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Vollgas mit Linux: Intelligente Geräte für den automobilen After-Sales-Sektor

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Die Markteinführung eines neuen Produktes steht bevor – und, wie bei den meisten Entwicklungsprojekten, die Zeit drängt. Die hausinterne Fehlersuche bringt nicht das gewünschte Ergebnis – was nun?

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Kompakt und mobil: die Klimaservicestation AVL DiTEST ADS 110 mit einem Mercedes.
Kompakt und mobil: die Klimaservicestation AVL DiTEST ADS 110 mit einem Mercedes.
(Bild: AVL DiTEST)

Abgasmessung für Benzin- und Dieselmotoren, Klimaservice, Messtechnik für den Automotivebereich bis hin zu automotiven Diagnosesystemen und Hochvolt-Messtechnikeinheiten für E-Mobility bilden das Angebotsspektrum von AVL DiTEST. Sowohl freie Werkstätten (z.B. der ADAC bzw. ÖAMTC), als auch Vertragswerkstätten namhafter Fahrzeughersteller setzen auf die Geräte von AVL DiTEST. Im Entwicklungsbereich kooperiert das Unternehmen mit namhaften Herstellern wie VW, BMW, Jaguar, Land Rover oder dem Motorradhersteller KTM.

Die Zeit drängt, Hilfe kommt von externen Experten

Als vor einigen Jahren die Markteinführung eines neuen Produktes bevorstand, drängte bei AVL DiTEST wie bei den meisten Entwicklungsprojekten wieder einmal die Zeit. Da die Fehlersuche nicht das gewünschte Ergebnis brachte, beschloss das Unternehmen, externe Berater hinzuzuziehen. Man erinnerte sich an die Experten bei Ginzinger electronic systems, mit denen AVL DiTEST schon viele Jahre zusammenarbeitet.

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Ginzinger electronic systems verfügt neben seiner Kompetenz als EMS-Dienstleister über eine Entwicklungsabteilung mit langjähriger Erfahrung in der Embedded-Linux-Systementwicklung. Deshalb lag es für AVL DiTEST nahe, Rat bei Ginzinger einzuholen. Man beschloss, gemeinsam den Ursachen für die technischen Schwierigkeiten auf den Grund zu gehen.

Der Kern(el) allen Übels in den Tiefen des Betriebssystems

So startete im Sommer 2016 bei Ginzinger electronic systems die Linux-Beratung für AVL DiTEST. Man begann mit der Evaluierung des Linux-Systems. Im Zuge einer gemeinsamen Analyse stellte sich rasch heraus, dass die Probleme in den Tiefen des Betriebssystems des Linux Kernel lagen. Das Ginzinger-Projektteam konnte den Fehler entdecken und eingrenzen. Ursache war der Treiber für einen Coprozessor des verwendeten TI-Cores. So wurde das System instabil und sehr träge. Mittels Bugfix konnte die Ursache des Fehlers dauerhaft beseitigt werden.

„Obwohl Ginzingers Embedded-Linux-Plattformen auf NXP-Prozessoren basieren, konnten wir AVL DiTEST bei seinem Problem mit der TI-Architektur weiterhelfen und den Fehler im Peripherietreiber finden und beheben“, berichtet Henri Roosen, Softwareentwickler bei Ginzinger. „Die über Jahrzehnte aufgebaute Entwicklungskompetenz durch die eigene Linux-Distribution GELin, das Knowhow im Kernel- und Treiberbereich, sowie das Wissen um die Hardware machten dies möglich.“

Experten mit über drei Jahrzehnten Knowhow

Da Ginzinger über drei Jahrzehnte Hardware-Expertise verfügt, wurde der Embedded-Linux-Spezialist zu einem späteren Zeitpunkt erneut beratend hinzugezogen. Es ging um ein Hardwareproblem des Touchdisplays bei einem anderen AVL-DiTEST-Produkt. Dieses war bereits am Markt etabliert. Im Team der Hardwareentwicklung konnte die Ursache nach einigen Tests und Messungen gefunden werden. Durch Optimierung eines Softwaretreibers gelang es, für die Stabilität des resistiven Touches im laufenden Betrieb zu sorgen. Ein schönes Beispiel, wie mit Hilfe von Software Hardware (wieder) zum Laufen gebracht wird.

„Ginzinger hat sich über Jahrzehnte durch unzählige Kundenprojekte in verschiedensten Branchen ein riesiges Knowhow aufgebaut“, so Siegfried Ruhri, AVL-DiTEST-Kundenberater bei Ginzinger electronic systems. „Das ist zum einen in der Software der Fall, zum Beispiel die eigene Embedded-Linux-Distribution GELin. Hier sind verifizierte und qualifizierte Konzepte und Technologien gebündelt. Aber auch in der Hardware steht uns viel Wissen zur Verfügung, vom Design, über Leistungselektronik bis hin zu Spezialwissen wie der EMV. Das wir nicht „nur“ Baugruppenfertiger und EMS-Dienstleister sind, hat schon viele Kunden überzeugt, auf unsere Erfahrung zu setzen. Wir sind ganz nah dran an der Hard- und Softwarebasis und wissen, worauf bei der Baugruppenproduktion geachtet werden muss, Stichwort fertigungsoptimiertes Design von Kundenprodukten.“

Gemeinsames Knowhow für starke Produkte

Durch das gemeinsame Projekt entstand eine enge Zusammenarbeit zwischen AVL DiTEST und Ginzinger electronic systems. Die kombinierte Expertise ermöglichte es AVL DiTEST, robuste, stabile und langlebige Kundengeräte zu entwickeln und erfolgreich zur Marktreife zu bringen. Die Kombination von Hard- und Softwareentwicklung bei AVL DiTEST und drei Jahrzehnte Knowhow in der Baugruppenfertigung bei Ginzinger electronic systems ist für AVL DiTEST ideal und stellt einen großen Pluspunkt dar.

Dazu Reinhold Hetzel, Head of Production& Industrial Engineering bei AVL DiTest: „Wir schätzen die Zusammenarbeit mit Ginzinger als zuverlässigen Partner, welcher unseren hohen Qualitätsansprüchen für Industrialisierung und Serienüberleitung gerecht wird.“

Die Zusammenarbeit mit AVL DiTEST zeigt, dass es viele Vorteile hat, wenn der EMS-Dienstleister auch über die Soft- und Hardwareentwicklung Bescheid weiß. Die Kombination von Hard- und Software-Entwicklung aus einer Hand, gepaart mit jahrzehntelangem Knowhow in der Produktion von Elektronikbaugruppen stellt die optimale Lösung für Kunden dar, um stabile, industrietaugliche Produkte rasch realisieren zu können.

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