Meilensteine der Elektronik

Vor 70 Jahren: Erstes Oszilloskop mit Trigger auf Zeitbasis

| Redakteur: Hendrik Härter

Mitbegründer von Tektronix: Howard Vollum gründete 1946 zusammen mit Jack Murdock das Unternehmen in Oregon, USA. Es gehört bis heute zu den bedeutensten Oszilloskop-Herstellern.
Mitbegründer von Tektronix: Howard Vollum gründete 1946 zusammen mit Jack Murdock das Unternehmen in Oregon, USA. Es gehört bis heute zu den bedeutensten Oszilloskop-Herstellern. (Bild: Tektronix)

Bei vielen Oszilloskop-Entwicklungen war Tektronix führend. Doch neben dem Erfindergeist seiner beiden Gründer war auch der Geschäftssinn entscheidend für den Erfolg.

Tektronix wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Portland von vier Partnern gegründet, darunter der geniale Ingenieur Charles „Howard“ Vollum und der geschäftstüchtige Unternehmer Melvin „Jack“ Murdock.

Bereits während seines Physik-Studiums am Reed College in Portland, Oregon, beschäftigte sich Vollum damit, wie sich das Design eines Oszilloskops verbessern ließ. Schließlich entwickelte er das weltweit erste Oszilloskop mit einem Trigger für Zeitbasis, das Tektronix im Jahr 1946 vorgestellt hat. Das Oszilloskop-Modell 511 war ein entscheidender technischer Durchbruch und Tektronix gehörte schnell zu den weltweit führenden Anbietern von Oszilloskopen. Obwohl sich das Instrument seither umfassend weiterentwickelt hat, gehört Tektronix noch immer zu den führenden Anbietern auf dem Messgeräte-Markt. Im Jahr 1951 arbeiteten bereits 300 Mitarbeiter für das Unternehmen und erwirtschafteten einen Umsatz von 4 Millionen US-Dollar.

Die Gründer waren Wissenschaftler und Geschäftsleute

Im Jahr 1959 konnten 3000 Mitarbeiter bereits einen Umsatz von 32 Millionen US-Dollar erwirtschaften. Charles Vollum war von 1946 bis 1971 Präsident des Unternehmens und übernahm anschließend die Position des Chairman of the Board, die er bis 1984 innehatte. Als kreativer und fähiger Wissenschaftler und Forscher hatte Vollum auch ein bemerkenswertes Talent im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit anderen Menschen. Vollum und Murdock führten beispielsweise die Gewinnbeteiligung für Mitarbeiter ein, schafften die Stempeluhr ab und ermöglichten leitenden Angestellten der unteren und mittleren Führungsebene einen Aufstieg in die Unternehmensführung. Es gab auch Anreize für die Entwickler und Ingenieure bei Tektronix kreative Ideen umzusetzen.

Von Freunden und Kollegen wurde Vollum als „ruhiges Genie“ und „bescheiden“ beschrieben. Ein großer Teil des anfänglichen Wachstums war auf die Oszilloskope der Serien 530 und 540 zurückzuführen, die sich durch eine Trigger-Technik mit Verzögerung auszeichneten. Damit konnte eine zusätzliche verzögerte Triggerung einer zweiten Zeitbasis während des ersten Durchlaufs der ersten Zeitbasis erfolgen. Damit bekamen Entwickler eine stabilere Triggerung und eine bessere Signaldarstellung. 1961 wurde mit dem Modell 321 das weltweit erste tragbare Oszilloskop vorgestellt.

Die digitalen Sampling-Oszilloskope

Mitte der 1960-Jahre hatte Tektronix mit der Serie 400 eine Reihe von Hochfrequenz-Geräten auf den Markt gebracht, mit dem sich der Oszilloskop-Spezialist über viele Jahre von den Mitbewerbern absetzen konnte. Die Messlösungen waren vor allem in den 1970er und 1980er Jahren populär und werden noch heute eingesetzt. In den 1990er Jahren entwickelte das Unternehmen digitale Sampling-Oszilloskope. Das war möglich, weil es Fortschritte bei den Signalabtastungsverfahren und der digitalen Signalverarbeitung gab.

Tektronix war auch hier wieder führend und stellte eine neue Generation von Digital-Oszilloskopen vor, die sich durch verbesserte Speicher- und Messfunktionen auszeichneten. Allein bei den Oszilloskopen sollte es nicht bleiben: Das Unternehmen expandierte in andere Bereiche der Messtechnik wie die Logik- und Spektrumanalysatoren. Außerdem etablierte man sich als Anbieter von Videoanalyse- und Überwachungsgeräten, die in der Rundfunk- und Kabel-TV-Industrie eingesetzt wurden.

Weitere wichtige Produktentwicklungen

Der Geist für unterschiedliche Entwicklungen, der für den Erfolg des Unternehmens entscheidend war, ist auch heute noch gegenwärtig. In den letzten fünf Jahren hat Tektronix einige wichtige Produktentwicklungen vorgestellt, darunter das weltweit erste Mixed-Domain-Oszilloskop, das einen vollständigen Spektrumanalysator integriert; außerdem die ATI- (Asynchronous-Time-Interleaving-)Technik, die eine verbesserte Signalwiedergabetreue ermöglicht. Hinzu kamen leistungsfähige USB-basierte Spektrumanalysatoren sowie erste optische Tastköpfe.

In der sich schnell weiterentwickelnden Elektronikindustrie gehört das Unternehmen heute zu den bekanntesten Firmen. Trotz vieler Technologieänderungen hat Tektronix in den letzten 70 Jahren im Oszilloskop-Markt immer eine Führungsposition eingenommen. Heute verwenden acht von zehn Entwicklungs-Ingenieuren die Oszilloskope von Tektronix.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44172753 / Meilensteine der Elektronik)