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ELEKTRONIKPRAXIS-Umfrage

Was die Elektronikbranche von 2012 erwartet

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Heike Neumann, Vertriebsleiterin beim EMS-Dienstleister HEYFRA

Natürlich wird sich die Elektronikbranche weiter im einstellig positiven Bereich entwickeln. Sicherlich spielt auch hier die Branche eine entscheidende Rolle – in der Automatisierungs- und Medizintechnik sehe ich weiteres Wachstum. Auch die Telekommunikation wird im Absatz weiterhin wachsen, jedoch durch hohen Wettbewerb und Preisdruck kann das Umsatzwachstum zurückbleiben.

Die Euro-Krise und die Situation in USA halte ich für Deutschland als Exportweltmeister für die größten Risiken.

Alles im Bereich Smart Energie – Messen, Erfassen usw. – kann zu unerwartetem Wachstum führen. PK

Markus Krieg, Geschäftsführer Marketing, Rutronik Elektronische Bauelemente

Mit großen Wachstumssprüngen können wir definitiv nicht rechnen, weil die Weltwirtschaftslage viele Investoren verunsichert. Doch aus allen Marktsegmenten kommen Innovationen, die für Wachstumsimpulse über verschiedene Bereiche hinweg sorgen werden. Dies ist speziell für die Elektronikbranche wichtig, aber auch für die gesamte Volkswirtschaft. Insofern gehen wir davon aus, dass sich die Marktlage 2012 stabilisiert und auf einem ähnlichen Niveau einschwingt wie 2010/2011.

Die Euro- und USD-Krisen sind sicherlich Risikofaktoren, die im Vordergrund stehen und den Markt signifikant beeinflussen. Doch parallel hierzu darf man die derzeitige chinesische Notenbank-Politik nicht außer Acht lassen. Hier sind einzelne Provinzen und Kommunen hoch verschuldet, was in Anbetracht der hohen Investitionen in Infrastrukturprojekte nicht zu vernachlässigen ist.

Mit dem Schweinezyklus der Baulemente-Industrie leben wir schon viele Jahrzehnte. Hier sehen wir deshalb kein Risiko für die Branche an sich. Vielmehr gilt: Der, der sich am schnellsten und flexibelsten an die Marktgegebenheiten anpassen kann, wird gewinnen.

Eine enorme Anpassungsfähigkeit des Marktes haben auch die Naturkatastrophen zutage treten lassen. Speziell nach dem Erdbeben und dem Tsunami in Japan haben wir gesehen, dass die „Erholungsphase" trotz der dramatischen Zerstörung extrem kurz war. Das ist absolut erstaunlich und zeugt von dem Willen und der Leistungsbereitschaft der Japaner. Auch in Thailand sind die Auswirkungen der Flut deutlich zu spüren, und auch hier finden sich Alternativen: Da deutlich weniger Festplattenlaufwerke produziert werden können, öffnet sich plötzlich der Markt für SSDs, die derzeit größtenteils in China und Taiwan gefertigt werden. Das zeigt, dass derartige Naturkatastrophen keine dauerhaften gravierenden Folgen für die Elektronikindustrie haben. Der Markt an sich verfügt über erstaunliche Selbstheilungskräfte und regelt sich sehr schnell selbst.

Derzeit gibt es in sehr vielen vertikalen Märkten technologische Trends und Innovationen, die 2012 Markttreiber sein werden. Im Automotive-Segment haben wir in Europa den höchsten Innovationsgrad der Fahrzeuge weltweit. Hier wird die Elektrifizierung mit Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen weiter voranschreiten. Dabei spielt die Batterietechnologie eine entscheidende Rolle, die sich derzeit sehr stark weiter entwickelt. Das betrifft auch Batterie-Analysesysteme, die sowohl in den Fahrzeugen als auch an den Elektrotankstellen zwingend erforderlich sind. Außerdem werden vermehrt zusätzliche Steuergeräte in die Fahrzeuge integriert.

Im Consumer-Bereich ersetzen Digital Signage Applikationen zunehmend die Printmedien. Sie eröffnen viele zusätzliche Funktionen, speziell wenn sie mit Web-Anwendungen vernetzt werden, z.B. Werbung on Demand. Die drahtlose Vernetzung spielt auch im Haushaltsgeräte-Segment eine große Rolle. Das Smart Home erfährt aktuell einen neuen Schub, vor allem durch die Entwicklung hin zu Smart Grids. Diese ist wiederum zurückzuführen auf die zunehmend dezentrale Energieversorgung mit unterschiedlichen Technologien wie Blockheizkraftwerke, Photovoltaik oder Windenergie. Um die Energie effizient zu verteilen und so effizient wie möglich zu verbrauchen, müssen Systeme und Endgeräte miteinander vernetzt werden.

Auch im Medizinbereich gibt es eine Vielzahl an Neuentwicklungen, getrieben v.a. durch die Überalterung der Gesellschaft und einen massiven Ärztemangel. Dieser besteht in Deutschland vor allem in ländlichen Gebieten, zum Beispiel in der Slowakei aber auch flächendeckend. Diese Trends beschleunigen den Markteinstieg von Telehealth-Applikationen für die mobile Patientenüberwachung.

Ein weiterer Markttreiber ist die LED-Technologie. Energiesparende LED-Lösungen etwa in Firmen- und öffentlichen Gebäuden oder bei der Straßenbeleuchtung, werden immer attraktiver, weil sie sich mit steigenden Energiekosten immer schneller amortisieren. MK

Matthias Poppel, European Director Embedded Processing Marketing & Applications, Texas Instruments

Die Prognosen für den Halbleitermarkt 2012 spannen derzeit ein bemerkenswertes Spektrum von zweistelliger Schrumpfung bis zu hohem einstelligem Wachstum. Ich wage keine Prognose für den Gesamtmarkt, aber in der Tat erwarten wir bei TI sehr unterschiedliche Entwicklungen je Branche. Während beispielsweise das Geschäft mit Solartechnik im nächsten Jahr schwächer ausfallen wird, sehen wir den Umsatz mit Produkten für die Industrie-Automation sowie Kommunikation und Sicherheit in Fahrzeugen weiter stark steigen.

Sicherlich gibt es makro-ökonomische und geo-ökologische Risiken, die sich recht schnell auf unser aller Konsum- und Investitionsverhalten auswirken können, aber so schlimm die Auswirkungen im einzelnen auch waren, haben wir es immer geschafft, den „Motor wieder zum Laufen“ zu bringen. Als Optimist sehe ich positiv in die Zukunft, möchte aber ein Detailproblem erwähnen, das uns sicher wieder „beißen“ wird. Wie schon 2009 sehen wir ein kurzfristiges Auftragsverhalten unserer Kunden gepaart mit starken Lagerkorrekturen. Zur Zeit verständlich, aber gefährlich, sobald der Bedarf eventuell sehr kurzfristig wieder steigt und Bauteileherstellern bis dahin wenig Bedarfsinformation vorliegt.

Wir sehen bei TI eine ganze Reihe hochinteressanter Trends, die sich 2012 zum Teil bereits in Umsatz niederschlagen und zum Teil in stark steigenden Entwicklungsaktivitäten unserer Kunden in der Automation, Energie- und Fahrzeugtechnik. Dazu gehören beispielsweise intelligentere Regelungstechnik zum Einsatz energiesparender Elektromotoren und Leistungselektronik, die Bewältigung neuer Sicherheitsnormungen wie der ISO13849, der Einzug von Consumer-Technologie wie drahtlose Kommunikation und Mensch-Maschine-Schnittstellen in Automobile und Industrieanlagen sowie der Aufbau der Infrastruktur eines intelligenten Stromnetzes mit Hilfe von Power-Line-Modems und Daten-Gateways. KR

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