Antreiber contra Schweinehunde

Warum übertriebene Leistungsorientierung Blödsinn ist

| Autor / Redakteur: Peter Siwon * / David Franz

„Ja“ zur Leistung – „Nein“ zur Verbissenheit: Der erste und zugleich wichtigste Schritt ist festzustellen, welche Antreiber in Ihnen wirken.
„Ja“ zur Leistung – „Nein“ zur Verbissenheit: Der erste und zugleich wichtigste Schritt ist festzustellen, welche Antreiber in Ihnen wirken. (Bild: foto art Elisabeth Wiesner, Regensburg)

Welche Folgen hat es, wenn wir dem inneren Zwang gehorchen, immer stark und perfekt zu sein? Peter Siwon, Experte im Zusammenhang mit der Projektarbeit in technischen Berufen, verrät es Ihnen.

Ich denke, Sie alle haben schon solche oder ähnliche Sprüche gehört: „Wir erwarten, dass unsere Leute 120 Prozent geben“, „Wir bauen das perfekte Produkt“, „Man schafft alles, wenn man sich nur genug anstrengt“, „Ich wäre schon längst fertig, wenn die anderen nicht so rumtrödeln würden“. Vielleicht haben Sie auch schon diese Botschaften absoluter Leistungsbereitschaft vom Stapel gelassen. So klingen entschlossene Macher, ideale Mitarbeiter und Siegertypen. Stimmt nicht! Ich werde Ihnen in dieser Kolumne erklären warum.

Dabei werde ich der Versuchung widerstehen, Sie zu 120 Prozent zu überzeugen, die perfekte Argumentationskette aufzubauen oder es Ihnen allen Recht zu machen. Das fällt mir nicht leicht, denn eine innere Stimme, die sich durch eine beharrliche Aufdringlichkeit auszeichnet, versucht mir immer wieder einzureden, dass ich nur dann ein guter Peter bin, wenn ich diesen Maßstäben gerecht werde.

Die Psychologen nennen diese Nervensäge den inneren Antreiber. Er ist quasi der Gegenspieler des inneren Schweinehundes. Fast alle Menschen haben einen oder mehrere innere Antreiber, die vordergründig vernünftige Forderungen zu stellen scheinen. Bei genauerer Betrachtung aber, wie oben bereits behauptet, verzapfen sie Blödsinn.

Die Annahme, dass es diese inneren Antreiber gibt, kommt aus der Transaktionsanalyse. Sie geht davon aus, dass wir in unserer Kindheit gewisse Vorstellungen davon verinnerlicht haben, welches Verhalten uns die Anerkennung und Liebe unserer Bezugspersonen erschließt. Naive Vorstellungen wie „Ich werde nur geliebt, wenn ich mache, was andere von mir verlangen“ oder „Ich werde nur anerkannt, wenn ich perfekt bin“ können so stark in unserer Psyche verankert sein, dass sie noch im Erwachsenenleben unser Verhalten prägen. Es ist also das Kind in uns, das in seiner Naivität versucht, das Unerreichbare zu erreichen.

Nehmen wir die eingangs zitierten Aussagen unter die Lupe des gesunden Menschenverstandes. Diesen Überlegungen schicke ich voraus, dass es kein Problem ist, wenn wir ab und zu versuchen dieser inneren Peitsche zu gehorchen. Jeder hat das Recht auf ein bisschen „Maso“. Kritisch wird es, wenn wir in eine Art zwanghafte Selbstkasteiung verfallen, die zur dogmatischen Pervertierung unseres täglichen Lebens führt. So richtig gefährlich wird es, wenn sich zum Masochismus noch Sadismus gesellt, der darin besteht, an andere Menschen die gleichen absurden Anforderungen zu stellen.

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Welche Folgen hat es beispielsweise, wenn wir dem inneren Zwang gehorchen, immer stark und perfekt zu sein? Natürlich ist es unmöglich, überzogene und unrealistische Anforderungen dauerhaft zu erfüllen. Wir müssen mehr leisten als unserem Körper und unserer Psyche gut tut. Doch wie bringen wir diesen inneren Nörgler zum Schweigen?

Oft werden folgende Strategien angewandt:

  • 1.) Wir gaukeln uns und anderen vor, dass wir mehr leisten als es tatsächlich der Fall ist. So halten wir unser Selbstbild vom Überflieger aufrecht.
  • 2.) Wir suchen uns Sündenböcke. Die sind sehr praktisch, weil wir alle Ursachen des Scheiterns an unseren eigenen zu hohen Ansprüchen auf sie projizieren können.
  • 3.) Wir konzentrieren all unsere Lebensenergie auf die berufliche Karriere, in der Hoffnung, dass wir das Unmögliche schaffen, wenn wir uns nur stark genug fokussieren.

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