Was ist entscheidend bei Entscheidungen?

| Autor / Redakteur: Peter Siwon / David Franz

Entscheidungen verwandeln Unsicherheit und Stillstand in Risiko und Handlungsfähigkeit
Entscheidungen verwandeln Unsicherheit und Stillstand in Risiko und Handlungsfähigkeit (Bild: foto art Elisabeth Wiesner)

Peter Siwon, ELEKTRONIKPRAXIS-Kolumnist und Experte für systemisches Projektmanagement über Macht und Verantwortung bei der Arbeit in Projekten.

Gerade die Projektarbeit stellt uns immer wieder vor schwierige Entscheidungen, die oft auch noch schnell getroffen werden müssen. Wer entscheidet, übernimmt Verantwortung und trägt damit auch das Risiko der Fehlentscheidung. Damit nominieren sich Entscheider zur Wahl des Sündenbocks.

Wen wundert es da, wenn Entscheidungen nicht gefällt werden, sondern wie heiße Kartoffeln fallen gelassen werden? Ein spannendes Thema, vielleicht zu ernst für eine Kolumne. Egal, ich übernehme die Verantwortung für meine Entscheidung, über Entscheidungen zu schreiben.

Welche Eigenschaften zeichnen eine Entscheidung aus? Wann sind überhaupt Entscheidungen notwendig? Denken wir über diese Fragen anhand einer simplen Weggabelung im Wald nach, die sich sehr gut als Metapher für alle möglichen Entscheidungssituationen nutzen lässt, auch in Projekten. Der Weg teilt sich z.B. in drei Richtungen: links, rechts oder Mitte.

Wenn wir wissen, wo wir hinwollen und dort ein Wegweiser steht, dann brauchen wir nicht zu entscheiden, vorausgesetzt wir können lesen. Der Wegweiser hat uns die Entscheidung freundlicherweise abgenommen. Wenn der Wegweiser fehlt, dann machen wir plausible Annahmen, z.B. anhand der Himmelsrichtung in der wir unser Ziel vermuten. Dann entscheiden wir uns für den Weg, der in diese Richtung deutet.

Doch die erfahrenen Waldspaziergänger unter uns wissen, dass diese plausible Annahme keine Erfolgsgarantie liefert. So manche dieser Da-geht´s-lang-Phantasien führt zu ungewollten und erstaunlich intensiven Geländeerkundungen. Ich will nicht abstreiten, dass wir dabei neue und interessante Entdeckungen machen, die den Makel der Fehlentscheidung verschleiern.

Entscheidungen ersetzen Unsicherheit durch Risiko

Der entscheidende Unterschied zwischen Entscheiden und Wegweiser-folgen ist das Maß an Unsicherheit. Beim Wegweiser ist sie praktisch null, wenn nicht irgendein Scherzkeks sich daran zu schaffen gemacht hat. Bei der Entscheidung kann die Unsicherheit sehr hoch sein. Sie sehen: Unsicherheit ist eine notwendige Voraussetzung für eine Entscheidung. Das Risiko einer Fehlentscheidung ist in jede Entscheidung quasi automatisch eingebaut.

Wir können nicht entscheiden ohne ein Risiko einzugehen, denn gäbe es kein Risiko, wäre keine Entscheidung notwendig.Dieser Zusammenhang wird, so logisch er ist, gerne übersehen. Der große Vorteil einer Entscheidung trotz des damit verbundenen Risikos ist, dass nun endlich gehandelt werden kann. Beispielsweise entscheiden wir uns rechts abzubiegen, statt ratlos an der Weggabelung zu verhungern (ok, ich gebe zu, dass ich hier etwas dramatisiere).

Wenn wir irgendwann feststellen, dass der Weg ins Nirgendwo führt, kehren wir um und treffen eine neue Entscheidung auf Basis der neuen Erfahrung. Wer jetzt wieder rechts geht, ist natürlich extrem doof, aber die dümmste aller Varianten wäre, aus Angst vor weiteren Fehlern keine Entscheidung mehr zu treffen und letztlich doch an der Stelle zu verhungern. Wir haben immerhin noch 3 Varianten, die eine sinnvolle Alternative zum Hungertod darstellen: Mitte, links oder umkehren.

Kurz zusammengefasst: Ohne Entscheidungen kein Handeln, ohne Handeln keine neuen Erkenntnisse, ohne neue Erkenntnisse keine neuen Entscheidungsgrundlagen. Der Preis für diesen Nutzen einer Entscheidung ist das Risiko der Fehlentscheidung.

Personen, die eine Entscheidung herbeiführen können, sind demnach so etwas wie Verwandlungskünstler. Sie transformieren Unsicherheit in Handlungsfähigkeit, da durch die Entscheidung klarer wird, was zu tun ist. Gleichzeitig wird aus der Unsicherheit ein Risiko, denn die Entscheidung und die daraus erfolgten Handlungen können später als Fehler interpretiert werden.

Ich sage hier ganz bewusst „interpretiert“, weil der Vorwurf der Fehlentscheidung nachträglich aufgrund von Informationen konstruiert wurde, die weder dem Entscheider noch dem Ankläger zum Zeitpunkt der Entscheidung bekannt waren. Nachher glauben viele (vor allem die, die sich gerne vor Entscheidungen drücken), dass sie in der Entscheidungssituation schlauer gewesen wären. Nachsatz: Aber sie können es nicht beweisen! 2. Nachsatz: Warum haben sie nicht alles getan, um eine Fehlentscheidung zu verhindern?

Inhalt des Artikels:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
Das ist richtig, der Absatz ist bei Veröffentlichung des Beitrags durchgerutscht. Eine korrigierte...  lesen
posted am 27.10.2017 um 10:45 von Sebastian Gerstl,Sebastian Gerstl

der absatz mit den kartoffeln ist doppelt  lesen
posted am 27.10.2017 um 10:29 von Unregistriert


Mitdiskutieren
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 44971658 / Karriere)