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Meilensteine der Elektronik Vom Tonbandgerät bis zur modernen Touch-Eingabe am Display

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Am Anfang waren es einfache Tonbandgeräte, die in Weikersheim hergestellt wurden. Heute sind es Displays, Touch, Embedded und Systemlösungen. Der Standort feiert in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag.

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Toucheingabe: Immer mehr Displays in der Industrie werden mit Touch-Technik ausgestattet. Der Standort Weikersheim soll in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden. Damit einhergehend hat sich die Anzal der Mitarbeiter mehr als verdoppelt.
Toucheingabe: Immer mehr Displays in der Industrie werden mit Touch-Technik ausgestattet. Der Standort Weikersheim soll in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden. Damit einhergehend hat sich die Anzal der Mitarbeiter mehr als verdoppelt.
(Bild: Data Modul)

Heute sind es Displays mit und ohne Touch sowie Embedded-Systeme: Das Werk Weikersheim von Data Modul feiert in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag. Angefangen hatte alles am 1. April 1956, als Herbert Brause und Erich Mainhardt gemeinsam mit 20 Ingenieuren und Technikern die Elektron OHG am heutigen Standort gegründet hatten. Der Zeit entsprechend bestand die erste Produktpalette unter anderem aus Maschinenteilen bis hin zu Mess-, Haushalts- und einfachen Tonbandgeräten.

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Ein erster Großauftrag kam durch das NATO-Zusatzabkommen von 1959 zustande: Die Bundeswehr bestellte Sprachlehranlagen und das Unternehmen übernahm in den folgenden Jahren gleich die Marktführerschaft in diesem Bereich. Die damit einhergehende enorme Expansion veranlasste die Eigentümer schneller als erwartet über eine Firmenumwandlung nachzudenken. Ein Übernahmeangebot der amerikanischen Conrac Corporation im Jahr 1969 kam genau richtig. Conrac suchte zur Olympiade 1972 in München für die Vermarktung von Anzeigetafeln einen Partner in Deutschland. Im Laufe der 1970er Jahre verlegte die Conrac Corporation die Fertigung verschiedener Produkte komplett nach Weikersheim, wo diese weiterentwickelt und an die europäischen Normen angepasst wurden.

Erste hochaufgelöste Farbmonitore ab 1982

Mit dem neuen Mutterunternehmen veränderte sich auch das Produktprogramm sukzessive: Neben der Audiosparte mit Sprachlehranlagen und Dokumentationssystemen wurden nun auch die Videosparte mit professionellen Studiomonitoren sowie im Umfeld der Informationsanlagen mit Anzeigesystemen für Flughäfen, Bahnhöfen und Sportstadien integriert. Anfang der 1980er Jahre entwickelte Conrac Elektron erste hochauflösende Farbmonitore, die ab 1982 in Serie gefertigt wurden. Unmittelbar danach folgten die ersten Industrie-Monitore. Man erkannte sehr schnell den Trend zu immer größeren Bildschirmen, worauf das Unternehmen bereits 1990 hochauflösende Großbildmonitore mit einer Bilddiagonale von 29 Zoll entwickelte. Die Großmonitore wurden vor allem in der Radar-Überwachung auf Schiffen verwendet.

Die ersten Flachpanels in Farb-Plasma-Technik nutzte man, um an der Entwicklung von Ansteuerelektronik für diese völlig neue Generation von Bildschirmen zu arbeiten. Im Jahr 1995 kam das erste Flachdisplay auf den Markt. Die weltweit erste Installation von großformatigen Farb-Plasma-Displays in einem Flughafen-Informationssystem war Pionierarbeit. Parallel hierzu wurde auch die Entwicklung von LC-Displays vorangetrieben, die inzwischen in vielen Anwendungen die bisher verwendeten CRT-Monitore ersetzten. Schließlich wurde Conrac Elektron 1998 von der Data Modul AG übernommen und der Firmenname in Conrac geändert.

Der Standort Weikersheim wird ausgebaut

Leidenschaft für das Unternehmen und Qualitätsbewusstsein kombiniert mit internationaler Ausrichtung bestimmen bis heute Denken und Handeln der Mitarbeiter von Data Modul. Das unterstrich Dr. Florian Pesahl, Vorstand von Data Modul, in seiner Ansprache in einer Feierstunde am Standort in Weikersheim. Die lokale Verbundenheit zum Standort Weikersheim und die gute Zusammenarbeit würdigte der Vorstand besonders. Seit 2015 heißt der neue Großaktionär Arrow und auch mit diesem Unternehmen werde Data Modul seinen erfolgreichen Kurs im Markt der Geschäftskunden fortsetzen. Weikersheim werde auch weiterhin einen wichtigen Anteil daran haben. Die Standort- und somit die Arbeitsplatzsicherheit manifestierten sich auch im Ausbau der Produktions- und Reinraumfläche noch in diesem Jahr.

Ausflüge in das Geschäft der Privatkunden gab es, waren aber, sagte Pesahl, in der Unternehmensgeschichte nicht von Erfolg gekrönt. Die größten Erfolge feiert das Unternehmen im Industriesegment. Die Konzentration erfolgt heute auf die Kernkompetenzen Displays, Touch, Embedded und Systemlösungen. Damit hat sich das Unternehmen vom reinen Distributions- zum Lösungsanbieter entwickelt. Das Strategieprogramm „Shape 2020“ sieht vor, einer der weltweit führenden Anbieter von visuellen Systemlösungen zu werden.

6,3 Mio. Displays im Jahr 2015 gefertigt

In diesem Jahr wird ein Umsatz von 200 Mio. Euro mit einer Exportquote von ungefähr 40 Prozent erwirtschaftet, mehr als die Hälfte des Ergebnisses wird dabei in den ausländischen Tochtergesellschaften erzielt. Möglich wird das durch die Auslieferung von fast 6,3 Mio. Displays im Jahre 2015 und voraussichtlich 7 Mio. 2016.

In den vergangenen fünf Jahren wurden fast 10 Mio. Euro in das Unternehmen und an den Standort in Weikersheim investiert. Der Plan ist, 4 Prozent vom Umsatz in Forschung und Entwicklung jährlich nach Weikersheim fließen zu lassen. Gestiegen ist auch die Anzahl der Mitarbeiter: diese hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Aktuell sind es mehr als 200 Beschäftigte.

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