Desktop-CPU Vor 25 Jahren: Der AMD K5

Von Sebastian Gerstl

Heute ist AMD Marktführer bei Desktop-CPUs, doch bis Mitte der 90er Jahre hatte das Unternehmen nur günstige x86-Klone im Angebot. 1996 sollte sich das ändern: Mit der hausintern entwickelten K5-CPU blies AMD zum Angriff auf Branchenprimus Intel – mit überraschendem Erfolg.

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Vorder- und Rückansicht einer K5 P166 CPU von AMD. Mit der ersten hausintern produzierten CPU gelang es dem Prozessorhersteller Mitte der 90er Jahre erstmals, an der Hegemoniestellung des Branchenriesen Intel im PC-Markt zu kratzen.
Vorder- und Rückansicht einer K5 P166 CPU von AMD. Mit der ersten hausintern produzierten CPU gelang es dem Prozessorhersteller Mitte der 90er Jahre erstmals, an der Hegemoniestellung des Branchenriesen Intel im PC-Markt zu kratzen.

Seit AMD vor beinahe fünf Jahren die Zen-Architektur für Mikroprozessoren auf dem Markt einführte, hat sich der CPU-Hersteller wieder zu einem der umsatzstärksten und bedeutendsten Halbleiteranbieter entwickelt. Im Jahr 2021 erreichte der CPU-Anbieter seinen größten Marktanteil seit über 14 Jahren – und schaffte es nach einigen Erhebungen sogar, den Branchenriesen Intel als Marktführer für Prozessoren bei reinen Desktop-PCs abzulösen. Auch auf dem Server-Markt konnte das Unternehmen wieder nennenswerte Anteile erreichen. Zählt man alle Anwendungsfelder für x86-basierte Prozessoren, ist die Dominanz Intels weiterhin ungebrochen. Aber egal wie man zählt: Derzeit steht AMD stärker im Markt als seit über einem Jahrzehnt – eine Tendenz, die durch die anstehende Übernahme von FPGA-Marktführer Xilinx noch weiter beflügelt würden dürfte..

Das Intel als Marktführer für Desktop-CPUs übertroffen wurde, gab es in der PC-Geschichte bislang nur einmal: Ende 2005 konnte zuletzt ein Hersteller die Firma, die den Mikroprozessor erfunden hat, an der Spitze ablösen. Auch damals hieß dieses Unternehmen AMD. Und der Weg für diesen Triumph wurde durch die erste CPU bereitet, die die Firma damals hausintern selbst entwickelt hatte: dem K5-Mikroprozessor.

Exkurs: Intel vs AMD – Aus Partnern werden Rivalen

Bevor AMD sich einen Namen als ein eigener Anbieter von leistungsstarken CPUs machte, war das Unternehmen auf dem Prozessormarkt zunächst als Anbieter von Klonen bekannt. Grundlegend dafür war sogar eine Partnerschaft mit Intel: Damit für den historischen IBM PC 5150 auch eine zweite Bezugsquelle des eingesetzten Intel 8088-Prozessors vorhanden war, um möglichen Produktionsausfällen vorzubeugen, schlossen die beiden Halbleiterunternehmen eine Technologiepartnerschaft. Dieses Abkommen gab AMD Zugang zu Fertigungsdaten und dem Mikrocode von Intels x86-Prozessorfamilie und machte es dem Unternehmen so möglich, eigene Kopien des Chips zu fertigen und zu vermarkten. Die Technologiepartnerschaft sollte zehn Jahre dauern.

Nur wenige Jahre später gerieten die Firmen allerdings über Details dieses Abkommens in Streit. Denn AMD interpretierte den geschlossenen Vertrag dahingehend, dass das Unternehmen nicht nur Kopien, sondern auch eigene Derivate mit zusätzlichen Optimierungen oder Verbesserungen anbieten konnte: etwa anderen Taktraten oder Änderungen im mathematischen Koprozessor. Zudem war AMD in der Lage, die eingesetzten Prozesse zu verfeinern und so gleichwertige Chips zu günstigeren Preisen anzubieten.

1985 präsentierte Intel mit dem Intel 803086 eine neue Generation an Prozessoren: Die x86-Familie konnte komplett abwärtskompatibel zu früheren Modellen von einer 8- auf eine 16-Bit-Architektur erweitert werden, was den Bausteinen einen vollkommen neuen Anwendungsspielraum eröffnete. Der Chip half dem PC endgültig, sich in diesen Jahren als die dominante Büro- und Heimcomputerplattform zu etablieren. In der Folge wurden AMD Informationen zu dem 80386-Prozessor vorenthalten: Aus Sicht Intels handelte es sich bei dem Chip nicht um eine reine Weiterentwicklung, sondern um neue Technologie, die vom bestehenden Abkommen nicht abgedeckt sei. Zwei Jahre später beendete Intel schließlich einseitig das Technologieabkommen.

AMD, das seine Rechte verletzt sah, verklagte Intel 1987 auf Herausgabe der 386-Daten. Zusätzlich begann AMD, den 80386 mittels Reverse Engineering im Reinraum nachzubauen. 1989 kündigte AMD mit dem Am386 einen eigenen 386-Prozessor auf Basis seiner Bemühungen an – und fing sich sofort eine Gegenklage von Intel ein, da der Prozessor nach Intels Ansicht geschützten Mikrocode verwendete.

Die Klagen sollten sich bis 1991 und 1992 hinziehen - und endeten mit einer Niederlage für das führende Chipunternehmen. Effektiv befand das Gericht, dass AMD seinen Am386 ohne Diebstahl intellektuellen Eigentums entwickelt hatte und zulässig anbieten durfte. Das Urteil öffnete die Tore nicht nur für AMD, sondern auch für andere Unternehmen, mit eigenen x86-Prozessoren auf den Markt zu drängen: Im März 1991 führte AMD den ersten Vertreter seiner Am386-Familie in den Markt ein. Ein Jahr später präsentierten neue Konkurrenten wie Cyrix oder NexGen ebenfalls eigene pinkompatible Klone zum Intel 80386.

Intel selbst konnte diese Entwicklung gelassen sehen. Bereits 1989 hatte die nächste x86-CPU-Generation mit der 80486-Familie das Licht der Welt erblickt. Zwar dauerte es nach dem Urteil nicht lange bis auch hierzu Klone erschienen, doch konnte Intel bis dahin drei Jahre unangefochtene Technologieführerschaft genießen. Diese konnte kurz darauf mit dem Nachfolger der fünften x86-Generation weiter ausgebaut werden: Am 22. März 1993 erschien mit dem P5 der erste Vertreter der Pentium-Prozessorfamilie.

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