Display-Trends Vom superflachen Display zum immersiven Metaverse-Erlebnis

Ein Gastkommentar von Klaus Wammes*

Von TFT bis OLED sind Displays über die Jahre immer flacher geworden. Doch der vermeintlich nächste Trend steht vor der Tür: das Metaverse. Ist das nächste Mega-Business realistisch oder doch nur alles heiße Marketing-Luft?

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Immersion: Eintauchen in ein völlig neue Welt. Nach den Flachdisplays jetzt der nächste Hype? Augmented und Virtual Reality sind nur der Anfang.
Immersion: Eintauchen in ein völlig neue Welt. Nach den Flachdisplays jetzt der nächste Hype? Augmented und Virtual Reality sind nur der Anfang.
(Bild: © comandrush - stock.adobe.com)

Das Metaverse, Mirror World und Parallel Universe sind nur Märchen! Vor allem die technologischen Möglichkeiten hinken weit den populistischen Visionen hinterher. Der Display-Trend von flach zu immersive wird faktisch von vertriebsorientierten Aussagen dominiert und verfärbt. Denn es handelt sich nicht, wie vermutet, um neue, großflächige Hardware oder gar Bild- und Volumen gebenden Technologien à la Star Wars aus der Zukunft und für die Zukunft.

Das Metaverse ist Marketing getrieben

Im Gegenteil: Das Thema Metaverse wird von sehr vielen Branchen für, mit und durch Marketing getrieben, aber eben nicht von einer Display- beziehungsweise Anzeigetechnologie. Es wird versucht, einen Technologieansatz zu verkaufen, der an dieser Stelle gar keiner ist. Dabei entsteht eine Analogie zum bekannten Märchen „Des Kaisers neue Kleider“: Alle, die den Hype nicht sehen, sind nicht en vogue und bewegen sich außerhalb der Konvention.

Aber was heißt das für die Technik und was für den Anwender? Für die Anbieter entlang der dann notwendigen Nahrungskette soll es das neue Mega-Business werden. Ist das Display-Revolution? Oder doch vielmehr KI-Revolution zur Steigerung der vermeintlichen Individualisierung bis zur tatsächlichen realen Identitätsauflösung. Ist das dann Immersion?

Neue Hardware entwickeln

Das alles soll jetzt im Turbogang umgesetzt werden. Schließlich hat man in der Pandemie eindrucksvoll bewiesen, dass Entwicklungszyklen vermeintlich von Jahren zu Tagen schrumpfen können. Doch um die postulierten Wünsche tatsächlich erlebbar zu machen, muss nicht nur eine völlig neue Hardware entwickelt werden. Die dazu notwendige Dateninfrastruktur muss erst einmal funktionieren. Schließlich ist das ausgegebene Ziel die technische Plausibilität – also das „Nicht mehr erkennen können ob echt oder erschaffen“.

Und spätestens hier scheidet sich Wunsch von Wirklichkeit: Beim echten Immersive-Display geht es eher um kleine oder große, aber hochkomplexe Anzeigesysteme. Sie lassen sich beispielsweise vor oder wie Kontaktlinsen sogar im Auge tragen oder um echte Volumendarstellung im Sinne einer Holographie. Diese Technologien stecken jedoch noch im Anfangsstadium.

Fehlende Energiespeicher

Alleine die Energieversorgung für die neuen Funktionsgruppen ist eine komplexe Aufgabe. Das thermische Management muss gut genug sein, um das Umfeld mit Abwärme nicht massiv zu beeinflussen oder gar zu zerstören. Auch fehlt es an hocheffizienten Energiespeichern für die notwendige Kabelfreiheit, da Speicherdichten weit jenseits von den heute auch nur denkbaren Kapazitäten pro gegebenem Volumen benötigt werden.

Selbst die reine Energieübertragung ist noch nicht wirklich gelöst: Schließlich sind Steckdosen mit langer Verlängerungsleitung wohl ebenso wenig problemlösend, wie gewebeerhitzende, induktive Übertragung. Und weil die Rede von einem globalen Trend ist, sind international gültige technische Standards zu klären.

Und noch die Rechenleistung

Dann ist noch das Problem mit der Rechenleistung in extrem verkleinerter Bauform und mit minimalem Energiebedarf zu bewältigen. Damit sind aktuelle Technologien noch überfordert. Die Dateninfrastruktur, um solche Datenmengen zu vertreilen und bereitzustellen – ganz zu schweigen von der Kontrolle der Datenmengen – wird wohl, wenn überhaupt mittelfristig, nur für wenige ausgesuchte Hotspots möglich sein.

Flächendeckend klappt das heute noch nicht einmal für Mobiltelefonie stabil und schon gar nicht überall: In Zusammenhang mit immersiven Displays und ihren verbundenen Erlebnissen wird bereits über ein Datenvolumen von Zetta-Bytes gesprochen. Das ist eine Zahl mit über 21 Stellen. Zum Vergleich: Bei täglichen Telekonferenzen mit ihren Bild- und Tonübertragungen sind es nur einige Kilo- bis Mega-Bytes an Daten.

Schließlich fehlen alltagstaugliche holografische Volumenprojektionen unterschiedlicher technischer Ansätze sowie neuartige, mehrkanalige Audioquellen, die für eine wirklichkeitsgetreue Erfahrung auch die selektive Ortung und Konzentration auf unterschiedliche Quellen respektive Personen ermöglichen könnten.

Datenbrillen werden nicht ausreichen

Zu diesen technisch notwendigen Entwicklungen gehören dann neben beispielsweise Near-to-Eye-Optiken die dazugehörigen, unter Umständen implantierbaren Darstellungs- und Empfindungssysteme. Datenbrillen und Hörgeräte werden nicht ausreichen. Auch jegliche Art von Bio-, Physio-, Psycho- oder Chemo-Kompatibilität – um nur wenige zu nennen – muss bei solch einer Weiterentwicklung berücksichtigt und gewährleistet werden.

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Die Physik setzt die Grenzen

Beim Wandel von Flach-Displays zu immersiven Displays – also von der Bild-Darstellung zum völligen Eintauchen in eine virtuelle Welt – wird es einen massiven Unterschied zwischen Marketing und tatsächlichen Möglichkeiten geben, mit unterschiedlichsten Ausprägungen in technischen Ansätzen, angebotenen Systemen und tatsächlichem Anwendernutzen. Nicht alles was vermeintlich bereits vorhanden ist, ist auch physisch vorhanden.

Trotzdem werden immersive Displays ein großer Markttreiber werden, wenn auch nicht annähernd so schnell wie Buzz-Words wie Metaverse, Mirror World oder Parallel Universe es postulieren. Die damit verbundenen Anforderungen, vor allem an die damit verbundene Technologie, können flächendeckend noch nicht erfüllt werden. Schöne Software-Pakete mit KI-unterstützten Algorithmen alleine ersetzen eben keine Infrastruktur – und die hängt auch weiterhin an der Physik.

* Klaus Wammes ist Geschäftsführer der Wammes & Partner GmbH. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Forschung und Produktion in der Optoelektronik. Durch mehr als 25 Jahre Erfahrung in Entwicklung und Herstellung von Flachbildschirmen und Displays für extreme Anwendungsbereiche ist er im EDCG – Electronic-Displays-Center-Gundersheim zu einer Anlaufstelle für Fragen und Trouble Shooting rund um elektronische Displays geworden – in allen Applikationen und für alle Hersteller.

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