Angemerkt Warum Daten-Crunching noch nicht die ganze Wahrheit ist

Redakteur: Franz Graser

Es ist schon erstaunlich, was die Digitalisierung mit den Menschen anstellt. Ein merkwürdiges Phänomen ist zum Beispiel, dass man immer mehr Daten braucht.

Firmen zum Thema

Franz Graser, Redakteur ELEKTRONIKPRAXIS: "Man kann nie genug Daten haben: Gigabytes, Terabytes, Petabytes. Man muss ja Prozesse optimieren."
Franz Graser, Redakteur ELEKTRONIKPRAXIS: "Man kann nie genug Daten haben: Gigabytes, Terabytes, Petabytes. Man muss ja Prozesse optimieren."
(Bild: VBM)

Man kann nie genug Daten haben. Gigabytes, Terabytes, Petabytes. Um die Daten zu sammeln, werden Sensoren aufgestellt und mit einer Art Backend verbunden (euphemistisch "Cloud" genannt).

Die somit erzeugten und gewonnenen Daten werden dann normalisiert, analysiert und durchkämmt, in der Hoffnung, dass darin letztlich die Antwort auf das Problem zu finden, das die Leute im sechsten Stock gerade so umtreibt. Es ist ja nicht falsch. Die Leute im sechsten Stock haben Abschlüsse in BWL, tragen teure Anzüge und Kostüme und sie müssen Prozesse optimieren.

Und sie brauchen die Daten, um erst einmal festzustellen, wo denn in den Prozessen eigentlch das Problem steckt. Wie gesagt, sie müssen optimieren. Das ist nicht einfach, ich möchte es nicht machen müssen. Aber ich habe keinen BWL-Abschluss und bin auch kein Anzugtyp. Vielleicht interessiert es Sie, was unsere Firma herstellt.

Wir sind im Lighting-Business. Wir produzieren Wachskerzen. Unsere Kerzen sind mit Sensoren ausgestattet, die den Wachsverbrauch und die Lichtausbeute optimieren helfen. Außerdem wird sofort eine neue Kerze bestellt, wenn die alte heruntergebrannt ist.

Unsere Prozesse sind eigentlich schon lean, wir hatten erst letztes Jahr eine Initiative, die den Materialverbrauch um 0,7 Prozent gesenkt hat. Wir waren richtig happy. Trotzdem verlieren wir immer mehr Marktanteile an ein Startup, das IoT-fähige Leuchtdioden herstellt.

Kürzlich habe ich mal gefragt, warum wir nicht auch sowas machen können. "Das wäre ja noch schöner", bekam ich zur Antwort, "wir werden doch wegen so einem Emporkömmling unser Geschäft nicht umstellen! Außerdem optimieren wir ja ständig, wir haben erst ein neues Analyseprogramm bestellt." Wie gesagt: Ich bin kein Anzugtyp.

(ID:44754244)