Schnittstellen-Standards USB – Chaos mit drei Buchstaben

Autor / Redakteur: Helmut Martin-Jung* / Kristin Rinortner

Eigentlich soll der USB-Standard es einfacher machen, Bildschirme, Mäuse und Drucker anzuschließen. Doch die Hersteller arbeiten oft unsauber. Eine Anklage.

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USB-Standard: Bei USB-Anschlüssen kann man sich nicht nur in den Kabeln verheddern, sondern auch in den Begriffen und den technischen Möglichkeiten.
USB-Standard: Bei USB-Anschlüssen kann man sich nicht nur in den Kabeln verheddern, sondern auch in den Begriffen und den technischen Möglichkeiten.
(Bild: tomekwalecki auf Pixabay)

Jetzt aber mal halblang: Man könnte ja auch sagen, die meisten Nutzer brauchen die supertollen Funktionen sowieso nicht, die das USB-Konsortium für ihre Kabel und Zusatzgeräte verspricht. Dauert's halt ein bisschen länger, Daten auf eine externe Festplatte zu spielen.

Man könnte sich aber auch ärgern, denn seit Jahren schafft es die Industrie nicht einmal, vernünftige Namen für all die neuen Standards zu erfinden – oder wer bitte soll sich Dinge wie USB Gen. 3.2 2x2 merken?

Schlimmer noch aber ist, dass die Standards von den Geräteherstellern manchmal auch noch unsauber umgesetzt werden. Da kann es dann sogar passieren, dass das Beste wegfällt, was die neue Anschluss-Buchse im USB-C-Format gebracht hat, nämlich dass es egal ist, wie herum man den Stecker einstöpselt.

Das Problem bei der ganzen Sache: Am Ende ist es doch recht schwierig umzusetzen, alle die komplizierten Vorgänge, die über USB abgewickelt werden sollen, für die Nutzer einfacher zu machen. Das Ziel ist ja: einstecken und fertig. So sollen Bildschirme und andere Peripheriegeräte einfach und ohne große Installations-Orgien angebunden werden.

Von wegen dumme Strippen – das intelligente Kabel

Damit das aber klappt, müssen die Standards eben auch eingehalten werden, was leider oft nicht der Fall ist. So müssen für bestimmte Funktionen auch die Kabel eine gewisse Intelligenz mitbringen – von wegen dumme Strippen.

Nur wenn das Kabel über einen Chip verfügt, der einem Ladegerät mitteilt, welchen Ladestrom der angeschlossene Laptop gerne hätte, nur dann bekommt es den vom Ladegerät auch. Wenn der eigene Rechner mit einem anderen als dem mitgelieferten USB-C-Ladekabel nur sehr langsam lädt: Dies kann der Grund sein.

Aber auch für das verdrehsichere Einstecken braucht es Intelligenz, die angeschlossenen Geräte müssen erkennen, wie herum ein Kabel eingesteckt ist und die verfügbaren Leitungen mit einem sogenannten Multiplexer selbst richtig belegen, hier Strom, dort Daten für Bildschirm, Tastatur und so weiter. Das funktioniert aber bei manchen Kabeln nicht. Es kann also in manchen Fällen helfen, ein anderes Kabel zu verwenden.

USB-Stecker einstöpseln – oft ein Ratespiel

Oft aber beschriften auch die Hersteller ihre Geräte nicht oder nicht richtig. Dann müssen die Kunden selber raten, wo sie welchen USB-Stecker einstöpseln können. Oder bei Laptops: Da gibt es zwar meist mehrere USB-C-Buchsen, die theoretisch zum Laden genutzt werden können.

In der Praxis klappt das aber oft nur mit einer – dabei könnte es zum Beispiel helfen, den Kabelsalat auf dem Schreibtisch so zu organisieren, wie es für einen selber am besten ist, wenn es die Auswahl zwischen linker und rechter Buchse gäbe. Doch bei Laptops sind die Margen knapp, da wird dann auch mal gespart an solchen Funktionen – fällt ja auch nicht gleich auf.

Die Bezeichnungen der sechs USB-Versionen

Sechs verschiedene Hauptversionen von USB gibt es mittlerweile, vom Ur-USB 1.1 bis zum jüngsten Spross USB 4. Statt bei relativ einfach zu merkenden Bezeichnungen zu bleiben wie USB 3.1 oder 3.2, ließ sich das Industriekonsortium, das die Entwicklung von USB vorantreibt, kryptische Bezeichnungen einfallen, die mit der ursprünglichen Zählung oft nicht einmal zusammenpassen.

Aus USB 3.1 zum Beispiel wurde USB 3.2 Gen 2. Und USB 4 – es wäre ja zu einfach – läuft unter USB 3.2 3x2. Da freut sich der Feinschmecker, normale Nutzer aber sind verwirrt, besonders dann, wenn irgendetwas nicht klappt.

Und dann gibt es auch noch Thunderbolt

Um die Verwirrung komplett zu machen: Intel und Apple haben gemeinsam einen Standard entwickelt, der sich Thunderbolt nennt. Der verwendete anfangs andere Buchsen, ist mittlerweile aber auch auf USB-C umgeschwenkt, die technischen Anforderungen wurden freigegeben und sind in die Spezifikation von USB 4 aufgenommen worden. In der Regel bietet Thunderbolt höhere Geschwindigkeiten bei der Datenübertragung.

Wer jetzt denkt, super, dann gibt es ab USB 4 nun höhere Geschwindigkeiten für alle, sieht sich getäuscht. Thunderbolt-Speed gibt es nur mit speziellen Kabeln, die einen besonderen Chip in den Steckern mitbringen müssen.

Immerhin kann man an Thunderbolt-Schnittstellen nun auch USB-Hubs anschließen. Das sind – vereinfacht ausgedrückt – USB-Mehrfachstecker. Allerdings kann es gut sein, dass dann nicht mehr die volle Übertragungsrate über die Leitung geht. Damit das funktioniert, müssen auch die Hubs thunderbolt-tauglich sein.

Die Industrie täte den Verbrauchern einen großen Gefallen, wenn sie dieses Chaos aufräumen würde. Dazu würde auch gehören, die Einhaltung der Standards noch genauer zu überwachen.

Originalveröffentlichung auf SZ.de vom 02.08.21.

* Helmut Martin-Jung ist Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung.

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