Siemens PLM und Mentor „Viele Unternehmen werden über Nacht zu Chip-Designern“

Redakteur: Franz Graser

Chuck Grindstaff, Executive Chairman von Siemens PLM Software, hat die Begründung für die Integration von Mentor (vormals Mentor Graphics) in die PLM-Sparte des Konzerns offengelegt. Demnach hatte Grindstaff schon seit rund 20 Jahren mit dieser Idee geliebäugelt.

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Chuck Grindstaff, CEO von Siemens PLM.
Chuck Grindstaff, CEO von Siemens PLM.
(Bild: Steve McAlister/Siemens PLM)

Um den Gedankengang von Grindstaff zu verstehen, muss man in die Zeit zurückgehen, in der die heutige PLM-Sparte (PLM: Product Lifecycle Management) noch kein Teil des Siemens-Konzerns war. Das Unternehmen hieß damals Unigraphics und war Spezialist für 3-D-Konstruktionslösungen. Zum damaligen Zeitpunkt war die Firma Teil des von dem texanischen Milliardär und zwischenzeitlichen Präsidentschaftskandidaten Ross Perot gegründeten IT-Dienstleister EDS.

Demnach, sagte Grindstaff im Rahmen der Design Automation Conference in Austin/Texas, sei die Integration eines auf Entwurfslösungen für elektronische Baugruppen spezialisierten Unternehmens wie Mentor mit einem Hersteller von 3-D-CAD-und PLM-Lösungen schon damals ein naheliegender Gedanke gewesen.

In seiner Keynote bei der Konferenz in Austin betonte er: „Viele Unternehmen in der ganzen Welt werden nun zu Chip-Designern“. Siemens PLM wollte das nötige Know-how auf einen Schlag durch den Kauf einer Firma erwerben, anstatt sich Schritt für Schritt an das Thema heranzurobben, erklärte er laut dem Fachblatt EETimes.

Darüber hinaus habe Siemens PLM durch die Akquisition nun Zugang zu Unternehmen und Märkten gefunden, die Siemens bis dato nicht habe knacken können. Mentor-CEO Walden Rhines sagte, 35 bis 40 des Umsatzes stamme von Unternehmen, die die Tools von Mentor für praktisch alle Aufgaben einsetzten, vom Design von Leiterplatten bis hin zur Wärmeübertragungs-Simulation.

Der Chef von Siemens PLM, Grindstaff, ergänzte, auch die Erfahrungen der Siemens-Konzernmutter seien dem Deal zugute gekoommen. Siemens sei nicht mehr in dem Umfeld tätig, in denen es lange eine Führungsposition innegehabt habe, nämlich in der Telekommunikationsausrüstung.

„Sie haben es versäumt, in eine Technologie zu investieren, die sich sehr schnell entwickelt hatte, und damit haben sie quasi das Fundament des Unternehmens verloren“, zitiert die EETimes den Manager. „Jetzt versteht man dort genau, dass es notwendig ist, in Forschung und Entwicklung zu investieren.“

Insbesondere bewertet Grindstaff die Erfahrungen positiv, die das PLM-Unternehmen in den letzten zehn Jahren unter dem Dach von Siemens gemacht hatte: „Wenn Siemens nicht wüsste, wie man ein Software-Business aufzieht und hegt und pflegt, hätte ich nicht vorgeschlagen, die beiden Unternehmen zu kombinieren.“

Grundstaff wurde überdies gefragt, warum Siemens sich ausgerechnet für den kleinsten der „Großen Drei“ im EDA-Geschäft entschieden habe. Er erwiderte, dass Siemens bei Mentor eine vergleichbare Unternehmenskultur und darüber hinaus wenige Überschneidungen bei den Kundenkreisen gesehen habe. „Mentor hatte die beste Balance von Chip-Designtools, Software Designtools und Leiterplatten-Designtools, die wir am Markt finden konnten.“

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