Neuroleadership

Von Hirnforschern lernen, wie gute Führung funktioniert

| Autor / Redakteur: Dorothée Putzier * / David Franz

Synapsen: Die Verschaltungen im Gehirn entwickeln sich so, wie das Gehirn benutzt wird. Neue Verschaltungen sind bis ins hohe Alter möglich.
Synapsen: Die Verschaltungen im Gehirn entwickeln sich so, wie das Gehirn benutzt wird. Neue Verschaltungen sind bis ins hohe Alter möglich. ( © Naeblys - Fotolia)

Wie Führungskräfte von den Erkenntnissen der Hirnforscher profitieren können, beschreibt Autorin Dorothée Putzier in diesem Beitrag und auf dem 12. EMS-Tag (www.ems-tag.de) am 26. Juni 2014 in Würzburg.

Gute Fachleute werden knapp, die junge Generation legt immer mehr Wert auf „gute Führung“. Doch was ist darunter zu verstehen? Und wer beurteilt, was gut ist und was nicht? Auf diese Fragen suchen mittlerweile auch Neurowissenschaftler eine Antwort. Mit Hilfe modernster Techniken wie der funktionellen Magnetresonanztomografie schauen sie uns quasi beim Denken und Entscheiden zu – und gewinnen so spannende Erkenntnisse, wie wir Entscheidungen treffen, wie Menschen sich ändern oder andere beeinflussen und warum beides so schwierig ist. Von den Erkenntnissen der Hirnforscher können auch Sie als Führungskraft und Manager profitieren.

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Das Gehirn entwickelt sich so, wie es benutzt wird

Routineaufgaben und immer gleiche Abläufe führen dazu, dass sich im Gehirn regelrechte „Autobahnen“ bilden. Die einstudierten Verhaltensmuster und Denkweisen werden vom Gehirn passend zur Aufgabenstellung auf Knopfdruck abgerufen. Das Problem: Ändern sich Abläufe, fällt es Menschen umso schwerer, die Veränderungen zu akzeptieren und umzusetzen, je länger die alten Verhaltensweisen zuvor eingeübt wurden. Dabei ist unser Gehirn geradezu dafür geschaffen, immer wieder neue Verknüpfungen zu bilden und dadurch Probleme zu lösen. Aber genau diese Fähigkeit kann einrosten.

Ein Beispiel: In einem mittelständischen Unternehmen herrscht Jahrzehnte lang ein Patriarch mit ganz genauen Vorstellungen, wie alles zu laufen habe. Seine strikten Vorstellungen setzt er bis zur untersten Ebene durch. Neue Ideen oder Einwände von den Mitarbeitern sind nicht erwünscht. Dann stirbt der Patriarch. Das neue Managementteam forderte die Mitarbeiter auf, Verbesserungsvorschläge zu machen. Doch die Resonanz geht gegen Null. Auf Nachfrage antworten die Mitarbeiter, sie seien es nicht gewohnt, selbst zu denken. Die entsprechenden Verschaltungen in den Gehirnen waren längst eingerostet.

Praxistipp: Wenn Sie wollen, dass Ihre Mitarbeiter positiv und schnell auf Veränderungen reagieren, sorgen Sie am besten im Arbeitsalltag für Abwechslung. Es gibt viele Möglichkeiten: Vergeben Sie Sonderaufgaben, setzen Sie auf die positiven Effekte der Job-Rotation oder verändern Sie einfach mal die Arbeitsumgebung. Ein Meeting im Freien kann schon ganz neue Ideen bringen.

Veränderungen im Gehirn brauchen Zeit

Der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann erklärt in seinem Buch „schnelles Denken, langsames Denken“, dass in unserem Gehirn zwei unterschiedliche Systeme das Denken und Handeln lenken. System 1 ist für automatisierte Prozesse zuständig. Es ist schnell, unbewusst und eher emotionsgesteuert. System 2 ist für die bewussten, anstrengenden und rationalen Überlegungen zuständig. Die morgendliche Routine läuft nach System 1. Wenn wir eine wichtige Entscheidung treffen, kommt auch System 2 ins Spiel. Denn jetzt sammeln wir Informationen, analysieren diese und wägen systematisch ab.

System 2 verbraucht viel Energie und verfügt über relativ wenig Kapazität. Deshalb tendiert das Gehirn dazu, so viele Prozesse wie möglich zu automatisieren. Denken Sie nur an das Autofahren: Am Anfang hat jeder Probleme mit den Abläufen, aber schon nach wenigen Fahrstunden laufen alle Tätigkeiten so automatisiert ab, dass wir über sie gar nicht mehr „nachdenken“ müssen. Diese Grundfunktion des Gehirns führt dazu, dass wir routinierte Abläufe lieben und das Neue eher scheuen.

Praxistipp: Wenn Ihre Mitarbeiter eine andere „Autobahn“ nehmen sollen, denken Sie daran, dass dies ein Kraftakt für das Gehirn ist. Geben Sie Ihrer Mannschaft deshalb die nötige Zeit und Unterstützung, damit sie sich an das Neue gewöhnen und die hierfür nötigen Routinen einstudieren kann.

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Nur Zuckerbrot ohne Peitsche schmeckt irgerndwann auch nicht mehr. Auf das Verhältnis kommt es an  lesen
posted am 15.05.2014 um 12:24 von Unregistriert


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