Meilensteine der Elektronik „Unsere Geräte liefern schnell und präzise detaillierte Informationen“

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Mit präziser Messtechnik lassen sich bereits während der Entwicklung Fehler frühzeitig erkennen und eliminieren. Doch nicht nur die Geräte werden komplexer, auch die Anforderungen an die Hardware steigen. Wir sprachen mit Albert Hanselmann von Teledyne LeCroy.

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Alles muss schnell gehen: „Unsere Kunden stehen unter enormen Zeitdruck, damit sie ihre Entwicklungen termingerecht realisieren können. Dabei ist eine kompetente Unterstützung von Seiten des Herstellers oftmals gewünscht“, beschreit Albert Hanselmann von Teledyne LeCroy einen Kundenwunsch.
Alles muss schnell gehen: „Unsere Kunden stehen unter enormen Zeitdruck, damit sie ihre Entwicklungen termingerecht realisieren können. Dabei ist eine kompetente Unterstützung von Seiten des Herstellers oftmals gewünscht“, beschreit Albert Hanselmann von Teledyne LeCroy einen Kundenwunsch.
(Bild: Teledyne LeCroy)

Als im Jahr 1964 Walter LeCroy nach seinem Studium der Physik in einem ehemaligen Waschsalon sein Unternehmen gegründet hatte, beschäftigte er sich ausgiebig mit der Hochenergiephysik. So entwickelte er unter anderem Methoden, um subatomare Teilchen zu analysieren, die sich beinahe mit Lichtgeschwindigkeit bewegen.

Das ist jetzt über 50 Jahre her und Teledyne LeCroy gehört mittlerweile zu einen der führenden Messgerätehersteller. Als das Flaggschiff von Teledyne LeCroy gehört der LabMaster 10-100 Zi. Das Oszilloskop bietet seinen Anwendern eine Echtzeit-Bandbreite von 100 GHz mit einer Abtastrate von 240 GS/s. Mit der Verlagerung der Europazentrale aus dem Schweizer Genf nach Heidelberg unterstreicht der Messtechnik-Spezialist die Wichtigkeit des deutschen Standortes. Denn größtmögliche Kundennähe spielt eine entscheidende Rolle, um mit den Kunden zusammenzuarbeiten; gleichzeitig war der Umzug auch ein direktes Zeichen an die Mitbewerber.

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Wie sieht Teledyne LeCroy den Markt und sein Umfeld, was wünschen sich die Kunden und auf welche technischen Trends muss sich das Unternehmen jetzt und in Zukunft einstellen? Diese Fragen haben wir Albert Hanselmann gestellt, der bei Teledyne LeCroy Regional-Manager für Deutschland, Schweiz und Österreich ist.

Herr Hanselmann, wo sehen Sie Ihr Unternehmen mittel-/langfristig in Ihrer Branche positioniert?

Seit vielen Jahren sind wir im Oszilloskop-Markt und bei Protokoll-Analysatoren als innovativer, erfolgreicher – und auch zuverlässiger Partner bei unseren Kunden sehr geschätzt. Wir sind stets unter den führenden drei Anbietern zu finden. In einigen wichtigen Bereichen und Ländern sind wir führend. Die Anwender wissen, dass wenn neue Standards und Technologien eingeführt werden, Teledyne LeCroy häufig als erster Hersteller eine Messlösung anzubieten hat, um notwendige Entwicklungen effizient voranzutreiben.

Wir haben im Jahr 2016 in unsere Applikationsabteilung und in die neue Servicezentrale in Heidelberg viel investiert, um unseren Kunden einen noch besseren „After-Sales-Service“ zu bieten. Konkret bedeutet das: Hier werden von unseren Servicetechnikern alle Messgeräte repariert, kalibriert und aufgerüstet. Vom neuen Servicestandort sind die Geräte in kurzer Zeit wieder zurück bei unseren Kunden. Bisher waren in Heidelberg der Vertrieb und Support für den deutschsprachigen Raum angesiedelt. Jetzt kommen das europäische Service-Center sowie die gesamte Verwaltung nach Heidelberg. Die Fläche hat sich beinahe verdreifacht.

Unsere Strategie ist intern und extern auf Kontinuität und Langfristigkeit ausgelegt. Alle diese Dinge werden uns auch weiter auf Wachstumskurs halten, weil sie einen echten Kundennutzen darstellen und das ist für uns extrem wichtig.

Welche neuen Märkte und Anwendungsfelder wird Ihr Unternehmen künftig mit Produkten und Services adressieren?

Bei den Protokoll-Analyzern werden wir unsere führende Position im Markt durch interne Neuentwicklungen und Zukäufe von verschiedenen Firmen weiter ausbauen. Wir bieten heute unseren Kunden umfassende Lösungen für die verschiedenen Geschwindigkeiten/Generationen von PCIe, USB, Bluetooth, WIFI 802.11, NFC, SAS, SATA, HDMI, Ultra-High-Definition-Video und Display-Port, DDR, Ethernet, Fibre Channel und NVM-Express.

Auf der Seite der Oszilloskope stehen besonders im Focus die Bereiche Automotive, elektrische Antriebe, Leistungselektronik, Automatisation, optische Nachrichtentechnik und Embedded Computing.

In all den genannten Anwendungen hat Teledyne LeCroy in den letzten Jahren stark in die Entwicklung von neuen Oszilloskop-Techniken und -lösungen investiert und das zahlt sich jetzt aus. Ein gutes Beispiel hierfür sind unsere High-Definiton-Oszilloskop- (HDO-)Modellreihen, die immer noch als einzige Oszilloskope im Markt mit schnellen 12-Bit-A/D-Wandlern ausgerüstet sind und gerade aus diesem Grund so erfolgreich bei den Anwendern sind.

Die hochgenauen Geräte werden als 4- oder 8-Kanal-Varianten angeboten inklusive einem speziellen Motor-Drive-Analysator/Power-Analyzer. In der optischen Nachrichtentechnik haben wir letztes Jahr einen sogenannten „Optical Modulation Analyzer“ vorgestellt, welcher eine optische Bandbreite von 70 GHz bietet. Für Anwendungen beim Embedded Computing ist die Serie SDA8Zi-B mit Bandbreiten von 6 bis 30 GHz oder die Modellreihe des LabMaster10Zi-A mit 20 bis 100 GHz und sich ständig weiter entwickelten Testtools für alle relevanten Technologien und Schnittstellen sehr gut geeignet. Von einem überdurchschnittlichen Wachstum gehen wir auch in diesem Jahr bei unseren Einstiegs-Oszilloskopen der Serie WaveSurfer 3000 aus, welche viele Tools von Teledyne LeCroy aus größeren Geräten schon ab einen Preis von 3000 Euro anbieten.

Wie verändern sich derzeit die Kundenwünsche und wie könnten sich diese mittel-/langfristig entwickeln?

Alles muss sehr schnell gehen. Unsere Kunden stehen unter einem enormen Zeitdruck, um Entwicklungen termingerecht zu realisieren. Die Anzahl an Partnern, mit denen wir sehr eng zusammenarbeiten, soll möglichst klein sein. Bei Bedarf muss sehr schnell eine kompetente technische Unterstützung zur Verfügung stehen. Es besteht ein recht großes Bedürfnis nach einer zielgerichteten, effizienten und technischen Weiterbildung, um den ständig neuen Anforderungen am Markt gerecht zu werden.

Gestiegen ist auch die Nachfrage nach anspruchsvollen Messungen, die nur selten durchgeführt werden, an einen externen Partner auszulagern. Die Messgeräte, die benutzt werden, sollen schnell detaillierte Resultate liefern für ganz spezifische Anwendungen. Zudem sollen sich die Messgräte einfach bedienen lassen sein und auch möglichst universell einsetzbar sein, damit die Auslastung möglichst hoch ist. Das Stichwort ist hier optimaler Einsatz der beschränkten Investitionsmittel. Diese und viele weitere Bedürfnisse fließen frühzeitig in unsere Planung ein, um auch in Zukunft der optimale Partner für unsere Kunden zu sein

Mit neuen Kundenanforderungen wird sich auch das benötigte Know-how verändern. Wie stellen Sie sich mit Ihren Unternehmen hier personell für die Zukunft auf?

Wichtige Themen für uns sind in diesem Zusammenhang die gut ausgebildeten und hochmotivierten Mitarbeiter, die über ein großes Know-how verfügen, im Unternehmen zu halten. Eine Zahl, die das sehr gut belegt: Bei Teledyne LeCroy sind die Angestellten durchschnittlich weit über 15 Jahre im Unternehmen tätig. Viele auch schon über 20 Jahre.

Wir haben das Applikationsteam in den letzten 12 Monaten verdoppelt und unseren spezialisierten technischen Direktvertrieb weiter ausgebaut. Durch Firmenzukäufe, wie beispielsweise Frontline, Quantum Data oder Austin Labs, haben wir weiteres Know-how und qualifiziertes Personal hinzugewonnen.

Welche allgemeinen technischen Trends sehen Sie in der Industrie und können Sie hierzu bitte Beispiele nennen?

Unsere Kunden sind in sehr viele unterschiedliche Anwendungen involviert und jede Anwendung hat ihren eigenen Trend. Wenn ich mich auf einige konzentrieren will, dann würde ich folgende hervorheben. Immer höhere Energieeffizienz oder anders ausgedrückt, weniger Energieverlust und damit auch weniger Abwärme, längere Laufzeiten bei Batterie-betriebenen Geräten, digitales Power-Management, Embedded Computing und nicht zu vergessen das autonome Fahren.

Aber auch Themen wie Cloud Computing mit Storage Networks spielt eine wichtige Rolle. Hinzu kommen immer mehr und vor allem verschiedene Busse, welche interagieren. Das Internet der Dinge und speziell Industrie 4.0. Hier müssen Daten drahtlos auf kurzen Distanzen übertragen werden. Deshalb wird die Zahl der Sensoren, die überall verbaut sind, weiter sehr stark zunehmen. Es muss Hochgeschwindigkeits-Datenübertragung über möglichst günstige Leiter garantiert werden und auch die Interoperabilität unterschiedlicher Hardware muss gegeben sein.

Welche besonderen technologischen Herausforderungen sehen Sie bei den Oszilloskopen?

Ich sehe derzeit keine Herausforderung, die wir mit unseren Geräten und Entwicklungen und unserer mehr als 30-jährigen Erfahrung bei den Oszilloskopen nicht meistern können. Die größte Herausforderung, die wir täglich annehmen, ist das frühzeitige Erkennen von neuen Kundenbedürfnissen, um Lösungen zur richtigen Zeit unseren Kunden anbieten zu können. Dass wir hierzu in der Lage sind, haben wir in der Vergangenheit kontinuierlich unter Beweis gestellt und werden das auch in Zukunft tun.

Wie sehen Sie die Verlagerung von Hardware zu Software und was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Der physikalische Layer, also die Hardware, muss zuerst einmal sicher funktionieren, um anschließend die Applikationen auf dieser laufen zu lassen. Das Ausmessen und Debuggen mit Oszilloskopen wird also auch in Zukunft eine wichtige Aufgabe unserer Messtechnik sein. Dazu gehört es allerdings, dass unsere Hardware sehr gute Arbeit leistet. Der Markt der Oszilloskope ist aber nicht mehr der Bereich mit den größten Wachstumsraten in der Messtechnik. Ganz anders sieht es da im Protokollanalyse-Markt aus. Dieser Geschäftsbereich, in dem wir Marktführer sind, wächst bei uns zweistellig. Aus diesem Grund profitieren wir sehr stark von der Verlagerung von Hardware- zu Softwarelösungen.

Safety und Security gelten als technologische Treiber in einer zunehmend vernetzten Welt. Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Durch die sehr hohen Anforderungen bei Safety und Security sind unsere Kunden gezwungen, mehr und noch genauer zu messen. Ich nehme hier das extreme Beispiel des autonomen Fahrens. Es reicht nicht aus, sich einfach auf die Simulation zu verlassen. Die Hardware und die Software müssen bis ins kleinste Detail vermessen werden, um jegliche Probleme auszuschließen. Es gehört nicht einfach dazu, nur in der Entwicklungsphase ausgiebig zu messen. Vielmehr müssen die Entwickler über die ganze Produktionsdauer immer wieder Stichproben messen und ihre Daten überprüfen.

Oder nehmen wir ein weniger augenfälliges Beispiel aus der komplexen Welt der Bildverarbeitung. Wenn eine Kamera in der Produktion eingesetzt wird, um die Produktqualität zu garantieren, dann muss diese sehr einfach und zuverlässig funktionieren. Ansonsten können gegebenenfalls enorme Schadenersatzansprüche auf eine Firma zukommen. Messen ist und bleibt also wichtig und die Anforderungen werden eher noch weiter steigen.

Wie bedeutend ist das Internet der Dinge für Ihr Unternehmen und wie unterstützen Sie technologisch diese Entwicklung?

Schon heute ist in den meisten Geräten viel Elektronik integriert, das wird jetzt durch das sogenannte Internet der Dinge noch weiter beschleunigt. Wir bieten mit unseren Oszilloskopen und Protokollanalysatoren die notwendigen Werkzeuge, damit unsere Kunden und damit die Entwickler möglichst schnell und vor allem fehlerfrei funktionierende Produkte entwickeln und testen können.

Das Internet der Dinge erhöht natürlich auch zusätzlich die Menge an Daten, die übertragen werden müssen. Auch hier wird von Firmen wie Nokia und Oclaro viel und umfangreich entwickelt. Mit unseren Optical-Modulation-Analysatoren mit ihren Bandbreiten bis 70 GHz und Oszilloskopen mit Echtzeitbandbreiten bis 100 GHz sind wir auch hier bestens für die messtechnischen Herausforderungen der Zukunft gerüstet. Unsere 100-GHz-Geräte hatten wir erstmals im Juli 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt. Bereits im folgenden Jahr stellten wir das Gerät auf wichtigen Leitmessen aus. Die genannten Trends werden uns auch in Zukunft mit Arbeit versorgen. Damit bleibt es für uns und unsere Kunden spannend.

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