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Drastische Strafen bei neuen Verstößen Volkswagen bekommt einen Bewährungshelfer

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht: Volkswagen bekommt für die nächsten drei Jahre einen Kontrolleur, der die Vorgänge beim Wolfsburger Autobauer überwachen soll. Sollte es in dieser Bewährungsfrist zu neuen Vertuschungen kommen, drohen weitere Millionenstrafen.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht: Volkswagen bekommt von den US-Behörden für die nächsten drei Jahre einen Kontrolleur, der die Vorgänge beim Wolfsburger Autobauer überwachen soll.
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht: Volkswagen bekommt von den US-Behörden für die nächsten drei Jahre einen Kontrolleur, der die Vorgänge beim Wolfsburger Autobauer überwachen soll.
(Bild: Volkswagen-kassel-baunatal-270307.jpg / Bycycle, Wikimedia Commons / BY-SA 3.0)

Wie das Handelsblatt berichtet, ist die Diesel-Affäre für Volkswagen noch längst nicht ausgestanden. Die US-Justiz verdonnerte den Automobilkonzern zusätzlich zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe. Will heißen: In dieser Zeit wird VW ein Kontrolleur an die Hand gereicht.

Diese erzieherische Maßnahme war zur Bedingung seitens der amerikanischen Behörden erklärt worden, um mit Volkswagen eine Einigung im Dieselskandal abschließen zu können. Bekanntermaßen muss der Konzern um den Vorstandsvorsitzenden Matthias Müller Strafzahlungen und Entschädigungen in Höhe von knapp 18 Milliarden Euro leisten. Sollte Volkswagen nun in seiner dreijährigen Probezeit rückfällig werden, droht dem größten Autobauer der Welt eine empfindliche Strafe von einer Millionen Euro je Lüge.

Der externe VW-Bewährungshelfer muss während seiner Einsatzzeit vollen Zugang zu jedwedem Dokument und zur kompletten IT erhalten. Über ein ganz besonderes Maß an Überwachung, dürfen sich der VW-Vorstand sowie das gesamte Top-Management freuen. Obendrein muss Volkswagen auch die komplette Bezahlung des Kontrolleurs übernehmen.

Wer der ominöse VW-Bewährungshelfer schlussendlich wird, ist noch nicht verbrieft. Bislang hat Volkswagen eine Liste mit drei potenziellen Kandidaten an die US-Justiz verschickt. Diese müssen nun die finale Entscheidung treffen.

Der Chef-Kontrolleur erhält zur weiteren Unterstützung einen eigenen Compliance-Manager, der sich dem Umwelt-Ressort annehmen soll. Ähnliche Verstöße sollen so zukünftig verhindert werden. Und daher verlangt die US-Behörde: „Mit diesem Monitor muss Volkswagen unter allen Umständen stets eng zusammenarbeiten.“ Parallel solle diese Maßnahme eine abschreckende Wirkung für alle weiteren Unternehmen der Automobilbranche darstellen.

Für weiteres Zähneknirschen dürfte bei VW der Umstand sorgen, dass der jährlich zu verfassende Bericht öffentlich im Internet zugänglich gemacht werden muss. Kurzer Rückblick: Bei dem Jones-Day-Bericht hatte Volkswagen erst einer Veröffentlichung zugestimmt, dies aber anschließend wieder zurückgezogen. Einem Vertuschungsversuch soll diesmal offensichtlich schon im Vorfeld Einhalt geboten werden.

Für jedes neue Modelljahr muss ein eigens angefertigter Testbericht geschrieben werden. Neben der an sich schon unangenehmen Situation, bedeutet dies auch ein erhebliches Mehr an Verwaltungsaufwand. Und damit nicht genug: Die US-Justiz hat bereits vorsorglich einen Strafenkatalog erlassen.

Wird die Abgabefrist um 24 Stunden überschritten, drohen bereits mehrere tausend Dollar Strafe. Bei mehr als einem Monat an Verzögerungen werden bis zu 50.000 Dollar fällig. Explizit neue Lügen sollte man sich in Wolfsburg zukünftig aber besser verkneifen. Für jede neue Unwahrheit wird das VW-Konto mit einer Million Dollar belastet.

Weitere Auflage: Volkswagen darf kein eigenes Datenmaterial ungefragt löschen. Wird die Genehmigung verweigert, muss es bis auf Widerruf aufbewahrt werden. Auch diese Sanktionsmaßnahme ist auf drei Jahre, mit der Option auf Verlängerung, befristet.

All dies könnte der VW-Konzern vermutlich ertragen, käme es nicht auch zur Einmischung seitens der US-Behörden in die innerbetrieblichen Abläufe. Die Amerikaner zwingen Volkswagen, die Abteilungen Entwicklung und Zulassung zukünftig strikt voneinander abzutrennen. Bisher waren beiden Abteilungen eng miteinander verknüpft, was jedoch auch zur leichteren Manipulation der Dieselmotoren beigetragen hatte.

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