Ausblick der Distributoren

Vielversprechendes Jahr 2017 trotz Brexit und Trump

| Autor: Margit Kuther

MSC Technologies: Große Nachfrage bei SMARC, Qseven und COM Express

MSC Technologies, Thomas Klein, VP und GF für den Vertrieb: „Eine richtige Allocation hatten wir schon lange nicht mehr.“
MSC Technologies, Thomas Klein, VP und GF für den Vertrieb: „Eine richtige Allocation hatten wir schon lange nicht mehr.“ (Bild: MSC Technologies)

Wir haben nach einem ruhigen Frühherbst in den letzten Wochen des Kalenderjahres 2016, also genau zur Jahresmitte unseres Geschäftsjahres 2017, eine kleine Explosion an neuen Aufträgen erlebt. Das hat zu einer Book to Bill-Rate von etwa 1,5 geführt. Speziell die MSC-Fertigungen für innovative SMARC, Qseven und COM Express Embedded-Module haben die Oberkante der Auslastung erreicht.

Ich bin mir sicher, dass wir diesen Schwung nach vorne ins neue Jahr mitnehmen können. Eigentlich hätten wir nicht in den Weihnachtsurlaub gehen dürfen (lacht). Wenn der Bedarf weiter ansteigt, werden wir Probleme haben, unsere Produkte zu liefern.

Welche Herausforderungen bringt das Jahr 2017 für die Distribution und wie ist darauf zu reagieren?

Bleibt der Markt für Embedded- und Display/Touch-Applikationen weiterhin im Aufwärtstrend, haben wir einen Überbedarf an Komponenten - das stellt uns vor neue, sicher interessante Herausforderungen, denn wir müssen endlich wieder umdenken. Eine richtige Allocation hatten wir schon lange nicht mehr.

Sehen Sie in der nächsten Zukunft eine Verknappung bei elektronischen Bauteilen und Komponenten?

Aus heutiger Sicht auf alle Fälle. Nehmen wir beispielsweise kundenspezifische Displays mit Touch-Technologien. Derzeit liegen hier die Lieferzeiten bei bis zu sechs Monaten. Zur Produktion der Display-Touch-Module benötigen wir Touch Treiber ICs, deren Lieferzeit sich extrem verlängert hat. Wir sprechen hier nicht von einer Woche, sondern von Monaten. Wir werden demzufolge unser Material nicht mehr per Schiff, sondern wieder per Flugzeug transportieren.

Welche technischen Trends werden aus Ihrer Sicht im neuen Jahr den Durchbruch schaffen?

Ein wichtiger Trend bei Displays ist die 2D-Technologie in Verbindung mit der 3D Touch-Erkennung. Wir haben auf der electronica das erste, im eigenen Hause entwickelte 3D Display vorgestellt, das sich unter anderem hervorragend für die Medizintechnik eignet.

MSC zählt zu den ersten Herstellern, die die aktuelle Intel Atom-Prozessortechnologie auf allen COM Express-, Qseven- und SMARC 2.0-Formfaktoren für Embedded-Module anbieten können. Zeitgleich mit dem Launch der Intel Core-Prozessoren der 7. Generation haben wir bereits die entsprechenden, extrem leistungsfähigen Boards vorgestellt. Im Bereich Systems konzentrieren wir uns weiterhin auf kundenspezifische Entwicklungen und auf kompakte Gateways für IoT-Anwendungen.

Eines unserer Produkt-Highlights ist das Wi-Fi/Bluetooth Kombimodul SPB209 accelerate, das wir zusammen mit H&D Wireless in Schweden entwickelt haben. Das extrem kompakte Modul unterstützt WLAN 802.11a/b/g/n/ac, Bluetooth 4.2 Smart Ready, das heißt Bluetooth Classic, Bluetooth Smart und NFC. Das für industrielle Anwendungen ideal ausgelegte Modul bietet unseren Kunden die nötige Flexibilität, um sich zukünftigen Markttrends anzupassen. Im Übrigen setzen wir das SBP209 auch in unseren SMARC 2.0-Modulen ein.

Im Bereich Storage erwarten wir in Kürze erste Muster komplett neuer eMMC-Technologien, die die etablierten Speichermedien nun definitiv ablösen werden. Basierend auf eMLC ist u.a. eine höhere Endurance zu erreichen sowie deutlich höhere Read/Write-Zyklen.

In welchen Bereichen erwarten Sie für Ihr Unternehmen besondere Entwicklungs- und Wachstumschancen?

Wir erwarten ein enormes Plus bei Wireless, da zahlreiche Anwendungen, in denen wir unsere Produkte eindesignt haben, in diesem Jahr nun endlich in Serie gehen. Der Markt für Medizintechnik wird für uns immer interessanter, wir liefern hier für zahlreiche führende Anbieter voll kundenspezifische Display- wie auch Rechnersysteme.

Auch die Einsatzgebiete für intelligente Sicherheitstechnik wachsen enorm, wir liefern hier Monitore mit Rechner und Speicher für moderne Kameras.

Immer mehr Technik wandert auch in Weiße Ware, die komfortabel per Touch zu bedienen, aber auch sehr robust in unterschiedlichen Umgebungen arbeiten sein soll.

Erwarten Sie nach der Brexit-Entscheidung und dem Trump-Wahlsieg raueres Fahrwasser für Ihr Unternehmen?

Nein, wir bauen auch weiterhin auf ein stabiles Geschäft in England. Ich erwarte jedoch schon einige Änderungen im weltweiten Elektronikmarkt. Beispielsweise wird der geplante Verkauf des renommierten amerikanischen Chip-Herstellers Lattice an eine amerikanische Beteiligungsgesellschaft, die indirekt von der chinesischen Regierung mitfinanziert wird, vom neuen Präsident Trump nicht unterstützt.

Ich kann mir gut vorstellen, dass solche Deals seitens der US Regierung zukünftig abgelehnt werden. Die Wirtschaft in unseren Ländern leidet doch jetzt schon deutlich, wenn Unternehmen aus China weltweit immer mehr den angestammten Firmen die Aufträge abnehmen. Bestes Beispiel: Der Zuschlag für neue Hochgeschwindigkeitszüge auf der symbolträchtigen Verbindung von Budapest nach Belgrad ging erst kürzlich an die Chinesen.

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