Trend zu Industrie 4.0 verschlafen Voith entlässt 1600 Mitarbeiter

Autor Stefanie Michel

Voith muss sparen und restrukturieren, um sein Geschäftsmodell aus der mechanischen in die digitale Industriewelt zu überführen. Zudem will sich das Unternehmen künftig mehr auf die Technik- und Engineering-Kompetenz für das digitale Zeitalter konzentrieren.

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Die Absatzprobleme bei den Papiermaschinen zeigen: der digitale Wandel ist real. Voith reagiert mit einer neuen Unternehmensausrichtung (im Bild: Die Papiermaschine Dunaujvaros PM 7).
Die Absatzprobleme bei den Papiermaschinen zeigen: der digitale Wandel ist real. Voith reagiert mit einer neuen Unternehmensausrichtung (im Bild: Die Papiermaschine Dunaujvaros PM 7).
(Bild: foto-hoefinger/Voith)

Die Marktbedingungen für den Maschinenbau verändern sich tiefgreifend – das war auf der Bilanzpressekonferenz 2014 von Voith deutlich sichtbar. Ganz besonders betroffen ist Voith Paper.

Wie die Schwäbische Zeitung berichtete, hat das Unternehmen seit zwei Jahren keinen Auftrag mehr für eine große grafische Papiermaschine erhalten. Schon bei der Vorstellung des Programms Voith 150+ Ende 2013 erklärte Hubert Lienhard, Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung, dass der Markt in diesem Bereich tot sei.

Das ist nun schon Monate her, doch erst jetzt zieht der Konzern Konsequenzen, zum Teil mit einschneidenden Maßnahmen: bis Ende 2016 sollen weltweit etwa 1600 Stellen wegfallen, davon 1000 bei Voith Paper. Außerdem werden weltweite Verwaltungsfunktionen gebündelt und bei Voith Paper auch Standorte geschlossen sowie das europäische Papiermaschinengeschäft in Heidenheim gebündelt.

„Dieser Schritt ist schmerzhaft für alle Beteiligten, aber notwendig, damit wir in Europa vor allem mit unserem Projektgeschäft wieder zu einer dem Marktvolumen entsprechenden, schlanken Organisation werden, die an den Bedürfnissen unserer Kunden ausgerichtet ist,“ erklärt Voith-Paper-CEO Bertram Staudenmaier.

Vor fast 150 Jahren, als Voith gegründet wurde, gestaltete man die erste industrielle Revolution aktiv mit. Wurde der Wandel hin zu Digitalisierung und Vernetzung von Produkten und Komponenten verpasst?

Angekommen sind diese Veränderungen zumindest in den Köpfen, denn das Unternehmen will sich auf die Herausforderungen und Chancen der Industrie 4.0 vorbereiten, wie Lienhard berichtet: „Die Möglichkeiten der Digitalisierung und Vernetzung werden den gesamten industriellen Wertschöpfungsprozess verändern. Wir sind überzeugt davon, dass die Veränderung unumkehrbar ist und große Chancen für unser Unternehmen bietet.“

Konkret heißt das, dass vor allem die in der Mechanik beheimateten Bereiche in den nächsten Jahren gezielt um Kompetenzen der Automatisierung und Industriesoftware erweitert werden sollen.

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Voith
Stellenabbau bei Voith Paper im deutschsprachigen Raum

Wie auf der Bilanzpressekonferenz berichtet müssen aufgrund der angespannten Lage beim Geschäft mit Neuanlagen und Großumbauten „Kapazitätsanpassungen“ bei Voith Paper durchgeführt werden. Konkret heißt das: In Deutschland und Österreich sollen insgesamt rund 800 Stellen wegfallen.

Zu den geplanten Maßnahmen in diesen Ländern gehören die Einstellung der Papieraktivitäten am Voith-Standort St. Pölten (Abbau von.etwa 150 Stellen) sowie die Schließung der Standorte Krefeld und Neuwied (mit Abbau von 200 Stellen und einem Transfer von verbleibenden Aktivitäten nach Heidenheim). Am Standort Heidenheim sollen zudem rund 300 Stellen wegfallen, in Ravensburg insgesamt 150 Stellen. Hier soll unter anderem die bisher noch verbliebene Fertigung geschlossen werden. Das dort ansässige Kompetenzzentrum für Stoffaufbereitung soll erhalten bleiben.

Verkauf von Voith Industrial Services

Auf Basis der neuen Weichenstellung hat die Geschäftsführung von Voith entschieden, den Konzern klar auf seine technologische Engineering-Kompetenz zu fokussieren, um für die sogenannte Industrie 4.0 gerüstet zu sein, und sein Portfolio entsprechend weiter umgestalten. Deshalb wird der Verkauf des Konzernbereich Voith Industrial Services eingeleitet.

Im Zuge dessen wird es auch zu Veränderungen in der Konzerngeschäftsführung des Gesamtkonzerns kommen, denn Martin Hennerici, CEO von Voith Industrial Services, wird das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen. Für Mitarbeiter, Kunden und Partner ändert sich aufgrund des heute bereits eigenständigen Geschäftsmodells des Konzernbereichs im Tagesgeschäft nichts.

Lienhard: „Voith stellt sich den Herausforderungen und wird nun die nächste Phase des Konzernumbaus konsequent angehen. Wir fokussieren uns auf unsere traditionelle Stärke: unsere durch langjährige Forschungs- und Entwicklungstätigkeit aufgebaute technologische Engineering-Kompetenz. Gleichzeitig arbeiten wir an unseren Strukturen und unserer Schlagkraft. Damit gehen wir entschlossen weitere Schritte auf unserem Weg, Voith nachhaltig als wettbewerbsfähigen Technologieführer im digitalen Zeitalter aufzustellen.“

Der Beitrag erschien zuerst bei unserem Schwestermagazin MM MASCHINENMARKT.

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