Aufgemerkt

1937: Der erste Drahtfederkontakt

| Redakteur: Kristin Rinortner

Drahtfeder-Stift: Ein Reisigbesen brachte Otto Dunkel 1937 auf das Konstruktionsprinzip des Drahtfederkontaktes.
Drahtfeder-Stift: Ein Reisigbesen brachte Otto Dunkel 1937 auf das Konstruktionsprinzip des Drahtfederkontaktes. (Bild: ODU)

Als Leiter der Forschungswerkstatt der Deutschen Reichspost widmete sich Otto Dunkel im Winter 1936/37 dem Bau der ersten Ionosphärensender, die es erlaubten, Nachrichten in die hohe Atmosphäre zu strahlen, damit sie dort reflektiert und an einem anderen Ort empfangen werden konnten.

Die Versuche, zwischen Berlin und Standorten in Spanien sowie Italien zu senden, verliefen jedoch nicht störungsfrei. Es gab große Probleme mit den Steckkontakten der Sendeanlagen. Die marktgängigen Modelle ermöglichten nämlich keinen gleichbleibenden Übergangswiderstand.

Dunkel grübelte darüber nach, wie sich dieses Problem lösen ließ. Nicht aufwendige wissenschaftliche Untersuchungen halfen ihm schließlich weiter, sondern seine Beobachtungsgabe und Fantasie: „Es muss im Jahre 1937 gewesen sein, ich stand an meinem Fenster und schaute auf den Hof des Reichspostzentralamtes. Ich war recht verzweifelt darüber, dass ich nicht vorwärtskam. Da sah ich auf dem Hof einen Mann mit einem Strauchbesen, mit dem er das Laub kehrte. Das gab mir den Gedanken für einen neuen Kontakt.

Ich ging nun von dem folgenden Standpunkt aus: Es ist unmöglich, einen Kontakt zu schaffen mit zwei ebenen Flächen, die immer auf der ganzen Fläche anliegen und somit immer den gleichen Übergangswiderstand bringen, aber auch den gleichen Kontaktdruck ausüben. Also war mein Gedanke: Warum den Kontakt nicht gleich in Linien aufteilen, wie der Erfinder des Strauchbesens es auch mit den einzelnen Reisigen gemacht hat? So entstand der neue Kontakt.“

Dieser Drahtfederkontakt ist die erste in einer langen Reihe von Erfindungen des später gegründeten Unternehmens ODU (Otto DUnkel) und nach wie vor eines der wichtigsten Produkte im Portfolio der Mittelstandsfirma.

Am Konstruktionsprinzip hat sich bis heute nichts Grundlegendes geändert. Denn heute wie damals garantiert es geringe Übergangswiderstände, eine große Anzahl unabhängig federnder Kontakte, eine sehr sichere Verbindung, große Strombelastbarkeit, hohe Vibrationsbeständigkeit und Steckzyklen von mehr als100.000.

In der Rubrik Aufgemerkt stellt die Redaktion ELEKTRONIKPRAXIS regelmäßig Meilensteine aus der Geschichte der Elektronik und Elektrotechnik vor.

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