Unternehmen machen Milliarden-Minus wegen US-Steuerreform

| Autor / Redakteur: Mit Material von dpa / Michael Eckstein

Milliarden-Forderungen: Nach der Steuerreform verlangt der US-Fiskus einmalige Steuernachzahlungen von Unternehmen.
Milliarden-Forderungen: Nach der Steuerreform verlangt der US-Fiskus einmalige Steuernachzahlungen von Unternehmen. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Raus aus dem Paradies: Apple, Microsoft und weitere internationale Konzerne müssen ihre Gewinne nun in den USA versteuern. Langfristig könnten sie von den neuen Regeln aber profitieren.

Jahrelang haben große US-Konzerne ihre im Ausland erwirtschafteten Gewinne in Steuerparadiesen parken können. Seit der von der Trump-Administration durchgesetzten Steuerreform ist damit Schluss: Der US-Fiskus fordert nun seinen Teil. Auch wenn die von Trump glorifizierte Reform bei genauerem Hinschauen einigen Spielraum lässt (niedriger Steuersatz, Strecken der Zahlungen über acht Jahre, volle Abschreibung von Investitionen in den USA uvm.), wirkt sie sich massiv auf die aktuellen Bilanzen der Unternehmen aus.

Beispiel Microsoft: Das brummende Cloud-Geschäft hat dem Software-Riesen ein sattes Umsatzplus beschert. Trotzdem weist der Geschäftsbericht für das Quartal bis Ende Dezember einen Verlust von von 6,3 Milliarden Dollar (5,1 Mrd Euro) aus. Der Grund: Abschreibungen für die Steuerreform. Im Vorjahreszeitraum hatte es noch einen Überschuss in etwa gleicher Größenordnung gegeben.

Einmalig viel zahlen, danach vom niedrigen Steuersatz profitieren

Wegen der Reform, von der Unternehmen unter anderem wegen des niedrigen Steuersatzes von offiziell 15 Prozent auf lange Sicht profitieren dürften, musste Microsoft nach eigenen Angaben 13,8 Milliarden Dollar zurückstellen. Grund dürfte vor allem eine Abgabe auf im Ausland geparktes Firmenvermögen sein. Die Einmalbelastung ist jedoch ein Bilanzeffekt, der das Geschäft nicht hemmt. Das beweist der operative Gewinn, den Microsoft um satte zehn Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar steigern konnte.

Grundlage dafür war der um zwölf Prozent auf 28,9 Milliarden Dollar (23,3 Mrd. Euro) gesteigerte Umsatz – was Analysten und Anleger gleichermaßen frohlocken lässt. Wachstumstreiber Nummer eins ist für Microsoft das Cloud-Geschäft: Der Erlös mit IT-Diensten und Speicherplatz im Internet wuchs um 56 Prozent auf 5,3 Milliarden Dollar. Azure, die Cloud-Plattform für Unternehmen, legte sogar um 98 Prozent zu – und erhöht den Druck auf Marktführer Amazon Web Services.

US-Steuerreform verhagelt auch Apple, Intel und anderen die Bilanz – zumindest einmalig

Die größte Zahlungsaufforderung kommt auf Apple zu: Zwar könnte der iPhone-Produzent die eigene Umsatzbestmarke von 18,4 Milliarden Dollar für das Weihnachtsquartal 2015 knacken – davon gehen Analysten aus. Andererseits muss der Konzern wegen der US-Steuerreform rund 38 Milliarden Steuern für seine exorbitanten Auslandsgewinne der letzten Jahre nachzahlen. Immerhin rund 250 Milliarden Dollar Barvermögen bunkert der Tech-Riese aktuell noch im US-Ausland. Wann und wie Apple diese Rechnung begleichen wird, entscheidet über die Geschäftszahlen für das letzte Weihnachtsquartal. Hier räumt die Reform dem Konzern einigen Spielraum ein. Am heutigen Donnerstag (ab 22.30 Uhr MEZ) wird Apple seine Bilanz präsentieren.

Ein weiteres prominentes Exempel ist Intel: Der Chiphersteller hat zwar laut eigenen Angaben im vierten Quartal 2017 einen Rekordumsatz verzeichnet, gleichzeitig aber eine hohe Abschreibung im Zuge der US-Steuerreform vornehmen müssen: Immerhin 5,4 Milliarden Dollar stehen dafür in den Büchern. Vor diesem Hintergrund vermeldete der US-Konzern für den Zeitraum Oktober bis Dezember 2017 einen Verlust von 687 Millionen Dollar. Im Vorjahreszeitraum hatte der Gewinn noch bei 3,56 Milliarden Dollar gelegen.

Auch Qualcomm, wegen diverser Rechtstreitigkeiten unter anderem mit Apple und der EU unter Druck, belasten die Rückstellungen wegen der Steuerreform zusätzlich. Im vergangenen Quartal verbuchte der Halbleiterhersteller 6 Milliarden Dollar Verlust – bei einem Umsatz von 6,1 Milliarden Dollar. Gegenüber dem Vorjahr sank der Quartalsgewinn damit um 600 Millionen Dollar.

Nicht-US-Unternehmen trifft die Reform ebenfalls

Auch ausländische Unternehmen trifft die Reform, wie das Beispiel des chinesischen Handy- und PC-Herstellers Lenovo zeigt. Lenovo hatte 2005 das gesamte PC-Geschäft von IBM übernommen und führt es seitdem mit Erfolg weiter. Im dritten Geschäftsquartal, das bei Lenovo Ende Dezember abgeschlossen hat, musste der Konzern nach eigenen Angaben jedoch eine Einmalbelastung von 400 Millionen für Gewinne in den USA Dollar verkraften. Unter dem Strich glitt Lenovo damit mit 289 Millionen Dollar (232 Mio. Euro) in die Verlustzone, obwohl das Unternehmen mehr Umsatz machte als im Vorjahreszeitraum.

Die Lenovo-Aktie verlor rund drei Prozent – auch, weil die Mobilfunksparte des Unternehmens weiter nicht in Schwung kommt. Wegen des hohen Konkurrenz- und Preisdrucks ist sie weiter verlustreich. 2014 hatte Lenovo das Mobilfunkgeschäft von Motorola für 2,9 Milliarden Dollar übernommen und die Gewinnzone damit bislang nicht erreicht.

Was sich dramatisch liest, ist für viele Unternehmen letztlich wahrscheinlich gut zu verkraften: Schließlich profitieren sie in Zukunft von einem niedrigen Steuersatz von maximal 15 Prozent und können Investitionen in den USA komplett abschreiben. Inwiefern dies langfristig und nachhaltig zu einer Belebung des US-Marktes führt, wird sich zeigen.

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