Brexit-Folgen

Warum England jetzt einen Mose braucht

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Und was wird aus Nordirland?

Kurz sei auch angemerkt: Nordirland, wo mit knapp 56 Prozent für „Remain“ gestimmt wurde, ist ebenso ein Umverteilungsempfänger im UK. Und es gibt dort Forderungen nach einem Referendum über den Anschluss an die Republik Irland.

Dass Dublin wirklich begeistert das ökonomisch schwache Nordirland mit seinem noch latent vorhandenen Konflikt, der gerade dann wieder aufflammen könnte, aufnehmen würde, ist wenig wahrscheinlich.

Auch der irische Tiger muss sich neu orientieren

Zumal schon 2015, und das untermauert die oben dargestellte Singapur-Variante, der Chef des führenden irischen Unternehmensverbands Ibec, Danny McCoy, gegenüber der FAZ kundtat: „Am liebsten wäre es uns, die Briten blieben in der EU. Aber Großbritannien könnte nach einem Brexit ein sehr attraktiver Wirtschaftsstandort sein.“

Ein irischer EU-Austritt als Reaktion auf einen Brexit sei nicht auszuschließen: „Ich kann mir Umstände vorstellen, unter denen das zwingend wäre“ (faz.net: 15.5.2015). Diese Worte sind gewichtig, denn Iren kann man für gewöhnlich nicht vorwerfen, dass es ihnen leicht fiele, Engländer zu kopieren. Gleichwohl, das muss vermerkt sein, ist die Zustimmung zur EU in Irland stabil hoch. Das könnte sich aber bei einem Erfolg der Singapur-Variante ändern.

Wie geht es jetzt weiter?

Der Auftakt der Austrittsverhandlungen zwischen Brüssel und London ist begleitet von reichlich Kanonendonner. Nicht jede Aussage beider Seiten sollte zum Nennwert genommen werden. Ein „Exit vom Brexit“ ist jedoch unwahrscheinlich.

Am wahrscheinlichsten ist aus jetziger Sicht ein „harter Brexit“, also dass die Handelsbeziehungen bei einem Austritt erst einmal auf WTO-Basis erfolgen (rechte Spalte). Die folgende Tabelle will einen Überblick geben über mögliche Arten von Integration:

 

EU

EWR (EFTA ohne Schweiz)

Schweiz

Zollunion wie Türkei

WTO

Art der Integration

Zollunion mit Binnenmarkt, tw. staatsähn­licher Charakter

Vertiefte Freihandels­zone

Bilaterale Verträge

Zollunion

Multilaterales Abkommen

freier Zugang zum EU-Binnenmarkt

ja

ja, mit Einschrän­kungen

ja, mit Einschrän­kungen

ja, mit Einschrän­kungen

nein

Freier Zugang für Finanzdienst­leistungen

ja

stark einge­schränkt, aber angestrebt

nein

nein

nein

Personenfrei­zügigkeit

ja

ja

ja

nein

nein

Eigenständige Außenhandels­politik gegen­über Dritten

nein

ja, eingeschränkt

ja

nein

ja

Mitbestimmung EU-Regeln

ja

nein

nein

nein

nein

(Indirekter) Beitrag zum EU-Haushalt

ja

ja

ja

nein

nein

Übernahme von EU-Vorschriften

ja

ja (Norweger nennen es „Fax-Demokratie“)

ja, teilweise

ja, sofern Zollunion betreffend

nein

Konform mit

Brexit-Kampagne

nein

nein

nein

nur teilweise

ja

 

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