CHIPs Act US-Elektronikgrößen fordern Nationales Halbleitertechnologiezentrum in New York

Von Sebastian Gerstl

Unter Federführung von IBM haben über 40 amerikanische Elektronikfirmen und Forschungseinrichtungen in einem offenen Brief an die US-Regierung ein schnelles vorantreiben der Förderung einheimischer Halbleiterentwicklung und die Schaffung nationaler Halbleiter- und Packaging-Technologiezentren gefordert.

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Anlage für EUV-Lithografie für Silizium-Nanosheet-Transistoren am IBM Nanotech Complex in Albany, New York. Die Forschungs-. und Entwicklungseinrichtung könnte nach Ansicht von Big Blue als eine zentrale Anlaufstätte für ein Nationales Halbleitertechnologiezentrum dienen, von dem die gesamte US-Industrie profitieren könnte, wie IBM in einem offenen Schreiben an die US-Regierung darlegt.
Anlage für EUV-Lithografie für Silizium-Nanosheet-Transistoren am IBM Nanotech Complex in Albany, New York. Die Forschungs-. und Entwicklungseinrichtung könnte nach Ansicht von Big Blue als eine zentrale Anlaufstätte für ein Nationales Halbleitertechnologiezentrum dienen, von dem die gesamte US-Industrie profitieren könnte, wie IBM in einem offenen Schreiben an die US-Regierung darlegt.
(Bild: IBM)

Mit dem geplanten CHIPS for America Act plant die US-Regierung bereits seit Sommer 2020 den Start einer großangelegten Förderung der nationalen Halbleiterindustrie, doch die Pläne stecken noch in Kongressdebatten fest. Unter anderem würde die geplante Gesetzgebung neben einer gezielten Förderung einheimischer Halbleiterunternehmen die Schaffung eines Nationalen Halbleitertechnologiezentrums (National Semiconductor Technology Centre, NSTC) und eines Förderprogramms für fortgeschrittene Einhausungstechnologien (National Advanced Packaging Manufacturing Program) vorsehen. Nachdem diese Pläne noch unter der Trump-Regierung auf den Weg gebracht worden waren, fehlt es dem Subventionsplan immer noch an der Zustimmung des US-Kongress – sehr zum Frust der in der Halbleiterindustrie tätigen US-Unternehmen.

Drehkreuz New York soll als Hebel für die amerikanische Halbleiterindustrie dienen

Unter Federführung von IBM haben sich nun über 40 in der Branche aktiven Firmen und Forschungseinrichtungen in einem offenen Brief an die US-Regierung gewandt und ein schnelles Vorantreiben der CHIPS-Pläne gefordert. Zu den weiteren Unterzeichnern zählen unter anderem CTOs und Forschungsleiter von Unternehmen wie Analog Devices, Applied Materials, Danfoss, Global Foundries, i3 Microsystems, KLA, Mythic, NexGen Power Systems, OnSemi oder Synopsys. Hinzu kommen Vertreter von leitenden Forschunseinrichtungen wie der Jackson State University, MIT, Purdue University, dem Rensselaer Polytechnic Institute, der State University of New York, oder der University of Illinois at Urbana-Champaign.

Auch wenn der CHIPs Act ursprünglich vor Beginn der aktuellen Halbleiterkrise auf den Weg gebracht werden sollte, seien die Förderpläne inzwischen regelrecht essentiell geworden, um dem Halbleitermangel ganz speziell auf dem US-Markt, aber auch weltweit, zu begegnen. „Die anhaltende weltweite Halbleiterknappheit unterbricht unsere Versorgungsketten, beeinträchtigt Verbraucher und Unternehmen und bedroht unsere nationale Sicherheit. Diese Knappheit offenbart den Mangel an nachhaltigen inländischen Investitionen in die Halbleiterindustrie und unterstreicht die Notwendigkeit für die Vereinigten Staaten, zu reinvestieren, um eine stetige und sichere Versorgung mit Chips bis weit in die Zukunft zu gewährleisten“, heißt es in der Eröffnung des Schreibens.

In dem Offenen Brief drängen die unterzeichnenden Unternehmen und Forschungsstätten darauf, insbesondere den U.S. Innovation and Competition Act (USICA) freizugeben, der in Ihren Augen unter anderen den Creating Helpful Incentives to Produce Semiconductors for America Act (CHIPS Act) finanzieren dürfte. Vorrangiges Ziel eines abgesegneten CHIPS Acts sei dabei neben verbesserten Investitions-Incentives für neue Fertigungsstätten und einer Förderung der nationalen Halbleiterproduktion eben die Schaffung des eingangs erwähnten Nationalen Halbleitertechnologiezentrums.

Das NSTC soll als zentrale Anlaufstelle dienen, um das Fachwissen und die Ressourcen der Halbleiterindustrie zu bündeln. Dies soll die Forschung und Entwicklung bei neuen Chiptechnologien hinsichtlich Innovation und Produktion maßgeblich beschleunigen und die Versorgung mit Chips nicht nur in der nahen, sondern auch der fernen Zukunft sicherstellen. Für eine solche zentrale Einrichtung ist aber ein Ökosystem erforderlich, das über erstklassige Ressourcen, Wissenschaftler, Einrichtungen und Partner verfügt, die schnell und effizient arbeiten können, um den weltweiten Mangel an Chips zu beheben.

„Wir haben keine Zeit zu verschwenden“

Als Standort für dieses Nationale Halbleiterzentrum empfehlen IBM & Co. den Bundesstaat New York. IBM selbst verweist hierbei insbesondere auf den in Albany ansässigen IBM Nanotech Complex. Die F&E-Einrichtung, in der IBM unter anderen den weltersten in 2 nm-Technologie gefertigten Chip vorgestellt hat, wurde in den letzten zwei Jahrzehnten bereits mit mehreren Milliarden US-$ an privaten wie auch öffentlichen Geldern gefördert und beschäftigt derzeit mehr als 2.700 Branchenexperten, Mitarbeiter, Studenten und Dozenten. Mit der University of Buffalo sowie den Universitäten der City of New York und der New Yorker Staatsuniversität (State University of New York, SUNY) sind in dem Bundesstaat diverse Hochschulen beheimatet, die in der Halbleiterforschung einen guten Ruf genießen. Würde die IBM-Einrichtung in IBM als zentraler Standort dienen, könnte nach Einschätzung von „Big Blue“ ein entsprechendes NSTC in nur 6-12 Monaten komplett einsatzbereit sein.

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Der offene Brief warnt, dass man „keine Zeit zu verschwenden“ habe. Wenn die Vereinigten Staaten ihre Führungsrolle in der Halbleiterindustrie behalten wollen, müssen wir schnell handeln, und das NSTC sollte die vorhandenen Ressourcen nutzen, um schnell Ergebnisse zu erzielen“, konstatiert IBM in dem Schreiben. „Wie wir uns der Herausforderung stellen, unsere Halbleiterlieferkette wieder stabiler zu machen, ist nicht nur für die Nation, sondern auch für den Staat New York von entscheidender Bedeutung, wenn wir unsere Führungsposition bei Halbleiterinnovationen, Forschungsexpertise und den Arbeitskräften der Zukunft behalten wollen. Darüber hinaus ist New York in einer einzigartigen Position, um neue amerikanische Halbleiterfabriken zu unterstützen, da wir mehr betriebsbereite Standorte als jeder andere Bundesstaat haben und bereits die für die Herstellung neuer Chips erforderliche Infrastruktur geschaffen haben.“

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