Ausblick der Distributoren

Vielversprechendes Jahr 2017 trotz Brexit und Trump

| Autor: Margit Kuther

Was 2017 wohl bringen mag: Die Distributoren wagen einen Blick in die Glaskugel
Was 2017 wohl bringen mag: Die Distributoren wagen einen Blick in die Glaskugel (Bild: Clipdealer 6913832)

Die Welt ist ein globales Dorf: Ist China auf Shoppingtour oder ein Land wie die USA wirtschaftlich unkalkulierbar, hat das Auswirkungen auf die gesamte Lieferkette der Elektronikbranche. Die Distributoren wagen für 2017 einen Blick in die Kristallkugel.

Firmenübernahmen und politische Ereignisse wie Brexit und US-Wahl prägten das Jahr 2016. Was 2017 wohl für die Elektronikbranche bringen mag? Die ELEKTRONIKPRAXIS interviewte die Distributoren, die als Mittler zwischen Bauteile- und Produktherstellern den weitesten Überblick innerhalb der Lieferkette haben.

Wir fragten die Distributoren nach ihren Erwartungen für das Jahr 2017, welche Herausforderungen sie sehen, etwa durch den Brexit und die US-Wahl, mit welchen Trends und Entwicklungschancen sie rechnen.

Geantwortet auf unsere Fragen haben: Arrow, Atlantik Elektronik, Bürklin, CODICO, Elektrosil, MSC Technologies, Rutronik, Schukat und SE Spezial-Electronic.

Zunächst fassen wir die Antworten zusammen, anschließend kommen die einzelnen Distributoren mit ihren wirklich lesenswerten Detailaussagen zu Wort.

Die Erwartungen der Distributoren an das Jahr 2017

Das Jahr 2016 war trotz einiger Turbulenzen insgesamt betrachtet für die Distributoren in Deutschland erfolgreich. Zwar vermag kein Distributor wirklich in der Kristallkugel zu lesen, doch das Gros blickt optimistisch in das Jahr 2017.

Sich zurücklehnen und den Erfolg genießen ist jedoch nicht Sache der Distributoren, denn sie wissen: Die rasant fortschreitende, alles umfassende globale Digitalisierung in Wirtschaft, Politik und im Privaten beschert nur demjenigen weiterhin Erfolg, der sein Ohr stets am Puls der Zeit hat und Trends bereits erkennt und sie erschließt, noch ehe sie Trendsetter werden.

Technische Trends, die 2017 den Durchbruch schaffen

Das Internet der Dinge und Industrie 4.0 sind nach wie vor die Top-Trendsetter – und werden dies auch die nächsten Jahre bleiben. Insbesondere das Internet der Dinge gewinnt an Detailschärfe. Denn die Zunahme spezifischer Produkte für die unterschiedlichsten Segmente wie Medizin, Automotive, Energy Harvesting, Lighting, Kommunikation und Consumer erweitert den Blick auf bisher kaum erschlossene Märkte wie die Möbelindustrie und neue Geschäftsmodelle wie den Automobil- oder Hersteller Weißer Ware als Servicedienstleister: So kann etwa dank integrierter Wireless-Kommunikation und Touch-Display ein Kühlschrank- oder Waschmaschinenhersteller diesen nicht mehr nur verkaufen, sondern etwa einen Lieferservice für Lebens- oder Waschmittel initieren und daran zusätzlich verdienen. Und die Automobilindustrie kann Services rund um das Automobil anbieten – vom Car-Sharing bis hin zu eigenen Reiseplattformen. Das Elektroauto wird kommen und ermöglicht dem Hersteller kostenpflichtige Services wie Akkutausch, Speicherbereitstellung bis hin zum Aufbau kompletter Ladeinfrastrukturen.

Auch die Distributoren wissen um die neuen Märkte und stellen sich bereits darauf ein. So will Arrow beispielsweise mit Vodafone in puncto IoT-Services und Konnektivitätsangeboten neue Wege gehen.

Weitere Trends sehen die Distributoren im Durchbruch der MEMS-Oszillatoren, Narrow Band IoT (NB-IoT), Digital Power, Smart Metering, Energy Harvesting, Tracking, höheren Speicherdichten und neue eMMC-Technologien, der Zunahme von Leistungselektronik, Stromversorgungen, 3D-Touch und Sensoren; Security, Big Data, aber auch die Gegenbewegung zu Big Data.

Desweiteren erschließen sich die Distributoren zunehmend das immense Potenzial von Start-ups und Maker-Szene als Innovationsgeber.

Verknappung von Bauelementen

Die Distributoren sehen kein Ende der Konsolidierungen und Übernahmen. Das Schwinden von Herstellern könnte in einer Zunahme der End-of-Life-Produkte und zu einer Verknappung von Bauteilen führen. Eine bedrohliche Verknappung von Bauteilen sehen die Distributoren derzeit jedoch nicht. Doch lohnt es sich, einige Bauteile im Blick zu behalten, dazu zählen etwa Touch-Displays, Tantal-Kondensatoren, Produkte mit höherer Speicherdichte, komplexe Mikrocontroller, FPGAs und Automotive-qualifizierte Produkte.

Erwartungen nach der Brexit-Entscheidung und dem US-Wahlsieg von Donald Trump

Dem Brexit steht das Gros der Distributoren gelassen gegenüber, denn der Brexit sei ein auf Jahre angelegter Prozess, bei dem die wirklich wichtigen Entscheidungen noch nicht getroffen seien. Zudem verweisen die Distributoren auf langfristig vertragliche Geschäftsbeziehungen.

Auch zur Wahl von Donald Trump in den USA wollen sie nicht spekulieren, sehen aber potenzielle Gefahren im Protektionismus, bei der Währung und Schukat etwa „eine sich abzeichnende Ungewissheit, wie die US-Behörden etwa beim Dodd-Frank-Act fokussieren werden“. Allerdings erwarten sie durch Trump auch einen deutlich wirtschaftsfreundlicheren Kurs der USA. Letztendlich gilt es, zu beobachten, aus welcher Richtung der Wind kommt und die Segel richtig zu setzen.

Die Herausforderungen für die Distributoren 2017

Die zunehmende Herstellerkonsolidierung und deren Auswirkung auf die Lieferkette sehen die Distributoren als eine der großen Herausforderungen für 2017.

Die Distributoren reagieren mit Produkt- und Serviceerweiterungen auf die neuen Trends und Marktgegebenheiten und stellen sich etwa auf Währungsschankungen und die digitale Transformation ein.

Die rosarote Brille ist den Distributoren fremd: Letztlich wissen auch sie nicht, wie sich das makroökonomische Umfeld und die anstehenden politischen Entscheidungen und ihre Auswirkungen entwickeln. Doch sie haben sich gewappnet, etwa durch intensive Marktanalysen, Schulungen ihrer Mitarbeiter, Anpassen des Portfolios an kommende Herausforderungen, Investitionen in die Logistik und Erschließen neuer Märkte. So sehen sie sich unisono bestens gewappnet, damit auch 2017 für sie und ihre Kunden ein erfolgreiches Jahr wird.

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