Verbindungstechnik Warum Robotik die Königsklasse für den Kabelhersteller ist

Redakteur: Kristin Rinortner

Robotersysteme sind heute in fast allen Bereichen der Industrie im Einsatz. Das Adern- und Nervensystem bilden Hightech-Kabel. Diese Komponenten müssen extremen Belastungen Stand halten.

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Frank Rothermund, Lapp: „Der Bereich Market Management Robotics übernimmt die beratungsintensive Entwicklung individueller Lösungen und exotischer Sonderleitungen für Robotik-Anwendungen.“
Frank Rothermund, Lapp: „Der Bereich Market Management Robotics übernimmt die beratungsintensive Entwicklung individueller Lösungen und exotischer Sonderleitungen für Robotik-Anwendungen.“
(Bild: Lapp)

Für das Jahr 2012 verzeichnete die IFR (International Federation of Robotics) 160.000 verkaufte Industrieroboter. Zwischen 2014 und 2016 wird ein Wachstum von 4% in EMEA und Amerika sowie ein Wachstum von 8% im Wirtschaftsraum Asia/Pacific erwartet. Der Hauptmarkt mit einem Anteil von 70% befindet sich aktuell in Japan, gefolgt von Deutschland, Nordamerika, Südkorea und China.

So kommen 339 Industrieroboter auf 10.000 Arbeiter in Japan, 261 in Deutschland und 135 in den USA. Entsprechend verhält sich die Roboterdichte im Bereich Automotive mit 1584 in Japan, 1176 in Deutschland und 1107 in den USA.

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Zu den größten Abnehmern gehören die Automobilindustrie (ca. 33%), die Elektronik/Elektrotechnikindustrie (ca. 10%), die Gummi-, Kunststoff- und Chemieindustrie (ca. 9%) sowie die Metallverarbeitung und die Getränke- und Nahrungsmittelindustrie.

In den nächsten Jahren dürften sich die Produktionskapazitäten von Europa nach Asien (hauptsächlich China) verlagern. Der taiwanesische Auftragsfertiger Foxconn will zum Beispiel bis 2016 1 Mio. Roboter, sogenannte Foxbots, einsetzen. Bisher sollen es 30.000 Roboter sein. Auch die USA werden bei der notwendigen Modernisierung ihrer Produktionsanlagen verstärkt auf die Industrierobotik setzen.

Aber auch für Klein- und mittelständische Unternehmen in Europa wird der Einsatz von Robotern zunehmend attraktiver, da diese kleiner, günstiger und flexibler, also einfacher programmierbar, werden.

Dazu kommen neue Markteilnehmer: Google hat beispielsweise im vergangenen Jahr neun Roboterfirmen gekauft und Experten für Robotik und neuronale Netzwerke eingestellt. Neben den Industrierobotern spielen in Zukunft auch Serviceroboter eine größere Rolle, derzeit verkaufen die Hersteller etwa 12.000 dieser Roboter-Kollegen pro Jahr.

Herausforderung für Leitungen, Kabel und Verbindungselemente

Robotersysteme stellen aufgrund ihrer mehrachsigen Bewegungsprofile eine große Herausforderung für die eingesetzten Komponenten dar. So müssen Roboterkabel neben einer hohen Abriebfestigkeit und Medienbeständigkeit einen hohen Biegeradius und eine extreme Torsionsfähigkeit aufweisen. Da aufgrund von Platzproblemen häufig mehrere Kabel und Leitungen (Signal- und Datenleitung, Spannungsversorgung, Hydraulik) in einer Hybridleitung zusammengefasst werden, ist eine sehr gute Schirmung essentiell. Mechanisch wie elektrisch können diese Anforderungsprofile nur mit viel Knowhow und Erfahrung gelöst werden.

Für den Kabelspezialisten Lapp ist daher die „Robotik“ ein strategischer Markt. „Unsere Kabel sind die Adern und Nervensysteme von Robotern“, erklärt Siegbert Lapp, Vorstand Technik und Geschäftsführer der Lapp-Gruppe, warum das so ist. Und fügt begeistert hinzu: „Es findet hier aktuell ein richtiger Technologiesprung statt.“

Derzeit sei man mit einem Marktanteil von 5 bis 10% unterwegs, man wolle aber im Bereich Industrieroboter Westeuropa sehr stark penetrieren, ergänzt Georg Stawowy, CTO und Direktor Global Supply & Innovation bei Lapp.

Als Treiber für Hightech-Robotersysteme sieht Lapp vor allem die Globalisierung, neue Technologien wie z.B. Industrie 4.0 sowie Produktinnovationen, die aufgrund neuer Werkstoffe, wie zum Beispiel Kohlefaser-Verbundwerkstoffe, aber auch hinsichtlich Energieeffizienz neue Herstellungsverfahren erfordern.

Hightech-Kabel aus Südfrankreich

Die Lapp Gruppe mit ihrem Robotikspezialisten Lapp Muller im südfranzösischen Grimaud befasst sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Thema Robotik und fertigt Steuer-und Datenleitungen, Sonderleitungen sowie entsprechende Konfektionen und Systemlösungen. Man konzentriert sich auf drei Kundengruppen: Systemintegratoren, Instandhaltungsbetriebe und Roboterhersteller.

„Dabei stellen die Anforderungen der Roboterhersteller die Königsdisziplin dar“, erklärt Frank Rothermund, Market Manager Robotics bei Lapp. Hier seien Anwendungen gefragt, für die mit Standardprodukten oft keine ideale Lösung darstellbar sei. So liefere man diese zwar in hoher Qualität, aber entwickle vor allem individuelle Sonderanfertigungen. Denn „die hohe Kunst der Kabeltechnik sind die kundenspezifischen Sonderleitungen“. //

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