Erinnerung an deutschen Computerpionier

Vor 30 Jahren starb Heinz Nixdorf

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Entwicklung geprägt, Entwicklung verpasst

Nixdorf international: 1985 beschäftigte Nixdorf Computer weltweit 23.000 Mitarbeiter in 44 Ländern. Auch in Singapur wurden Nixdorf-Rechner gefertigt.
Nixdorf international: 1985 beschäftigte Nixdorf Computer weltweit 23.000 Mitarbeiter in 44 Ländern. Auch in Singapur wurden Nixdorf-Rechner gefertigt.
(Bild: Heinz Nixdorf Museumsforum)

Ab den 1970-er Jahren war Nixdorf Computer unbeschrittener Marktführer in Deutschland. Das Unternehmen galt als der viertgrößte Computerhersteller Europas, mit Produktionsstätten in Deutschland, Irland, Spanien, USA und Singapur. Auf seinem Höhepunkt beschäftigte das Unternehmen 23.300 Mitarbeiter in 44 Ländern.

Ab Mitte der 70-er Jahre löst die Rechnerfamilie 88xx nach und nach die in die Jahre gekommene System-820-Architektur ab. Die Produktreihe umfasste programmierbare Terminal-Systeme, integrierte Textverarbeitungssysteme, Kassensysteme, Datentelefone sowie mit dem DVS 8818 das erste ISDN-fähige digitale Vermittlungssystem eines deutschen Herstellers.

Doch eine Entwicklung scheint der deutsche Marktführer zu verpassen: Während Nixdorf überwiegend auf seine proprietären Systeme mit einer Einheit aus Hard- und Software setzt, dringen Personal Computer immer mehr in den Heim- und Büromarkt vor. Dabei hätte durchaus die Möglichkeit zur Massenproduktion von PCs bestanden: 1985 existierte eine Anfrage seitens Apple-Computer, ob Nixdorf nicht Interesse daran hätte, Apple-Produkte in Lizenz für den europäischen Raum zu produzieren. Doch Heinz Nixdorf selbst schien vom PC-Geschäft wenig zu halten: „Wir bauen keine Goggomobile“ soll der Computerpionier hierzu gesagt haben.

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Zwar existierten mit 8810-Reihe ab 1985 einige erste IBM-PC-kompatible Rechner aus dem Hause Nixdorf, doch wurde dieses Segment vom Firmengründer weitgehend ignoriert. Auf der ersten CeBIT sollen einige ehemaligen Mitarbeit Nixdorf noch bedrängt haben, diesen Kurs zu ändern. Dazu sollte es allerdings nicht mehr kommen: Auf der Messeparty am 17. März brach Heinz Nixdorf mit einem Herzinfarkt auf der Tanzfläche zusammen und starb kurze Zeit später.

Mit dem Tod des Firmengründers begann auch der Abstieg von Nixdorf Computer. In der Folgezeit versuchte das Unternehmen, doch noch auf den sich ändernden Computermarkt stärker in den PC-Bereich vorzudringen, was allerdings nicht recht gelang. Nach einem Krisenjahr 1988/1989 verschmolz Nixdorf Computer mit dem Bereich Daten- und Informationstechnik der Siemens AG zur Siemens Nixdorf AG zur Siemens Nixdorf AG. In den Folgejahren werden immer mehr Bestandteile des Unternehmens herausgelöst und in Siemens selbst integriert.

Vom einstigen Marktführer bleibt heute nur der Name eines Unternehmens übrig: Die 1999 gegründete, auf Banken- und Kassensysteme spezialisierte Wincor Nixdorf GmbH, die aus der Siemens Nixdorf Retail & Banking Systems GmbH ausgegliedert worden war und deren Name bewusst in Anlehnung an den bedeutenden Computerpionier gewählt wurde. Und das Heinz Nixdorf Museumsforum in Paderborn hält die Erinnerung an den Mann aufrecht, der die deutsche Computerlandschaft wie kein anderer bestimmt und geprägt hatte.

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