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ELEKTRONIKPRAXIS-Umfrage

Was die Elektronikbranche von 2012 erwartet

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Karlheinz Weigl, Regional Vice President Central & Eastern Europe SILICA

Nach dem rasantem Aufschwung hat sich das Wachstum in Deutschland verlangsamt. Die Wirtschaftsweisen sagen 1,2% Wachstum für nächstes Jahr voraus, ich gehe davon aus dass der Elektronikmarkt stärker wächst als die allgemeine Wirtschaft, meine Einschätzung liegt im unteren einstelligen Prozentbereich bei ca. 3-5%. Es gibt allerdings einige Risikofaktoren die ich nicht einschätzen kann, wie die Auswirkungen der Eurokrise. Eine Abkühlung sehen wir in einigen Bereichen – speziell bei erneuerbaren Energien, dieser Wirtschaftszweig ist aufgrund der zweistelligen Zuwachsraten in den letzten Jahren gesättigt.

Entgegen allen Befürchtungen hatten die Japankrise und die Flut in Thailand dieses Jahr nur geringe Auswirkungen auf den Industriemarkt, in dem wir hauptsächlich präsent sind. Der schwächelnde Markt im Moment ist meiner Meinung nach hauptsächlich auf eine allgemeine Verunsicherung zurückzuführen, sicherlich spielt hier auch die Eurokrise eine Rolle. Die daraus resultierende Verknappung von Geldern kann dazu führen, dass Investitionen zurückgestellt werden – ähnlich wie in 2009, das ist die Gefahr. MK

Hans-Jürgen Bochtler, Managing Director Sales & Services, Agilent

Für Agilent wird sich die Elektronik-Branche im kommenden Jahr auf einem stabilen Niveau entwickeln. Hans-Jürgen Bochtler von Agilent spricht von einem Wachstum um die 5%. Dramatische Veränderungen soll es seiner Ansicht nach nicht geben. Angewiesen ist der Messtechnikspezialist allerdings weiterhin auf öffentliche Gelder in Forschung und Entwicklung. Hier erwartet Bochtler gerade einen Rückgang bei EADS und dem Militär. Das starke Wachstum von 20% im Jahr 2011 sorgte für ein ordentliches Polster. Vor allem der Oktober stellte einen Rekordmonat dar.

Auch ein schwacher Euro wäre für das Exportgeschäft von Agilent ein Vorteil. Schließlich ist das Unternehmen dezentral aufgestellt und wäre von lokalen Katastrophen nicht so schnell betroffen. Das Erdbeben in Japan stellte ebenfalls kein großes Risiko dar. Hier kommt die Mentalität der Japaner zugute. Problematisch war vor allem das rasante Wachstum, wodurch die Zulieferindustrie sehr überfordert war. Hier halfen die Distributionsfirmen.

Große Potenziale kommen von Brasilien, Russland oder Indien. Hier wächst der Markt sehr stark und ab 2015/16 sind diese Länder gleich stark oder stärker als die USA und Europa heute. Das wird auch Konsequenzen auf die weltweite Verteilung des Kapitals haben. Vor allem die Schwellenländer werden wirtschaftlich stärker werden. Deutschland wird hier als „Exportweltmeister“ profitieren.

Wie alle Messtechnikhersteller sieht auch Agilent im Wireless und der HF-Messtechnik große Chancen. Mit LTE werden die Datenmengen zunehmen und die Frequenzen müssen effizienter genutzt werden. Es wird vermehrt zu Investitionen und Forschungen im Terahertzbereich kommen, aber auch die Materialforschung wird zunehmen. Für die Hochfrequenztechnik werden Netzwerkanalysatoren benötigt.

Für den High-End-Bereich sollen vermehrt modulare Konzepte auf Basis von PXI und AXI entwickelt werden. Dazu sollen die Kunden auch aktiv angesprochen werden. Zwar erfolgte der Einstieg in die modulare Messtechnik spät, wird aber seit drei Jahren von Agilent sehr konsequent angegangen. HEH

Jörg Gibietz, Geschäftsführer Procontrol

Das Geschäft in China wird in 2012 „eine Spur schwieriger“. Der Forecast ist etwas gedämpfter als für das laufende Jahr – aber in China bedeutet ein schlechtes Jahr immer noch 10 Prozent Wachstum. (Procontrol ist deutscher Handelspartner des chinesischen EMS-Dienstleisters Etron). Gibietz ist überzeugt, dass die Branche und auch sein Betrieb weiter wachsen werden, aber nicht mehr so stark wie im laufenden Jahr.

Die Unkenrufe hinsichtlich einer drohenden neuen Krise will Gibietz ausdrücklich „nicht teilen“. Die Lieferzeiten für Komponenten sind immer noch dramatisch lang, seitens Etron gibt es aber keinen Lieferengpass. Gibietz legt Wert auf die Feststellung, dass Etron bei namhaften Herstellern einkauft und nicht auf dem chinesischen Graumarkt.

Eine Schlüsseltechnologie, die im kommenden Jahr das Geschäft radikal verändern könnte, sieht Gibietz nicht. Wachstumsfelder sind aus seiner Sicht die Bereiche Automotive und Telekommunikation. Er rechnet mit einem knapp zweistelligen Wachstum. FG

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