Manufacturing-Execution-Systeme US-Softwerker Aegis übernimmt den Erlanger Fertigungsspezialisten Diplan

Redakteur: Franz Graser

Durch die Übernahme von Diplan steigt das Unternehmen aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania nach eigenen Angaben zum Marktführer bei Software zur Fertigungs-Automatisierung auf. Der Fokus von Aegis liegt auf der Elektronikfertigung.

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Jason Spera, der Chef von Aegis Software, gab in München die Übernahme des Erlanger Herstellers für Produktionsplanungssysteme Diplan bekannt.
Jason Spera, der Chef von Aegis Software, gab in München die Übernahme des Erlanger Herstellers für Produktionsplanungssysteme Diplan bekannt.
(Bild: Aegis Software)

Wie Jason Spera, der CEO von Aegis, auf einer Pressekonferenz in München mitteilte, ergänzen sich die Softwarelösungen des US-Herstellers und von Diplan sehr gut. Die Stärken von Aegis liegen insbesondere bei der Einführung neuer Produkte in der Elektronikfertigung, der Echtzeit-Prozessanalyse, der Fertigungsüberwachung, dem Qualitätsmanagement und der Produktverfolgung.

„Wir hatten aber Lücken in den Bereichen Produktionsplanung und Logistik“, sagte Spera. Hier kann die Lösung von Diplan punkten. Ein weiterer wichtiger Pluspunkt des Softwarepakets aus Erlangen ist die Materialverfolgung: „Es ist verblüffend zu sehen, wie die Technik von Diplan diese Aufgabe bewältigt“, gibt Aegis-CEO Spera zu.

Nach der Übernahme wird Aegis 89 Mitarbeiter haben. Knapp 50 davon bringen die Amerikaner in die Ehe ein, die übrigen 40 kommen von Diplan. Infolge der Fusion soll es keinen Arbeitsplatzabbau geben. „Wir wollen weiter wachsen“, bekräftigte Dr.-Ing. Karsten Schlüter, der geschäftsführende Gesellschafter. „Wir wollen die talentierte Mannschaft von Diplan in die gemeinsame Organisation einbringen“, bestätigte Aegis-CEO Spera.

Der bisherige Diplan-Geschäftsführer Schlüter soll weiter das Asiengeschäft des Unternehmens verantworten. Sein bisheriger Kollege als geschäftsführender Gesellschafter, Dr.-Ing. Friedrich Nolting, wird das Europa-Geschäft leiten. Der Markenname Diplan wird zudem erst nach einer längeren Übergangszeit verschwinden, wobei zur Zeit noch offen ist, wie lange dieser Zeitraum andauern wird.

Frappant ist nicht nur, wie sich die Funktionalitäten der Softwarelösungen von Aegis und Diplan gegenseitig ergänzen, sondern auch, dass die beiden Unternehmen bisher ganz unterschiedliche regionale Märkte bearbeitet haben. Aegis war bisher in Nordamerika, Großbritannien, Skandinavien und Japan präsent, Diplan war in den deutschprachigen Ländern, in Brasilien, China, Thailand und Singapur aktiv. Es gab praktisch keine Überschneidungen.

Unter diesen Umständen wäre auch eine lockere Partnerschaft der beiden Anbieter denkbar gewesen. Dagegen spricht jedoch nach Erfahrung von Diplan-Geschäftsführer Schlüter, dass die Kunden nur einen Ansprechpartner akzeptierten und „keine Partnerschaft“ wollten, bei der „einer dem anderen den Schwarzen Peter zuschiebt.“

Eine komplexe Aufgabe wird die Integration der Softwarelösungen in eine gemeinsame Plattform darstellen. Das gab auch CEO Spera zu: Aegis setze auf die Dotnet-Architektur von Microsoft und die Programmiersprache C#, wärend Diplan eine andere Technologie verwende. „Die gute Nachricht ist aber: Der Code ist interoperabel, die Schnittstellen sind klar, die Integration der Daten wird nicht schwierig.“

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