ELEKTRONIKPRAXIS-Umfrage

Was die Elektronikbranche von 2012 erwartet

| Redakteur: Peter Koller

Wolfgang Pape und Andreas Mielke, Geschäftsführer EPLAX GmbH

Sowohl im Inland, wie auch im europäischen Ausland verzeichnen wir in 2011 deutliche Nachfragesteigerung und eine Vielzahl von neuen, kundenspezifischen Projekten. Wir rechnen aufgrund der anhaltend guten Auftrags- und Nachfragesituation auch für 2012 mit weiteren Umsatzsteigerungen in der Elektronikbranche.

Die größten Risikofaktoren aus unserer Sicht werden die Euro- und die damit verbundenen Bankenkrisen sein. Den Chancen für den außereuropäischen Export durch einen schwächeren Euro wird die zurückhaltende Investitionsbereitschaft im Euroraum gegenüberstehen.

Bereits heute zeichnen sich für 2012 deutliche Trends in folgenden Bereichen ab, in denen wir heute in den Entwicklungs- oder Vorserienphasen sind:

  • Erneuerbare Energien wie Windkraft (verstärkt Offshore), intelligente WR für spezielle PV-Anlagen, spezielle Brennstoffzellenapplikationen
  • Medizintechnik (kompaktere Systembauformen und intelligentere Schnittstellen)
  • Ladesysteme u.a. für E-Mobility

Mikroprozessoren sind ein Muss und zur Netzteilsteuerung und Kommunikation nach außen in so gut wie jeder Neuentwicklung enthalten. Auch das DSP spielt bei vielen Neuentwicklungen eine entscheidende Rolle. Nachdem schon länger Wirkungsgrade von deutlich über 90% erreicht werden, erlauben unsere Entwicklungen im Dialog mit den Kunden eine höhere Systemintegration durch die steigende "Intelligenz der Netzteile". TK

Roland Bent, Geschäftsführer Phoenix Contact

Die momentane Abkühlung des Wirtschaftswachstums in wichtigen Märkten, wie beispielsweise in China, die Krise der Staatsverschuldung in Europa und die politischen Instabilitäten im Nahen Osten lassen zwar eine seriöse Vorhersage für 2012 nur schwer zu. Trotz der vielen Unwägbarkeiten gehen wir aber von einem einstelligen Wachstum für Phoenix Contact in 2012 aus, das über dem Wachstum der Branche liegen wird.

Die Griechenland-Krise hat 2011 eine leichte Delle im Umsatz verursacht. Das Risiko der Staatsverschuldung in Europa ist auch 2012 präsent.

Die globalen Megatrends von Energie, Mobilität und eine zunehmende Verstädterung führen zu einem Umbruch. Wir haben deswegen die Vertriebsstruktur geändertund vier Schwerpunkte für das Industrielösungsgeschäft definiert: Automotive, Windkraft, Solartechnik und urbane Infrastruktur, d.h. Wasser/Abwasser, Verkehrsinfrastruktur, Energieverteilung. KR

Stefan Meißner, Öffentlichkeitsarbeit Göpel electronic

Der Testspezialist Göpel electronic spürt die aktuelle Finanzkrise nicht sehr stark. Vor allem die Automobilbranche, ein wichtiger Markt für die Jenaer, ist sehr stark. Für das Jahr 2012 sieht Stefan Meißner als Trend verstärkt Messtechnik, die in Chips integriert wird. Auch die zu testenden Geräte werden kleiner. Das hat Auswirkungen auf die verwendeten Testverfahren wie Boundary Scan. Sie werden bereits in die Produktion verlagert oder die Testverfahren werden kombiniert.

Nach den Worten von Meißner wird der Zuwachs im Bauteiletest sich im kommenden Jahr fortsetzen. Die größte Gefahr geht allerdings von der Zulieferindustrie aus. Eine Konzentration von bestimmten Produkten in gefährdeten Regionen der Welt ist kritisch. Jedoch hat jede Krise einen Vorteil: Es kommt zu einer Bereinigung des Marktes.

Der umfassende Bauteiletest wird in Zukunft stark von intelligenten grafischen Benutzeroberflächen getrieben. Eingaben sollen unkompliziert erfolgen und schnell zu erlernen sein. Komplizierte Einarbeitungsschritte sollen entfallen. Der Zeitfaktor wird künftig weiter zunehmen. Testabläufe werden stärker automatisiert. Allerdings werden auch die Produktzyklen kürzer und somit der Bauteiletest umfangreicher. Neben der Produktion wird auch der Test nach Asien wandern. Das hätte natürlich für die Elektronikhersteller einen enormen Vorteil gerade in der kostenintensiven Fertigung. HEH

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