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Das Kabelhandbuch - Historie, Auswahl, Gesetze und Normen

| Redakteur: Gerd Kucera

Leitungen der Telegrafentechnik waren gegen 1880 Basis erster Starkstromkabel in Deutschland. Isoliert wurden sie mit Guttapercha, dem eingedickten Saft des gleichnamigen asiatischen Gummibaumes.
Leitungen der Telegrafentechnik waren gegen 1880 Basis erster Starkstromkabel in Deutschland. Isoliert wurden sie mit Guttapercha, dem eingedickten Saft des gleichnamigen asiatischen Gummibaumes. (Bild: EW Medien und Kongresse/Buchverlag)

Bereits 1811 übermittelte der deutsche Erfinder Samuel Thomas Soemmering elektrische Signale durch einen mit Kautschuk isolierten Draht. Verlegt wurde er in München durch die Isar. Es waren frühe Versuche zur Idee, Kabel unter Wasser zu verlegen. Seit Erfindung der elektrischen Telegraphen wurden mehrere Methoden ausprobiert, die jedoch aus Mangel an geeigneten Isolierungen scheiterten.

Erst mit Erfindung der Guttaperchapresse zur Isolierung von Telegrafenkabeln durch Werner Siemens konnten geeignet isolierte Leitungen entwickelt werden. Im Gegensatz zu Kautschuk wurde Guttapercha nicht im Laufe der Zeit spröde, besonders wenn es in Salzwasser, geschützt vor direkter Lichteinstrahlung, aufbewahrt wurde.

Das Wort Kabel stammt aus dem Arabischen, so ist im Kabelhandbuch des Verlags EW Medien und Kongresse nachzulesen. Die spannende Einleitung des Fachbuchs nennt europäische Seeleute im frühen Mittelalter, die diesen Begriff aus dem Arabischen übernommen und in ihrer Sprache mit lateinischen Buchstaben nachgebildet haben.

Auszug aus dem Buch: Die ersten „elektrischen“ Kabel wurden von Seilmachern, so genannten Reepschlägern, hergestellt. Nicht nur das Wort Kabel, auch andere Begriffe der Kabeltechnik stammen aus dem Wortschatz der Seeleute und der Seilmacher, z.B. Ader, Seele, Schlag, Trosse.

Die in der Telegrafentechnik eingesetzten Leitungen waren Basis der ersten Startstromkabel in Deutschland. Solche Starkstromkabel wurden erstmals 1880 in Berlin für den Betrieb von Bogenlampen benutzt. Diese Kabel waren mit Guttapercha, dem eingedickten Pflanzensaft des asiatischen Guttaperchabaumes, isoliert, das aber schon bei etwa 45 °C weich wird. Bald darauf wurde die wärmebeständigere Isolierung mit getränkten Faserstoffen, wie Jute und Hanf, entwickelt. Als Feuchtigkeitsschutz war bei dieser Konstruktion ein Bleimantel erforderlich.

Die Spannungsfestigkeit der Starkstromkabel wurde ab etwa 1890 durch den Einsatz einer mit Mineralöl getränkten geschichteten Papierisolierung wesentlich verbessert. Später (in den 1960er Jahren) wurden neben Mineralölen vermehrt synthetische Isolierflüssigkeiten eingesetzt.

Durch den Einsatz von leitfähigem Papier unter der Aderisolierung konnten Schäden durch Teilentladungen an der Grenzfläche zwischen Leiter und Isolierung verhindert werden. Damit wurde eine weitere Erhöhung der Spannungsfestigkeit erreicht.

In diesem leitfähigen Papier ist der Vorgänger der heutigen inneren Leitschicht zu sehen. Etwa zur gleichen Zeit fand die Messung des Verlustfaktors tan ð Eingang in die Kabeltechnik. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse führten zu den heute noch im Hochspannungsbereich eingesetzten Kabelkonstruktionen, bei denen unter Druck stehendes Öl oder Gas die Entstehung von Hohlräumen, z. B. bei Belastungszyklen, verhindert.

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Aus technischen und wirtschaftlichen Gründen wurde schließlich um das Jahr 1940 begonnen, Kunststoffe für Isolierung und Mantel einzusetzen. Seit den 1960er Jahren haben sich in Deutschland Kunststoffe als Isolier- und Mantelwerkstoff für Niederspannungskabel und seit den 1970er Jahren für Mittelspannungskabel durchgesetzt.

Bevorzugt wurden in Deutschland für die Niederspannung PVC-Mischungen und in der Mittelspannung PE- und VPE-Compounds. Darüber hinaus werden in der Kabelfertigung außerhalb Deutschlands auch EPR-Mischungen verwendet. Auch im Bereich der Hoch- und Höchstspannung sind Kunststoffkabel Stand der Technik. Insbesondere die Entwicklung von Höchstspannungskabeln und -garnituren ist noch nicht abgeschlossen.

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