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Umschifft Huawei das US-Embargo durch Kooperation mit STMicro?

| Redakteur: Michael Eckstein

Durch eine Kooperation mit STMicro zum Entwickeln von Systems-on-Chip versucht der chinesische Tech-Gigant Huawei offenbar, sich dem US-Handelsembargo zu entziehen. Das berichtet die Nikkei Asian Review.

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Umweg: Über die Chip-Entwicklung mit einem Partner könnte Huawei ein verschärftes US-Handelsembargo möglicherweise umgehen.
Umweg: Über die Chip-Entwicklung mit einem Partner könnte Huawei ein verschärftes US-Handelsembargo möglicherweise umgehen.
(Bild: Clipdealer)

Der chinesische Elektronikgigant Huawei arbeitet über seine Chip-Tochter Hisilicon mit dem französisch-italienischen Chiphersteller STMicroelectronics (STMicro) zusammen, um komplexe System-on-Chips (SoC) für den Automotive- und Mobile-Markt zu entwickeln. Das berichtet das Online-Magazin Nikkei Asian Review unter Bezugnahme auf zwei anonyme, mit der Angelegenheit vertraute Quellen. Ziel der Kooperation sei es unter anderem, Huawei vor einer möglichen Verschärfung der Exportbeschränkungen durch die US-Regierung zu schützen. Laut den genannten Quellen entwickeln STMicro und Huawei bereits seit Ende 2019 gemeinsam Chips, bislang sei die Kooperation aber nicht öffentlich gemacht worden.

Erst Ende März haben die USA angekündigt, die bereits seit Mai vergangenen Jahres für Huawei bestehenden Handelseinschränkungen weiter zu verschärfen. Demnach soll es Unternehmen, die zur Herstellung von Halbleitern Geräte aus den USA verwenden, verboten werden, ihre Produkte an Huawei zu liefern. Betroffen wäre unter anderem der weltgrößte Halbleiterhersteller TSMC, der rund 10% seines Umsatzes mit der Huawei-Tochter Hisilicon macht.

Wenn Huawei komplexe, leistungsfähige SoCs gemeinsam mit STMicro entwickelt und diese zum Beispiel bei TSMC fertigen lässt, könne dies Huawei vor dem drohenden Eingriff der USA schützen, zitiert Asian Nikkei Review eine der Quellen. Auch würde der Konzern weiterhin Zugriff auf neuste Software-Tools erhalten, die für die Entwicklung solcher Chips unerlässlich ist. Hauptlieferanten solcher Tools sind die US-Unternehmen Synopsys und Cadence Design Systems. Im Sommer letzten Jahres hatte Huawei-Chairman Eric Xu beklagt, aufgrund der Handelsbeschränkungen die neusten Produkte dieser Unternehmen nicht lizensieren zu können.

Huawei strebt führende Position bei Connected Cars an

Bislang ist STMicro primär ein wichtiger Lieferant von Sensoren für Huawei. Zudem hat sich das europäische Unternehmen auf Mikrocontroller für Autos spezialisiert und beliefert beispielsweise Tesla und auch BMW. Mit seinem Knowhow ist es daher auch abseits des US-Embargos ein wichtiger Partner für Huawei: Seine Produkte sind essenzielle Komponenten für Autonomous-Driving-Plattformen – und damit für die Ambitionen der Chinesen, auf dem Gebiet selbstfahrender „Connected Cars“ eine weltweit führende Position zu erobern.

Aus dem Geschäft mit Smartphone-Chips hatte sich STMicro hingegen 2013 zurückgezogen, nachdem das Joint-Venture ST-Ericsson für Prozessoren und Modems seit seiner Gründung 2009 rund 2,7 Mrd. US-Dollar Verluste gemacht hatte und schließlich aufgelöst wurde.

Bis jetzt sind noch nicht alle Details möglicher weitergehender Beschränkungen bekannt, doch trauen viele Beobachter der Trump-geführten US-Administration zu, diese schnell in Kraft zu setzen. Bereits am Montag hat das US-Handelsministerium neue Exportkontrollmaßnahmen angekündigt, „um Bemühungen von Einrichtungen in China, Russland und Venezuela zu verhindern, US-Technologie zu erwerben, die bei der Entwicklung von Waffen, Militärflugzeugen oder Überwachungstechnologie über zivile Lieferketten oder unter dem Vorwand der zivilen Nutzung für militärische Endzwecke und militärische Endnutzer eingesetzt werden könnte.“ Ob diese Maßnahmen Auswirkungen auf die Handelsaktivitäten mit Huawei haben werden, ist noch nicht klar.

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