US-chinesischer Handelsstreit: Chipindustrie will gegen neue Zolltarife kämpfen

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Die US-amerikanische Chipindustrie bezieht immer deutlicher Stellung degen den Kurs der US-Regierung im Handelsstreit mit China. Der Industrieverband SIA fordert die Streichung von 39 Produkten von der erweiterten Liste mit Strafzöllen.
Die US-amerikanische Chipindustrie bezieht immer deutlicher Stellung degen den Kurs der US-Regierung im Handelsstreit mit China. Der Industrieverband SIA fordert die Streichung von 39 Produkten von der erweiterten Liste mit Strafzöllen. (Bild: Clipdealer)

Die Semiconductor Industry Association (SIA) hat sich offen gegen den aktuellen Kurs der Trump-Regierung im Handelsstreit mit China ausgesprochen. Der amerikanische Verband fordert die Entfernung von 39 gelisteten Produkten im Wert von 16 Milliarden US-$, die in der zweiten Tarifrunde ebenfalls mit 25% Zoll beschlagen werden sollen.

Der amerikanische Halbleiterverband SIA hat am vergangenen Montag offen gegen den aktuellen Kurs der US-Regierung im Handelsstreit mit China Stellung bezogen. Die Zolltarife schadeten der amerikanischen Chipindustrie, heißt es unter anderem in der Erklärung. Die die Einführung von Zolltarifen für Halbleiter und halbleiterbezogene Produkte würden die Führung der USA bei Halbleitern untergraben, die US-Chipfirmen gegenüber internationalen Wettbewerbern behindern und den Marktanteil der US-Firmen in China gefährden.

Erst vor knapp zwei Wochen hatte die US-Regierung auf Geheiß von US-Präsident Trump eine zweite Runde im Handelsstreit eröffnet: Auf einer neuen Liste wurden weitere Produkte in einem Gesamtwert von 200 Milliarden US-& geführt, auf die neue Strafzölle in Höhe von 25% aufgeschlagen werden sollen.

Imporstatistiken basierten auf einer "verzerrten Metrik"

Die vorgeschlagenen Zölle würden nicht nur der amerikanischen Chipindustrie schaden, sondern auch den USA Exporte und Arbeitsplätze kosten. Ebenso dürften sich die Kosten der hergestellten Konsumgüter für die US-Verbraucher erhöhen, warnt die SIA. Ähnliche Sorgen hatte bereits vergangenen Monat der Interessensverband von Halbleiterfertigern und -zulieferern SEMI geäußert.

Die SIA argumentiert, dass die Mehrheit der gesamten US-Halbleiterimporte aus China in Wirklichkeit Chips sind, die in den USA entwickelt oder gar hergestellt und nur für Testing und Packaging nach China geliefert werden. Die Importstatistiken, auf deren Basis sich die US-Regierung die Auswahl der von Strafzöllen betroffenen Produkten stützt, berufe sich daher auf einer irreführenden und verzerrten Metrik.

Es würden also effektiv Zölle auf amerikanische Produkte für den amerikanischen Markt erhoben: Der Halbleiterverband schätzt, dass sich die vorgeschlagenen Zölle auf etwa 3,6 Milliarden Dollar an US-Halbleiterchip-Importen aus China und weitere 2,7 Milliarden Dollar an Produkten im Zusammenhang mit der Halbleiter-Lieferkette auswirken würden.

Zölle kein wirksamer Schutz gegen Diebstahl geistigen Eigentums

Wie SEMI unterstütze auch der SIA und die in ihm vertretenen Chipfirmen das grundsätzliche Ziel der Trump-Regierung, speziell das geistige Eigentum anderer Firmen zu schützen und den strittigen Umgang der chinesischen Industrie mit diesem Thema einzudämmen. Allerdings ist die Industrie darin einig, dass Zolltarife hier keine Lösung brächten: Strafzölle schadeten der Weltwirtschaft und würden unnötig US-Unternehmen und Verbraucher in Mitleidenschaft ziehen. Zahlreiche Marktbeobachter und Industrieexperten teilen diese Auffassung, wie beispielsweise das Marktforschungsinstitut IHS.

"Unglücklicherweise können die vorgeschlagenen Zölle, die Strafen für die US-Halbleiterindustrie irreführen, den diskriminierenden Handel und unrechtmäßige IP-Praktiken Chinas nicht einschränken oder den Vereinigten Staaten einen sinnvollen Hebel an die Hand geben, um China dazu zu bewegen, sein Verhalten zu ändern," schreibt die SIA in ihrer Stellungnahme. Als Alternative fordert der Verband die US-Regierung auf, "effektivere und gezieltere Maßnahmen zu ergreifen". Dazu zählten eine aktive, zielgerichtete Bekämpfung von IP-Diebstahl, eine stärkere Nutzung der Welthandelsorganisation WTO und multilaterale Maßnahmen mit verbündeten Ländern, um die "problematischen Aspekte der chinesischen Industriepolitik" anzugehen.

Am Dienstag wollen Vertreter der SIA gegenüber der U.S. International Trade Commission ihre Position auf einer Anhörung noch einmal öffentlich vorbringen.

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