Eine technische Sensation Vor 50 Jahren stellt Philips die Compact Cassette auf der IFA vor

Redakteur: David Franz

Die 23. Internationale Funkausstellung (IFA) in Berlin gab im Jahr 1963 den Startschuss für das Musikmedium, welches die 70er-, 80er- und 90er-Jahre dominierte: Die Compact Cassette von Philips und den zugehörigen Kassettenrekorder. Wir blicken zurück.

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In 50 Jahren erlebte die Compact Cassette eine beachtliche Evolution: Der muffig klingende Monoton wurde bald durch Stereo ersetzt.
In 50 Jahren erlebte die Compact Cassette eine beachtliche Evolution: Der muffig klingende Monoton wurde bald durch Stereo ersetzt.
(Bild: Philips)

Seit Gründung des Unternehmens 1891 macht Philips mit Innovationen das Leben schöner, gesünder und aufregender. Am 28. August 1963 stellte der niederländische Technologiekonzern auf der 23. Internationalen Funkausstellung in Berlin eine Erfindung vor, die das Musikhören revolutionierte: die Compact Cassette. In diesem Jahr feiert das Speichermedium seinen 50. Geburtstag. Zusammen mit dem dazugehörigen Rekorder − den Philips zeitgleich auf den Markt brachte − ermöglichte die Kassette, Songs aus dem Radio oder von LP aufzuzeichnen und sie jederzeit abzuspielen – damals eine technische Sensation.

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„Die Compact Cassette ist sozusagen der VW Käfer der Tonindustrie: Sie läuft und läuft und läuft. Auch wenn sich mittlerweile digitale Speicher- und Abspielmedien durchgesetzt haben, gibt es in Deutschland immer noch eine große Kassettenkultur“, so Daniel Arfi, Manager Marketing Audio Philips Lifestyle Entertainment. „Kassetten wecken Kindheitserinnerungen, versprühen einen besonderen Charme und sind nicht nur bei Sammlern beliebt − in manchen Familien werden ganze Hörspielsammlungen vererbt. Wegen ihrer Robustheit und der einfachen Technik ist das altbewährte Medium auch in den Entwicklungsländern weit verbreitet. Philips vermarktet bis heute Geräte, die auch Kassetten abspielen können – zum Beispiel die Soundmaschine AZ787 oder die Microanlage MCM1120“, so Daniel Arfi weiter.

Schöner, länger, besser

In 50 Jahren erlebte die Compact Cassette eine beachtliche Evolution: Der muffig klingende Monoton wurde bald durch Stereo ersetzt. Die Spielzeit wuchs erst auf 90, dann auf 120 Minuten. Die Wiedergabe hoher Töne versuchte man mit Chromdioxid und Reineisen-Band zu verbessern. Technikern der Dolby-Labors gelang es, das Rauschen zu unterdrückten. Geschwindigkeitsschwankungen − Schuld an jaulender Musik − unterbanden die Entwickler mit leicht laufenden Kassetten und massiven Metallgehäusen. Die Autoreverse-Technik macht schließlich dem lästigen Umdrehen ein Ende. Bei gelegentlichem Bandsalat bewährten sich zwei einfache Hilfsmittel: Einen Bleistift für das Wiederauffädeln und Tesafilm, um kleine Risse zu kitten.

Individuell und mobil

Nicht alle Menschen begrüßten die Markteinführung der Compact Cassette in den 1960ern. Zu den Gegnern gehörte die Musikindustrie: „Home taping is killing music" druckten britische Plattenfirmen erbost auf ihre LP-Hüllen. Im DDR-Radio hingegen lasen Moderatoren die Musiktitel vor, um den Hörern das Mitschneiden zu erleichtern. Aus den USA stammte die Idee, gesprochene Grüße auf Kassette zu verschicken. Individuelle Mix-Tapes waren ein beliebtes Geschenk unter Verliebten, Hörspiele oder Märchenkassetten sorgten für Abwechslung auf langen Autofahrten. Ende der 1970er wurde die Kassette mit der Erfindung des Walkmans sogar mobil – und neben Turnschuhen zum Wegbegleiter einer ganzen Generation.

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