Stichtag 5.12. Unternehmen goutieren Auditpflicht

Redakteur: Stefan Liebing

Am 05.12.2015 war der Stichtag für die gesetzliche Pflicht für viele Unternehmen, ein sogenanntes Energieaudit, sprich eine Bestandsaufnahme wesentlicher Energieverbräuche und möglicher Einsparmaßnahmen vorgenommen zu haben. Bei Zuwiderhandlung drohen Bußgelder.

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Dr. Christoph Zschocke von ÖKOTEC Energiemanagement ist im DENEFF Vorstand verantwortlich für Energieeffizienz in der Industrie.
Dr. Christoph Zschocke von ÖKOTEC Energiemanagement ist im DENEFF Vorstand verantwortlich für Energieeffizienz in der Industrie.
(Bild: Heinrich Böll Stiftung)

Aus Sicht vieler Unternehmen ist diese Regelung wirkungsvoll, doch Anbieter fürchten wachsende Konkurrenz durch Dumpingangebote, wie eine aktuelle Befragung der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V. (DENEFF) zeigt.

Dr. Christoph Zschocke, Vorstandsmitglied der DENEFF: „Trotz Kritik von allen Seiten deutet sich an, dass die Bemühungen von EU-Kommission und Bundesregierung Früchte tragen könnten. Ob Energieaudits aber dazu führen, dass im Anschluss tatsächlich Energieeffizienzmaßnahmen durchgeführt werden, hängt von der Qualität der Beratung ab.“

So zeigt die Befragung zwar, dass die Mehrzahl der Befragten die letztes Jahr in Kraft getretene Verpflichtung für wirkungsvoll hält (Abbildung 1), jedoch spüren diejenigen der Unternehmen, die selbst Energieaudits anbieten, einen Anstieg des Preisdrucks (Abbildung 2). Ein möglicher Hinweis auf Billigangebote von niedriger Qualität.

Viele der befragten Unternehmen zeigen einen höheren Anspruch: Sie beschränken sich nicht darauf wie vorgeschrieben alle vier Jahre ein Audit durchzuführen, sondern haben sich mehrheitlich für die Einführung eines Energiemanagementsystems entschieden. Das Gesetz lässt dies nicht nur als Alternative zu, sondern lässt dazu auch ein Jahr mehr Zeit. Anders als bei einem Audit müssen dazu aber nicht nur alle vier Jahre, sondern kontinuierlich Energieverbrauch und Umsetzung von Einsparmöglichkeiten nachgehalten und in den Betriebsablauf integriert werden.

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Für die Zeit nach dem Ablauf der Frist erwarten die Anbieter einen Rückgang der Nachfrage nach Audits. Damit die positive Entwicklung nicht gleich wieder verpufft, ist aus Sicht der DENEFF ein Nachsteuern der Politik notwendig. 2016 steht die Revision der dem Gesetz zugrundeliegenden EU-Energieeffizienzrichtlinie an. Hier besteht die Chance, bei den Qualitätskriterien nachzubessern und Anreize für die Einführung von Energiemanagementsystemen zu setzen.

Hintergrund

Durch Änderung des Energiedienstleistungsgesetz (EDL-G) im April 2015 sind alle Unternehmen, die nicht kleines oder mittleres Unternehmen nach EU-Definition sind, verpflichtet alle vier Jahre ein Energieaudit gemäß der DIN-Norm 16247-1 durchzuführen. Das Gesetz lässt alternativ haben die Möglichkeit, bis Ende 2016 ein Energiemanagementsystem einzuführen – und schafft damit zeitlichen Spielraum.

Bei den Daten handelt es sich um vorab veröffentlichte Ergebnisse der Umfrage zum Branchenmonitor Energieeffizienz 2016 der DENEFF, an der sich insgesamt 190 Unternehmen beteiligt haben. Die vollständige Publikation erscheint jährlich im Frühjahr und gibt Auskunft über die Entwicklungen und Trends auf dem deutschen Markt für Energieeffizienzprodukte und -dienstleistungen. Die Befragung richtete sich an Unternehmen, die im weitesten Sinne Anbieter von Effizienzprodukten und Dienstleistungen sind und daher einen höheren Anspruch an sich selbst stellen.

Ausführliche Hintergrundinformationen zur Befragung

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