Warum REACH immer noch eine Herausforderung ist

| Redakteur: Kristin Rinortner

REACH: 
Die Chemikalienverordnung stellt die Produktion von Kunststoffsteckverbindern vor Herausforderungen.
REACH: 
Die Chemikalienverordnung stellt die Produktion von Kunststoffsteckverbindern vor Herausforderungen. (Bild: Souriau)

Die Kunststoff-Galvanisierung ist Stand der Technik, auch bei PEEK. Die REACH-Verordnung verbot jedoch die Passivierung mit Chrom VI, was die Technik auf den Prüfstand stellte. Was ist die Alternative?

Die Bestimmungen der europäischen Chemikalienverordnung REACH dienen dem umfassenden Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt. So wurden bestimmte, als besonders gefährlich eingestufte chemische Verbindungen, die sogenannten SVHC (Substances of Very High Concern) verboten. REACH gilt als eine der strengsten Chemikalienverordnungen der Welt und ist seit 2007 in Kraft.

Wie bei den meisten Herstellern von Steckverbindern kommt auch bei Souriau sechswertiges Chrom für die Oberflächenbehandlung von Kunststoffen zum Einsatz. Da Chrom-VI-Verbindungen schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen oder die Umwelt haben, soll Chrom VI ersetzt werden. Das ist schon länger bekannt. Die Europäische Chemikalienagentur gewährt je nach Anwendung eine Übergangsfrist bis zu 12 Jahren.

Souriau hat jetzt in der Produktion einiger wichtiger Baugruppen auf alternative Mittel zur Oberflächenbeschichtung umgestellt. Seit mehreren Jahren suchte die Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Unternehmens nach einer Möglichkeit, bei der Produktion und der Beschichtung von Steckverbindern aus Kunststoff auf gefährliche Chemikalien zu verzichten.

Die ersten REACH-konformen Kunststoffsteckverbinder der Baureihe D38999 wurden zunächst vom Europäischen Verband der Luftfahrt-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie (AECMA – European Association of Aerospace Industries) und dann von der Zulassungsstelle des US-Verteidigungsministeriums (DLA – Defense Logistics Agency) zertifiziert.

Anschließend wurden sie von Airbus und Boeing geprüft und abgenommen, bevor sie im Jahr 2019 nach und nach an einigen zentralen Stellen in der zivilen Luftfahrt und in vielen militärischen Flugzeugprogrammen eingesetzt wurden.

Seit Dezember 2019 werden alle Kunststoffsteckverbinder ohne Chrom-VI-Verbindungen hergestellt. Die Modelle werden mit oder ohne Nickelbeschichtung ausgeliefert. Der verwendete kohlenfaserverstärkte PEEK-Kunststoff widersteht auch hohen mechanischen Belastungen, ist korrosionsbeständig und leichter als Aluminium.

Ersatz von Chrom VI bei der Kunststoffbeschichtung

Thomas Pichot, Leiter Forschung und Entwicklung bei Souriau, erklärt: „Heute verwenden wir überhaupt kein sechswertiges Chrom mehr bei der Herstellung von Kunststoffsteckverbindern. Früher benutzten wir diese Verbindung, um die Haftung der Beschichtung zu verbessern. Die ersten Alternativ-Beschichtungen ohne sechswertiges Chrom haben wir für den Motorsport entwickelt. Heute kommen diese in allen für die Luft- und Raumfahrt bestimmten Anwendungen zum Einsatz.“

„Die Alternative ermöglicht eine gleichwertige Haftung im Vergleich zu bisherigen Metallbeschichtungen. Hier konnten wir auf unsere Erfahrungen zurückgreifen, die wir bei der Beschichtung unserer Aluminiumsteckverbinder gesammelt haben. Bei letzteren folgt auf die Beschichtung mit Zink-Nickel ebenfalls keine Passivierung mit sechswertigem Chrom mehr“, ergänzt Pichot.

Alle neu entwickelten und probeweise eingesetzten Ersatzprodukte wurden jetzt von der Behörde als ungefährlich eingestuft und erfüllen die unterschiedlichen Umweltvorschriften, darunter auch die REACH-Verordnung. Zwar sei es technisch gesehen nicht ganz einfach gewesen, eine Alternative zu sechswertigem Chrom zu finden, erklärt Pichot. Aber der Nutzen für die Umwelt sei enorm, denn durch die Umstellung konnte der Bedarf an sechswertigem Chrom in der Produktionsstätte in Champagné bereits um die Hälfte reduziert werden.“

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