Brexit-Folgen

Warum England jetzt einen Mose braucht

Seite: 7/7

Firmen zum Thema

Folgen für den deutschen Mittelstand

Wie für die Unternehmen im UK hängen auch für die Unternehmen hierzulande die Folgen von der Ausgestaltung des Brexits ab. Je stärker deutsche Mittelständler vom britischen Markt import- und exportseitig abhängen, desto stärker würden sie von einer Erschwernis des bilateralen Handels getroffen.

Die in der Vergangenheit unter Beweis gestellte Anpassungsfähigkeit der international ausgerichteten Mittelständler lässt auch auf eine Bewältigung dieser Herausforderung hoffen. Und ein nach einer Talsohle wieder aufstrebendes UK könnte langfristig sogar ein noch attraktiveres Partnerland werden.

Die größte Gefahr für den Mittelstand in Deutschland ist derzeit in einer nach dem Brexit noch weniger wirtschaftsliberal sich entwickelnden EU mit immer stärkeren etatistischen und interventionistischen Tendenzen zu sehen: Noch weniger Markt und Wettbewerb – noch mehr Umverteilung und Regulierung. Ein Vorbote in diese Richtung war der EU-Mittelmeeranrainer-Gipfel in Athen Anfang September 2016, bei dem unter anderem eine Abkehr von Ansätzen solider Haushaltspolitik gefordert wurde.

Diese Länder von Portugal im Westen bis Zypern im Osten mit traditionell wenig marktwirtschaftlicher Prägung verfügen nach dem Austritt der Briten über eine Sperrminorität. Schon Ludwig Erhard wünschte sich in den 60er Jahren die wirtschaftsliberalen Briten in der EU als Gegengewicht zum Pariser bzw. Brüsseler Etatismus!

Europa und das Abendland

Auf ein letztes Wort: Die Brexit-Abstimmung war kein Votum für einen Austritt aus „Europa“. Die permanente Gleichsetzung von Europa und Europäischer Union spricht für die Vermessenheit der EU-Zentralisten und unkritische Medien, die das nicht hinterfragen. Europa ist zunächst einmal eine geographische (wesentlich größer als die EU) und kulturell-geistige Kategorie (wesentlich mehr, älter und wichtiger als die EU als „vierte politische Ebene“ über Kommunen, Ländern und Nationalstaaten).

Der erste deutsche Bundespräsident, Theodor Heuss (FDP), liebevoll „Papa Heuss“ genannt, hat Europa so beschrieben: „Es gibt drei Hügel, von denen das Abendland seinen Ausgang genommen hat: Golgatha, die Akropolis in Athen, das Capitol in Rom. Aus allen ist das Abendland geistig gewirkt, und man darf alle drei, man muss sie als Einheit sehen.“ (Th. Heuss: Reden an die Jugend, Tübingen 1956, S. 32).

„Okzidexit“ bedeutender als Brexit?

Dieses Europa scheint angesichts des jahrzehntelangen Säkularisierungsprozesses, der konkret ein Entchristlichungsprozess ist, sowie sinkender Allgemeinbildung nur noch in Sedimenten lebendig zu sein. Und dieses von Heuss beschriebene Abendland ist nicht etwa durch türkische Gastarbeiter oder sonstige islamische Zuwanderung im Verschwinden, sondern dadurch, dass sehr viele Europäer schon längst geistlich aus einem solchen Europa ausgestiegen sind.

Die teils offene Ablehnung des Christentums, für das Golgatha steht, der Ort der Kreuzigung Jesu Christi, die Indifferenz der Mehrheit der Europäer, sogar wenn sie noch Kirchenmitglieder sind, gegenüber ihrer Herkunftsreligion, sowie die geistliche Kraftlosigkeit der Kirchen haben das von Heuss beschriebene Europa schon mächtig verdunsten lassen.

Diesen geistigen und geistlichen Austritt sehr vieler Europäer aus dem Abendland, dem Okzident, könnte man als „Okzidexit“ bezeichnen, eine Art freiwillig gewählter „metaphysischer Obdachlosigkeit“. Und dieser „Okzidexit“ wird allemal größere Veränderungen hervorrufen und sollte deswegen eigentlich mehr Aufmerksamkeit erregen als der „Brexit“, der immerhin auch (Freiheits-)Chancen bietet, zumindest für die Briten.

Treffen Sie Prof. Dr. Gerald Mann auf dem EMS-Tag

Wenn Sie jetzt noch weitere Fragen zum Brexit haben, dann könne Sie Professor Dr. Gerald Mann persönlich treffen auf einem Managementseminar von ELEKTRONIKPRAXIS am 22. Juni in Würzburger: www.ems-tag.de. Er hält dort einen einstündigen Vortrag zum Thema: Brexit und Trump – stehen wir vor Protektionismus und Deglobalisierung?

Übrigens: Professor Dr. Gerald Mann lehrt Volkswirtschaftslehre an der FOM Hochschule in München: www.fom.de. Dort können Sie berufsbegleitend ein international anerkanntes Ingenieurstudium absolvieren. Mehr über diese Möglichkeiten erfahren Sie in unseren Artikel Karriere als Ingenieur.

* Prof. Dr. Gerald Mann lehrt Volkswirtschaftslehre an der FOM Hochschule in München. Er ist dort Studienleiter Gesamt und Bachelor.

(ID:44727243)