Unfallforschung

Versicherer fordern ESP serienmäßig in allen Neufahrzeugen

28.07.2008 | Redakteur: Jan Vollmuth

Appelliert an alle Autofahrer, aus Sicherheitsgründen kein Neufahrzeug, aber auch keinen Gebrauchtwagen mehr ohne ESP zu kaufen: Siegfried Brockmann, Leiter UDV
Appelliert an alle Autofahrer, aus Sicherheitsgründen kein Neufahrzeug, aber auch keinen Gebrauchtwagen mehr ohne ESP zu kaufen: Siegfried Brockmann, Leiter UDV

Nach Berechnungen der Unfallforschung der Versicherer (UDV) könnten pro Jahr 37.000 Unfälle mit Verletzten und 1.100 Unfälle mit Getöteten in Deutschland vermieden oder zumindest in ihren Folgen abgeschwächt werden, wenn alle Autos den elektronischen Schleuderverhinderer ESP serienmäßig an Bord hätten.

Eine aktuelle Untersuchung der UDV ergab, dass zur Zeit erst zwei Drittel der Neuwagen serienmäßig ESP haben. Vor allem Kleinwagen sind noch zu selten serienmäßig mit ESP ausgerüstet, was nach Ansicht von Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer fatal ist: „Gerade diese kleinen Fahrzeuge werden häufig von der Risikogruppe ‚Junge Fahrer‘ bewegt. Umso wichtiger wäre es, eine 100-prozentige Ausrüstungsrate zu erreichen, so dass es in ein paar Jahren auch genügend ESP-Gebrauchtfahrzeuge für ‚Junge Fahrer‘ auf dem Markt gibt.“

Die aktuelle Untersuchung der ESP-Verfügbarkeit in Neufahrzeugen offenbart nach Angaben von Siegfried Brockmann einige Verbesserungen im Vergleich zu den Vorjahren. So ist der Anteil der Modellreihen, die serienmäßig mit ESP ausgestattet sind, von 58% im Jahr 2006 über 64% im Jahr 2007 auf jetzt 67% gestiegen. Und nur noch für jede 11. Modellreihe des Jahrgangs 2008 ist überhaupt kein ESP zu bekommen. Vor zwei Jahren war es noch jede fünfte Baureihe.

ESP bei Minis, Kleinwagen und Utilities nur selten serienmäßig

Zwar hat der Anteil der Modellreihen, die überhaupt nicht mit ESP erhältlich sind, abgenommen (2006: 73%; 2007: 44%; 2008: 19%), dennoch hat sich außer Smart kein weiterer Hersteller in den letzten drei Jahren dazu entschlossen, alle seine „Einsteigerfahrzeuge“ serienmäßig mit ESP auszurüsten.

Gerade diese kleinen Fahrzeuge oder ältere Gebrauchtwagen werden aber häufig von der Risikogruppe „Junge Fahrer“ bewegt. Umso wichtiger wäre es, eine 100-prozentige Ausrüstungsrate zu erreichen, so dass es in ein paar Jahren auch genügend ESP-Gebrauchtfahrzeuge für „Junge Fahrer“ auf dem Markt gibt.

Sicherheit nur gegen Geld: Aufpreispolitik schreckt Autofahrer ab

Hier setzt die Kritik seitens der Unfallforschung der Versicherer an: Bei den Minis (z.B. Citroen C1, Peugeot 107 oder VW Fox), den Kleinwagen (z.B. Kia Picanto, Seat Ibiza, Peugeot 206) und den Utilities (z.B. Citroen Berlingo, Ford Tourneo oder VW Caddy) wird ESP meist nur gegen Aufpreis oder in Paketen angeboten. Aber gerade in diesem Segment sind den Käuferinnen und Käufern die 300 bis 700 € für ESP zu viel. Mit der Folge, dass ESP – wie die Verkaufszahlen eindrücklich belegen - nicht mitgekauft und vom Handel auch nicht aktiv mitverkauft wird.

Neue Einsteigermodelle kommen häufig ohne serienmäßiges ESP

Unverständlich aus Sicht der Unfallforschung ist auch, dass neue Kleinwagenmodelle wie beispielsweise der Opel Agila, der Renault Twingo, der Hyundai i10, sowie der Daihatsu Materia nicht serienmäßig mit ESP ausgeliefert werden. Dem Verbraucher sollte, so Siegfried Brockmann, die Entscheidung pro oder contra ESP nicht überlassen, sondern durch den serienmäßigen Einbau in alle Autos abgenommen werden.

ESP erhöht die Sicherheit von Fahrzeuginsassen deutlich

(Quelle: Bosch)
(Quelle: Bosch)

Im Jahr 2008 nahm die Unfallforschung der Versicherer 278 Modellreihen von 38 auf dem deutschen Markt angebotenen Automarken auf ihren ESP-Ausrüstungsgrad hin unter die Lupe. Der ESP-Anteil bei allen Autos auf Deutschlands Straßen beträgt momentan ca. 36% (2005: 24%; 2006: 30%). Die Untersuchungen der UDV haben gezeigt, dass 25% aller Pkw-Unfälle mit Personenschaden und 35 bis 40% aller Pkw-Unfälle mit Getöteten durch ESP positiv beeinflussbar wären.

Pro Jahr könnten 37.000 Unfälle mit Verletzten und 1.100 Unfälle mit Getöteten in Deutschland vermieden oder zumindest in ihren Folgen abgeschwächt werden. In Großbritannien ist von 400 Toten und 3.000 Schwerverletzten weniger pro Jahr die Rede, in den USA – wo ESP ab Modelljahr 2012 für alle neuen Autos Pflicht wird – von einem Rückgang der tödlichen Unfälle um 43%. US-Studien belegen auch, dass tödliche Alleinunfälle mit Überschlag durch ESP minimiert werden, und zwar um 40% bei PKW und sogar um 73% bei Geländewagen.

UDV-Datenbank findet ESP-Fahrzeuge

Verbraucher, die beim Autokauf auf Nummer sicher gehen wollen, können sich auf der Internetseite der Unfallforschung der Versicherer informieren, wie der Ausrüstungsstand von ESP in den einzelnen Fahrzeugmodellen ist. In einer Datenbank (Stand 5/2008) können nicht nur die Hersteller und Modellreihen aller Neufahrzeuge in Deutschland abgerufen werden, sondern sogar einzelne Modelle – für die Jahre 2006, 2007 und 2008 (siehe unsten stehenden Link). Außerdem sind für viele Gebrauchtwagen ESP-Informationen abrufbar.

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