Von Bitcoin zur "Deutschland-Chain"

| Autor / Redakteur: Christoph Behrens, SZ* / Sebastian Gerstl

Vergangene Woche stieg der Wert eines Bitcoin erstmals auf mehr als 10 000 US-Dollar. Die zugrundeliegende Technik, die sogenannte Blockchain, wurde mittlerweile deutlich weiterentwickelt.
Vergangene Woche stieg der Wert eines Bitcoin erstmals auf mehr als 10 000 US-Dollar. Die zugrundeliegende Technik, die sogenannte Blockchain, wurde mittlerweile deutlich weiterentwickelt. (Bild: geralt/Pixabay / CC0)

Der Kurs von Bitcoin steigt rasant. Die Technik dahinter – die Blockchain - sollte auch deutsche Politiker interessieren, meint IT-Professor Roman Beck.

Roman Beck erforscht an der IT-Universität Kopenhagen unter anderem die Anwendungen von Blockchains und leitet das "European Blockchain Center". Zuvor lehrte der Informatiker an der Goethe-Universität Frankfurt.

Die Blockchain ist eine neue Art von Datenbank, die beispielsweise die Digitalwährung Bitcoin steuert. Bitcoin kann man sich wie ein sehr langes Buch vorstellen, das alle vergangenen Transaktionen mit der Währung enthält. Dieses Buch wird Blockchain genannt und permanent mit allen neuen Transaktionen fortgeschrieben. Damit niemand betrügen kann, liegt diese Datenbank aber nicht auf einem einzigen Computer oder Server, sondern verteilt auf sehr vielen Rechnern, die wie ein Netzwerk miteinander verbunden sind. Dadurch überwachen sich die Besitzer von Bitcoin gegenseitig, und es ist unmöglich, beispielsweise einen neuen Bitcoin unbemerkt hinzuzufügen. Auf so einer Blockchain lassen sich aber auch andere Daten speichern, beispielsweise wenn verschiedene Firmen sensible Geschäftsinformationen miteinander teilen wollen, die nicht verändert werden dürfen.

Die meisten großen Internetfirmen wie Apple und Google sitzen in den USA. Europa hat den Zug verpasst, mit dem Internet viel Geld zu verdienen. Verschlafen wir jetzt mit der Blockchain den nächsten großen Trend?

Beck: Die Gefahr ist da. Anders als viele andere Technologien ist die Blockchain aber kein Thema, das vorrangig aus den USA, aus dem Silicon Valley kommt. Es handelt sich um eine wichtige Infrastruktur-Technologie, die nicht von den einschlägig bekannten Firmen betrieben wird. Da kristallisieren sich gerade Standorte heraus, an denen Innovationen der Blockchain der ersten Generation entstehen, also Bitcoin. Das ist eine Chance, Europa könnte sich hier etablieren. Aber das sag ich schon seit zwei Jahren, das Fenster schließt sich bereits wieder. Wir sind nicht schnell genug, andere Länder im Osten Europas sind deutlich aggressiver.

Wie sieht die Weiterentwicklung von Bitcoin derzeit aus?

Ein Vordenker ist Vitalik Buterin, ein junger Mann mit russischen Wurzeln, der gemeinsam mit anderen Freidenkern verstanden hat, dass man aus der Bitcoin-Technologie mehr machen kann. Er hat mit "Ethereum" eine neue Blockchain entwickelt, die nicht nur Zahlungsverkehr ermöglicht - also eine Cryptowährung wie Bitcoin - sondern jedwede Form von Rechteübergang. Damit wird es möglich, Geschäftsvorgänge und Verträge zwischen Geschäftspartnern auf einer Blockchain abzuwickeln. Seit es Ethereum gibt, setzt sich auch die Finanzindustrie ernsthaft mit dem Thema auseinander. Früher haben sie gesagt, das ist etwas für Kriminelle, die damit Drogengeschäfte im Darknet abwickeln, damit wollen wir nichts zu tun haben. Als Ethereum an den Markt ging, fand die erste ernsthafte inhaltliche Auseinandersetzung mit der Technologie statt.

Wo wird denn am meisten an der Weiterentwicklung gearbeitet?

Die Entwicklung findet genauso statt wie die Technologie selbst aufgebaut ist: in Netzwerken und virtuellen Teams. Das ursprüngliche Ethereum-Entwickler-Team hat sich in alle Winde verteilt. Wir sehen jetzt sehr starke Entwicklungen aus Russland, langsam auch aus Singapur. Es gibt Anwendungen aus London und Kopenhagen. Es gab auch ein Ethereum-Lab in Berlin, aber das war keine Initialzündung. Leider.

Angeblich ist ja sogar Russlands Präsident Wladimir Putin an Blockchain-Technik interessiert. Zumindest gab es dieses Jahr ein Treffen zwischen ihm und Vitalik Buterin.

Einige Länder haben heute schon eine Blockchain-Strategie. Dazu gehört sicher auch Russland. Die haben erkannt, dass es eine Schlüsseltechnologie der Zukunft sein kann, und möchten diesen Zug nicht verpassen. Entsprechend stellen sie politische und ökonomische Ressourcen bereit, um diese Entwicklung voranzutreiben.

Europa hat so eine Strategie nicht - woran liegt das?

Es ist sicher einfacher, in Russland oder China eine solche Strategie vorzugeben. Die EU ist gerade dabei, in ersten Schritten eine EU-weite Position zu erarbeiten. Das ist sehr löblich. Ich würde mir wünschen, dass es ein wenig schneller geht.

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... bitte genau lesen: Der Absatz über Jordanien enthält nur Fragen, keine Lösungen. Außerdem...  lesen
posted am 07.12.2017 um 11:25 von Unregistriert

Ich befürchte, der Kurs wird auch wieder rasant fallen, wenn die Spekulanten und Zocker, die...  lesen
posted am 05.12.2017 um 10:42 von Olaf Barheine


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