Jobsuche in der Pandemie Wake-up-call: Covid-19!

Autor / Redakteur: Renate Schuh-Eder * / Michael Eckstein

Während der Pandemie einen Job zu suchen ist schwierig: Die geforderten Skillsets sind oft unrealistisch hoch. Doch wer neugierig ist – und bereit, Probleme zu lösen – wird offene Türen vorfinden.

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Schlüsselposition: Mit ihrem Team fokussiert sich Renate Schuh-Eder auf die Besetzung von Management- und Expertenpositionen in der Elektronikbranche und auf die Optimierung von Recruiting-Prozessen.
Schlüsselposition: Mit ihrem Team fokussiert sich Renate Schuh-Eder auf die Besetzung von Management- und Expertenpositionen in der Elektronikbranche und auf die Optimierung von Recruiting-Prozessen.
(Bild: BLENDE11 FOTOGRAFEN)

Ich erinnere mich noch sehr gut an einen Tag im Januar 2020. Ich saß mit 2 älteren Herren in der Skigondel hoch zur Hohen Savle – Pulverschnee unter uns – die Sonne über uns. Einer der Herren erzählte von einer ausufernden Party – am vorherigen Abend – in seinem Hotel und die beiden reflektierten die Geschichte der spätrömischen Dekadenz mit der Folge des Untergangs des römischen Reiches.

Das war für mich ein sehr beeindruckender Impuls. In der Tat hatte ich auch bereits des Öfteren – sowohl im privaten als auch geschäftlichen Umfeld –Gespräche darüber, wo uns „das Alles“ eigentlich noch hinführen soll. Höher, schneller, besser? Kann es so weitergehen? Konnte es wohl nicht! Corona fiel über uns her und deckte gnadenlos all unsere Schwachpunkte auf. Die Digitalisierung steckte rundherum in den Kinderschuhen – ganz besonders bei den Bildungseinrichtungen. Aber auch viele Unternehmen mussten hier erst noch Basics aufholen und schnell Digitalkompetenz aufbauen. Politische Entscheidungen waren teils eine mittlere Katastrophe – der „Lieschen Müller Hausverstand“ schien gänzlich verloren gegangen zu sein.

Häufig unrealistische Skillsets gefordert

Doch gab es auch in der Krise Positives zu berichten. So konnten viele Unternehmen dank Kurzarbeit Jobs – und damit Kompetenzen – halten. Und laut einer Statistik muss der weit überwiegende Teil der Bevölkerung – über 70 Prozent – bislang keine großen Einschnitte verkraften. Klar, Tourismus, Gastro, Kunst und Alleinerziehende werde das sicher anders beurteilen.

Keine Frage: Die derzeitig grassierende Corona-Pandemie hat die Welt verändert – und wird dies weiter tun. Hier gilt es, Mut zu machen, und zwar jenseits von Verdrängung, Naivität und Selbstbeweihräucherung. Deshalb folgende Gedanken dazu: In unserer Wirtschaft – auch in der Elektronikbranche – herrscht derzeit keine „Konfettistimmung“. Viele (Top-)Manager machen sich Sorgen über den Standort Deutschland, über den irrsinnigen Bürokratismus und die Haltung und Einsatzbereitschaft vieler Arbeitnehmer.

Aus meiner Erfahrung der letzten Wochen kann ich sagen, dass Positionen inzwischen mit einem Anforderungs-Skillset versehen werden, das nur sehr selten vorhanden ist. Überdurchschnittliche IT-Anwendungskenntnisse seien hier als Beispiel genannt; ebenso die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, erfolgreiches Change-Management verbunden mit einem positiven Mindset und Charisma. Leidenschaft, visionäres Denken und viel Engagement und Konzentration auf die jeweils anstehenden Themen kommen hinzu.

Mit deutschen Tugenden wieder Fuß fassen

Die Rückbesinnung auf die deutschen Tugenden, wie Höflichkeit, Pünktlichkeit, Fleiß, Ordnung usw. hätten zum Einen vermutlich das Management von Corona effektiver und erfolgreicher gemacht. Vor allem aber sind sie – aus meiner Sicht – neben den jeweils notwendigen Fachkompetenzen eine wichtige Grundlage, um wieder Fuß zu fassen im internationalen Wettbewerb.

Aus dem Blickwinkel unserer Personal­beratung kann ich Arbeitnehmern, die sich auf ihren bisherigen Fähigkeiten zurücklehnen, wenig Mut machen. Sie werden es in den kommenden Wirtschaftsjahren sehr schwer haben, vielleicht auch gar nicht mehr gebraucht werden. Ängste in Bezug auf den sicheren Arbeitsplatz, in jedem Fall aber wenig Freude – durch ständigen (gefühlten) Druck sind vorprogrammiert. Diejenigen aber, die sich den anstehenden Themen stellen und ohne Angst und mit der nötigen Portion Neugierde, auf alle Fälle aber mit Problemlösungskompetenzen, den Aufgaben entgegentreten, werden überall offene Türen vorfinden. Da bin ich mir sicher!

* Renate Schuh-Eder ... ist geschäftsführende Gesellschafterin der Personalberatung SCHUHEDER Consulting GmbH.

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