Purchasing Manager Index

Vertrauen der Industrie in die eigenen Stärken

| Autor / Redakteur: Georg Steinberger * / Dr. Anna-Lena Gutberlet

Zuversicht der Einkaufsmanager: Manufacturing PMI im „grünen“ Bereich
Zuversicht der Einkaufsmanager: Manufacturing PMI im „grünen“ Bereich (Bild: IHS Markit August 2016)

Der Brexit hat Verunsicherung in den Erwartungen der internationalen Finanzmarktexperten verursacht. Die letzten Schätzungen für die Eurozone sehen einen Zuwachs des BIP von nur noch 1,4 Prozent für 2017.

Das BSP-Wachstum der Eurozone steht deutlich hinter den USA und China zurück, liegt aber weit vor Japan. Großbritannien hat durch die EU-Austrittsentscheidung seine Wachstumschancen halbiert, wobei jegliche Schätzung einem Stochern im Nebel gleichkommt. Zudem gibt es viele andere Einflussfaktoren, die die Schätzungen nach oben oder unten jagen können: Türkei, US-Präsidentschaftswahl, Syrien, Flüchtlingsproblem (?), China, Russland, Ukraine.

Man könnte sagen, nie war es so spannend zu beobachten, wie weit EU-Kommission, Bundesregierung oder IWF für 2017 daneben liegen werden.

Wie wichtig ist das? Sollten wir nicht lieber darauf schauen, wie das Vertrauen der Wirtschaft und speziell der Industrie in ihre eigenen Stärken ist? Die Hightech-Industrie ist bei einstelligen Wachstumsraten angekommen. Doch das betrifft den allgemeinen Markt, weniger die Neuerungen, die der Markt bringt (IoT, Industrie 4.0, E-Mobility).

PMI als realitätsnahe Alternative zur BSP-Schätzung

Das Vertrauen der Industrie in die weitere Entwicklung lässt sich eher am PMI (Purchasing Manager Index) von IHS Markit ablesen. Und der (speziell der PMI Composite Output Index für Manufacturing) stand trotz Brexit-Befürchtungen im August bei satten 53,2 Punkten (50 ist die Grenze zwischen Wachstum und Abschwung), 2 Punkte höher als der weltweite JP Morgan Global Manufacturing PMI.

Getrieben wird die Entwicklung überwiegend durch die deutsche Industrie, die im Juni ein 2-Jahres-Hoch erreichte. Auch die Niederlande, Österreich, Spanien und Italien liegen deutlich über der 50. Frankreich (48,6) und Großbritannien (48,2) dagegen schwächeln. Und die Türkei, wichtige low-cost-Fertigungsstütze der europäischen Industrieproduktion, landete mit einem PMI von 47,6 weit im Abseits.

Basierend auf den Einschätzungen der Einkaufsmanager, die jeden Monat Geld investieren müssen in Produktion und Wachstum, erscheint der PMI eine weit realitätsnähere Aussagekraft zu haben als vage BSP-Schätzungen. Zwar gibt es auch hier Schwankungen, aber man hat das Gefühl, dass die Änderungen besser nachvollziehbar sind und zur eigenen Wahrnehmung der derzeitigen Entwicklung passen.

Das BSP-Wachstum ist dank Brexit deutlich eingetrübt.
Das BSP-Wachstum ist dank Brexit deutlich eingetrübt. (Bild: World Economic Outlook, IMF, July 2016)

Ergänzendes zum Thema
 
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Dieser Beitrag ist im August entstanden und es ist damit zu rechnen, dass sich die Einschätzung bis zum Erscheinen des FBDi Directory eher eintrübt als verbessert. Indikatoren dafür gibt es zuhauf, nicht zuletzt der im zweiten Halbjahr langsamer wachsende Komponentenmarkt. Die längerfristige Tendenz für Europa beinhaltet trotz möglichen Stolperfallen viel Wachstumspotential. Anders als früher wird nicht mehr jede Produktion nach Asien verfrachtet, die Arbeitsmarktzahlen in den zentraleuropäischen Ländern sind erstaunlich gut.

Worauf wird es also ankommen in den nächsten Monaten, um die derzeitige Lage stabil zu halten? Rahmenbedingungen und Innovationsfreudigkeit. Letztere ist bei vielen europäischen Unternehmen ungetrübt, erstere hängt von Regierungen und ihren weisen Entscheidungen ab. Beim Wachstumsmotor Deutschland gibt es schließlich eine günstige Situation: Die Rahmengestalter sind wenig mit innovationsstörenden Themen beschäftigt, weil sie schon an den Wahlkampf nächstes Jahr denken. Das kann nur gut sein.

* Georg Steinberger ist Vice President Communications, Avnet Electronics Marketing EMEA

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