Warum Investoren bei der Ökologie keinen Spaß verstehen

| Redakteur: Gerd Kucera

Dr. Constantin Herrmann ist Principal Consultant bei thinkstep: Sein Ziel ist die belastbare Beweisführung der Ökobilanz.
Dr. Constantin Herrmann ist Principal Consultant bei thinkstep: Sein Ziel ist die belastbare Beweisführung der Ökobilanz. (Bild: (c)A.Wittstruck)

„Der ökologische Beitrag zum Endprodukt muss bekannt sein – belastbar, nachweisbar, quantitativ und aufbereitet für die Zielgruppen wie Kunden und Investoren.“

Der Sommer 2018 war einer der schönsten, die ich je erleben durfte. Dauerhaft Sonnentage, Temperaturrekorde gut fürs Freibad und kaum eine Grillparty fiel ins Wasser. Aber Meteorologen bezeichnen dies als Extremwetterlage und warnen vor zunehmendem Risiko extremer Niederschläge, Dürreperioden und orkanartigen Windgeschwindigkeiten. Und schuld daran haben wir und unser Konsum!

Klimaforscher diskutieren über das 1,5- oder 2-Grad-Ziel und entsprechende Auswirkungen auf unsere Umwelt, unser Klima und unser Leben. Der Grund ist klar und wissenschaftlich nachgewiesen: Es ist der Mensch oder genauer ausgedrückt das, was wir Menschen durch Wirtschaft und Industrie verursachen. Wir tragen alle dazu bei: Als Arbeitnehmer, da unser Arbeitgeber technische Prozesse nutzt, Energie verbraucht, Ressourcen umwandelt. Als Privatperson, weil wir Produkte erwerben, deren Herstellung, Verpackung und Auslieferung mit CO2-Emissionen verbunden sind.

Unternehmen stehen immer unter Druck wettbewerbsfähig bleiben zu müssen – immer schneller, besser und effizienter. Mehr ist wichtig, weniger ist schwer zu vermitteln. Energieeffizienz ist ein möglicher Weg, gerade im Maschinenbau, immerhin kann man damit sparen und gesetzesrelevant ist es auch.

Energieeffiziente Antriebe allein sind aber nicht die Lösung. Steigender Druck kommt aus einer anderen Richtung: Der Wunsch nach Transparenz, ein gutes Gewissen bei Konsumierung, verantwortlich handeln beim Erwerb von Erzeugnissen. Wer mag die Schuld schon tragen an verheerenden Stürmen, Feinstaubbelastung oder Plastik in Walmägen? Nicht nur Konsumenten, auch Investoren fragen. Sie wollen Nachweise für langfristige und nachhaltige Geschäftsmodelle. Banken leiten davon bereits unterschiedliche Zinsforderungen für Kredite ab. Spätestens hier ist die Relevanz auf ein Unternehmen klar. Der ökologische Beitrag zu einem Produkt muss bekannt sein – belastbar, nachweisbar, quantitativ und aufbereitet für die jeweiligen Zielgruppen wie Kunden oder Investoren.

Jede Produktion und jedes Produkt hat negative Auswirkungen auf die Umwelt, unerheblich in welcher Stufe des Lebenszyklus von Produkten ein Unternehmen agiert. Diesen ökologischen Rucksack gibt jeder seinen Kunden weiter – der eine mehr, der andere weniger. Zu wissen wie schwer dieser ökologische Rucksack ist und um wie viel er sich ändern wird, interessiert die Inverstoren. Denn dies ist geschäftsrelevant, z.B. ableitbar anhand eines CO2-Preises für Stromverbräuche oder eines erlaubten CO2-Wertes von Autoflotten.

Kunden und Investoren verstehen keinen Spaß, wenn die Kosten für eine CO2-Kompensation die Margen vernichten oder ein nicht nachhaltiges Produktportfolio zu teuer für kreislaufwirtschaftliche Anforderungen ist. Um Risiken und Kosten zu kennen und vermeiden zu können, helfen quantitative Umweltinformationen zur Geschäftstätigkeit und zu den Produkten. Themen, die längst nicht mehr nur Weltverbesserern und Grünen-Parteifreunden wichtig sind. Unternehmen werden dem Markt nur erhalten bleiben, wenn sie in der Lage sind, ökonomisch so zu agieren, dass sie ökologische Risiken und sozio-ökonomische Problemfelder meiden. Welcher Kunde trägt freiwillig Entsorgungskosten für erworbene Produkte, wenn er sie beim wettbewerblichen Produkt nicht bezahlen muss.

Der Nachhaltigkeitsnachweis benötigt belastbare Zahlen und Aussagen zu Trends. Dies ist Grundvoraussetzung dafür, dass die nächsten schönen Sommertage guten Gewissens mit profitablen Geschäftsmodellen genossen werden können.

Auf dem Praxisforum Antriebstechnik (25.-27.03.2019) sind die ökologische & ökonomische Bewertung des Ressourcenaufwands von Motoren und die Lebenszyklusanalyse Gegenstand der Referate von Dr. Ulrike Lange/VDI ZRE und Dr. Constantin Herrmann/thinkstep.

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