliche Plattform Jazz von IBM. Die sogenannte Team-Collaboration-Lösung soll dazu beitragen, den ganzen Entwicklungsprozess bis hin zu Aspekten der Planung und Teamkommunikation zu berücksichtigen. Über den gesamten Lifecycle eines Projektes hinweg, also Requirements Management, Planung, Test, Build usw. kann in den verschiedensten Projektrollen (Analyst, Architekt, Developer, Tester, Deployer) zusammengearbeitet werden. Dabei unterstützt Jazz sowohl kleine Teams als auch große Projekte, es erlaubt zudem frei wählbare Teamstrukturen und Prozesse.

Eclipse-Aktivitäten im Automotive-Bereich

Aus dem Automotive-Bereich sind Firmen wie Tieto Enator, Vector Informatik oder auch BMW Car IT bei Eclipse engagiert. Letztere entwickelten in-house bereits vor einiger Zeit als eine Art Machbarkeitsstudie AUTOSAR-Tools auf Basis von Eclipse. Die französische Firma Geensys hat gar die Eclipse-Technologie zentral in ihre Firmenstrategie gestellt. Stephan Eberle, Product Development Manager: „Eclipse ist eine sehr flexible Plattform, die für den Embedded-Sektor gut passt, weil die Tools an einen spezifischen Entwicklungsprozess angepasst werden müssen. Für unsere Kunden im Aerospace-, Transport- und Automobilbereich können wir mit der Eclipse-Plattform besonders gut agieren weil sie wesentliche Basisfunktionen bietet, also z.B. IDE-Workspace, in denen sich mehrere Projekte ansiedeln und Dateien vorhalten lassen. Geensys kümmert sich dann darum, die Plattform an die spezifischen Bedürfnissen des Kunden anzupassen und damit den Herstellern die Arbeit abzunehmen, diese Tools selbst zu bauen. Gleichzeitig hat der Kunde die Freiheit in der Obefläche der Eclipse-Basisplattform und Geensys-Plugins weitere eigene Erweiterungen einzubringen.“

Derzeit setzt Geensys Eclipse für ihren AUTOSAR-Builder ein. Ein weiteres Tool ist Reqtify für die Requirements-Traceability, das ursprünglich aus dem Aerospace-Bereich kommt. Es wird derzeit auf Eclipse portiert und soll hierfür im Laufe von 2008 verfügbar sein. Geensys strebt auch eine Integration für die Jazz Plattform an.

QNX präsentiert CDT-Projekt Entwicklungsumgebung

Doug Schaeffer von QNX präsentierte als Contributer des ursprünglichen Codes für die CDT-IDE auf dem Summit die neueste Version 4.0 der C/C++-Entwicklungsumgebung. In diesem Projekt arbeitet man derzeit insbesondere daran, die Anwenderfreundlichkeit weiter zu verbessern. Ferner konnten laut Schaefer Performance-Verbesserungen erzielt werden. Ein bisheriges Problem von CDT war es, dass manche Funktionen langsam waren und viel CPU-Leistung benötigten.

„Wir haben außerdem den Editor modernisiert, damit er eher den Erwartungen der Anwender entspricht, vergleichbar mit der Java-Entwicklungsumgebung von Eclipse“, so Schaefer. Am CDT-Projekt arbeiten derzeit etwa ein Dutzentd Committers von Organisationen wie IBM, Wind River, Symbian oder Nokia. Das CDT Framework wird mittlerweile von diversen Firmen auch im Embedded Bereich eingesetzt, um spezifische Entwicklungsumgebungen für C und C++ abzuleiten.

Zufriedene Gesichter bei den Veranstaltern

Hendrik Höfer Embedded-Java-Spezialist bei MicroDoc und Mitglied des Veranstaltungskomitees: „Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf des diesjährigen Summits. Unter den Teilnehmern waren viele Anwender, teilweise große Firmen, die sich überlegen, Eclipse einzusetzen, auch im Embedded-Bereich. Wir hatten dieses Jahr aus diesem Bereich erstmals fertige Anwendungen da, z.B. eine Sensoranwendung, die Daten sammelt, verarbeitet, visualisert und im Netz verteilt, oder einen Skilift von Skidata. Große Resonanz hatte auch unser Testing-Symposium.“

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