USA setzen SMIC auf Schwarze Liste

Autor: Sebastian Gerstl

Hiobsbotschaft für SMIC: Medienberichten und der Nachrichtenagentur Reuters zufolge will das US-Handelsministerium sämtliche Lieferungen von US-Technologie an und den Handel von US-Firmen mit der chinesischen Foundry unterbinden. Grund seien enge Kontakte von SMIC mit dem chinesischen Militär.

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Die scheidende Trump-Regierung legt noch einmal neue Eskalationsstufen auf den andauernden Handelskrieg mit China drauf. Dem Auftragsfertiger SMIC soll der Kauf von US-Ausrüstung verboten werden.
Die scheidende Trump-Regierung legt noch einmal neue Eskalationsstufen auf den andauernden Handelskrieg mit China drauf. Dem Auftragsfertiger SMIC soll der Kauf von US-Ausrüstung verboten werden.
(Bild: SMIC)

Die noch amtierende Trump-Regierung in den USA hat angekündigt, weitere chinesische Unternehmen ähnlich wie seinerzeit Elektronik-Konzern Huawei auf eine Schwarze Liste setzen zu wollen, die US-Firmen den Handel mit diesen Firmen untersagt. Auch ist es US-Finanziers oder in den USA beheimateten Gesellschaften somit nicht weiter möglich, in diese Unternehmen zu investieren. Neben dem nationalen Offshore-Öl- und Gasproduzenten CNOOC ist dabei insbesondere auch Chinas Top-Chiphersteller SMIC betroffen, da dieser Chips für das chinesische Militär produziere und unter dessen Einfluss stehe.

SMIC bestreitet dies. Ein Sprecher des Unternehmens gab gegenüber Reuters an, SMIC sagte, dass sie weiterhin „konstruktiv und offen mit der US-Regierung zusammenarbeitet“ und dass ihre Produkte und Dienstleistungen ausschließlich für die zivile und kommerzielle Nutzung bestimmt seien. „Das Unternehmen unterhält keine Beziehungen zum chinesischen Militär und produziert nicht für militärische Endnutzer oder Endanwendungen.“

Auch die chinesische Regierung hat sich in einer ersten Stellungnahme zu dem Vorgehen der USA geäußert. Man hoffe, dass die Vereinigten Staaten keine Barrieren und Hindernisse für die Zusammenarbeit errichten werden, merkte Hua Chunying, eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, bei einem Pressegespräch an.

Ohne US-Ausrüstung dürften SMICs Technologieziele kaum erreichbar sein

Seit einer Verfügung des US-Handelsministerium im September diesen Jahres hat SMIC bereits mit Einschränkungen zu kämpfen, wenn das Unternehmen Technologie aus den USA importieren möchte. Sämtlicher Technologiehandel mit der Foundry erfordern seit einer entsprechenden Anordnung eine Sondergenehmigung seitens der US-Regierung.

SMIC hatte für 2020 ein Investitionsbudget von 4,2 Milliarden US-$ vorgesehen, da es versucht, seine Prozesstechnologie über 14 nm hinaus zu verbessern. Tatsächlich hatte die Foundry erst kürzlich über chinesische Medien angekündigt, kurz vor einem Durchbruch bei der Entwicklung einer hauseigenen 7-nm-Chip-Herstellung zu stehen: Im vergangenen Monat gab Innosilicon, ein Anbieter von Chip-Anpassungslösungen, bekannt, dass die Tests eines Prototyp-Chips, der auf dem FinFET N+1-Prozess der Semiconductor Manufacturing International Corporation (SMIC) basiere, erfolgreich abgeschlossen habe.

Bis 2023 wolle man in der Lage sein, eine Serienproduktion von 7-nm-Chips zu erreichen, und dafür eng mit dem niederländischen Anbieter von Lithografie- und Maskierungstechniken, ASML, zusammenarbeiten.Dennoch dürften die Chancen schlecht stehen, diese Pläne weiterzuentwickeln, wenn das Unternehmen komplett auf US-Technologie verzichten müsste. Ein Großteil der für die Fertigung von High-End-Chips notwendigen Anlagen wird von US-Firmen wie KLA-Tencor, Lam Research oder Applied Materials hergestellt.

Der eskalierende Handelsstreit und die Coronakrise haben Chinas versuchtem Aufbau einer eigenen High-Tech-Chipindustrie einen herben Dämpfer verpasst. So steht etwa das mit 20 Milliarden US-$ geförderte Fertigungs-Startup HSMC, dass zusammen mit SMIC an der Entwicklung der eigenen 7-nm-Technologie arbeiten sollte, offenbar kurz vor der Pleite. SMIC selbst scheint auch mit dem Aufbringen nötiger finanzieller Mittel zu kämpfen: Kürzlich brachte das Unternehmen 6,6 Milliarden US-$ an der Shanghai Star-Börse durch einen Aktienverkauf auf. Dieser wurde in erster Linie von der chinesischen Regierung unterstützt, da sie SMIC als zentralen Spitzenreiter und Schlusselfertiger bei nationalen Bemühungen um den Aufbau einer hochmodernen Chipindustrie ansieht.

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