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Mutmacher Vom Erkennen einer neuen Realität

| Redakteur: Margit Kuther

Von einem auf den anderen Tag muss Sven Krumpel fast sein gesamtes Team ins Home Office entsenden. Der Geschäftsführer von Codico erkennt eine neue Wirklichkeit und vertraut auf eine neue, noch nie dagewesene Art der Kommunikation.

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Sven Krumpel: Geschäftsführer und CEO des Bauelemente-Distributors Codico in Wien.
Sven Krumpel: Geschäftsführer und CEO des Bauelemente-Distributors Codico in Wien.
(Bild: Codico / www.pics-da.com)

Liebe Leserinnen und Leser, ich möchte mich an dieser Stelle – wo wir dank der ELEKTRONIKPRAXIS die Möglichkeit haben, die positiven Aspekte der aktuellen Situation zu reflektieren – gar nicht zum Thema Covid-19 äußern. Dazu wurde in den letzten Monaten bereits zu viel gesagt und zu viele, teilweise selbsternannte Spezialisten, wurden zitiert.

Natürlich waren wir wie so viele andere Unternehmen mit unerwarteten Herausforderungen konfrontiert. Getragen hat uns in dieser Zeit unser interner Zusammenhalt. Ich möchte hier einen Einblick geben, wie es mir persönlich ergangen ist, was mich in den letzten Monaten (neben den unternehmerischen Herausforderungen) beschäftigt hat, und welches Thema ich heute aus einem anderen Blickwinkel betrachte.

Man kann nicht nicht kommunizieren

Das wohl bekannteste Zitat des österreichisch-amerikanischen Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick (1921 - 2007) hat für mich in den letzten Monaten eine neue Bedeutung gewonnen. Als wir uns Anfang des Jahres mit unserem Qualitätsmanagementteam für 2020 das Schwerpunktthema „Kommunikation“ vorgenommen haben, war mir nicht bewusst, dass ich dieses Jahr kurzfristig tatsächlich sprachlos sein werde.

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Aber man darf manchmal nicht wissen, was man sagen soll. Denn – und jetzt muss ich gleich zum zweiten Mal Paul Watzlawick zitieren: „Jeder meint, dass seine Wirklichkeit die wirkliche Wirklichkeit ist.“ Und wie sollen wir in nie dagewesenen Umständen eine Wirklichkeit erkennen und diese dann auch noch kommunizieren?

Als Geschäftsführer bin ich verantwortlich für fast 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Familien. Unser Erfolg beruht auf unserem Wissen sowie insbesondere auf unserem Austausch, unserer Kommunikation mit Kunden und Herstellern. Unseren Worten folgen Handlungen. Und plötzlich – von einem auf den anderen Tag – entsende ich (fast) mein gesamtes Team ins Home Office, erkenne eine neue Wirklichkeit und vertraue auf eine neue, für mich noch nie dagewesene (und, zugegeben, einer von mir anfangs sehr skeptisch bewerteten) Art der Kommunikation, ohne persönlichen Kontakt, ohne Face-to-Face-Treffen, ohne erkennbare Regungen, reduzierte Emotionen und Mimik, ohne die Möglichkeit, situativ einzugreifen.

Wer meint, es gebe nur eine Wirklichkeit, täuscht sich selbst

Ich war nur kurz sprachlos. Die Realität hat mich schnell eingeholt und ich konnte die neue Wirklichkeit erkennen: es funktioniert! Wir haben nicht nicht kommuniziert! Ich behaupte, dass wir in den vergangenen Wochen und Monaten sogar mehr kommuniziert haben. Und deshalb erlaube ich mir an dieser Stelle auch noch ein drittes Zitat: „Der Glaube, es gebe nur eine Wirklichkeit, ist die gefährlichste Selbsttäuschung.“

Von ganzem Herzen danke ich meinem Team für die Flexibilität, für den Einsatz, für die Kommunikation miteinander. Diese hat uns in den letzten Monaten getragen und diese hat mir Mut gemacht. Wir wissen nicht, welche Realität uns in der Zukunft noch begegnen wird. Aber wir wissen, dass wir offen und flexibel bleiben müssen. Miteinander zu kommunizieren wird uns dabei helfen. Lassen Sie uns gemeinsam positiv nach vorne blicken. Wir können auch viel Gutes aus der Situation lernen!

Diesen Beitrag lesen Sie auch in der Fachzeitschrift ELEKTRONIKPRAXIS Ausgabe 15/2020 (Download PDF)

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