Umfassendes Expertenwissen für ein langes Schaltungsleben

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Aktuelle Entwicklungsthemen und Erfolge des ZFW

Aktuell entwickeln wir zusammen mit einem großen Unternehmen eine Mess- und Prüfeinrichtung für thermische Interface-Materialien. Das Ziel ist die thermische und mechanische Belastung dieser Materialien mit nur einer Prüfung beschleunigt und applikationsnah abzubilden. Dabei werden die thermischen, elektrischen und mechanischen Parameter kontinuierlich überwacht.

Mit den Daten soll mehr über die Ausfallmechanismen der Materialien in ihrem praktischen Einsatz in Erfahrung gebracht werden. Diese gesammelten Informationen bilden dann die Basis für verbesserte Lebensdauermodelle.

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Ein weiteres, spannendes Thema sind derzeit die elektrischen Kontakte. Ein elektrischer Kontakt kann durch Umwelteinflüsse bei falscher Auslegung schnell zu einer Wärmequelle werden und überhitzen.

Es geht darum, die elektrischen Kontakte hinsichtlich ihrer thermischen Eigenschaften kennenzulernen und entsprechend zu optimieren, und das über ihre gesamte Lebensdauer. Treiber ist hauptsächlich die Automobilindustrie, die für ihre Batterietechnik hohe Ladeströme verlangt.

Unser Erfolg ist immer der Erfolg unseres Kunden. Da gäbe es sicher einiges zu berichten. Ein Highlight war die Entwicklung unseres TIM-Testers, für den wir im Jahr 2013 zusammen mit dem Stuttgarter Mahle-Konzern (Spezialist für Elektromobilität) den Löhn-Preis der Steinbeis-Stiftung bekommen haben.

Ein anderes Erfolgsbeispiel ist unser Projekt „Cyber-Lab“, mit dem das ZWF den Studierenden der Dualen Hochschule Baden-Württemberg die Grundlagen des Wärmemanagements vermittelt. Dafür gab es 2015 den Landeslehrpreis Baden-Württemberg (DHBW).

Zusammenarbeit des ZFW mit der Dualen Hochschule

Als Gründer und Leiter des ZFW bin ich gleichzeitig Professor an der DHBW Stuttgart und leite dort den Forschungsschwerpunkt Wärmemanagement.

Mitarbeiter der DHBW arbeiten teilweise auch am ZFW und anders herum. Damit ist das ZFW eng mit der Hochschule verzahnt. Das ZFW kann auf die hervorragende Laborausstattung der DHBW zurückgreifen. Davon profitieren alle Beteiligten.

Eine gute Vorlesung lebt vom Praxisbezug, von aktuellen Beispielen und manchmal sogar von kleinen Anekdoten. Der Professor, der reines Buchwissen verbreitet, wird bei seinen Studierenden auf wenig Gegenliebe stoßen.

Die Mitarbeiter des ZFW können da Gott sei Dank auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Durch die enge Verzahnung von ZFW und Hochschule profitieren also auch die Studierenden.

Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass so manche pfiffige Lösung, die am ZFW ausgetüftelt wurde, nicht mit in die Vorlesung genommen werden darf. Das verbietet manchmal die Geheimhaltungspflicht, der wir unterliegen.

Wie Studierende für die Praxis ausgebildet sein müssen

Die praxisgerechte Fachausbildung ist eine ganz zentrale Frage. Welche Ausbildung brauchen junge Menschen, die heute mit dem Smartphone praktisch uneingeschränkten Zugriff auf die vielfältigsten Informationen haben? Welches Wissen und Können brauchen die Studierenden, die unsere zukünftigen Technologien entwickeln, die für uns vielleicht heute noch gar nicht vorstellbar sind?

Die Antwort kann nur heißen: Wir müssen Grundlagen und Methodik lehren, weniger das Wissen. Wir müssen das Denken lehren, nicht das schon Gedachte. Zu einem Ingenieurstudium gehören im Bachelor die Mechanik, die Werkstoffkunde, die Elektrotechnik, die Informatik, die Thermodynamik und ganz viel Mathematik. Und das unabhängig von der Fachrichtung.

Die Spezialisierung kann dann im Masterstudium erfolgen. Übrigens: Nicht jeder Ingenieur muss im Berufsalltag Differentialgleichungen lösen. Aber die Mathematik ist im Studium hervorragend dazu geeignet, das analytische Denken zu trainieren. Mit den Grundlagen des Studiums muss sich der Studierende später im Beruf flexibel in neue Themen einarbeiten können. Themen, von denen wir heute vielleicht noch nicht einmal träumen.

Die Besonderheit der Duale Hochschule Baden-Württemberg ist die enge Verbindung von Theorie und Praxis im Studium. Etwa die Hälfte des Studiums verbringen die Studierenden an der Hochschule, die andere Hälfte im Unternehmen. Die Studierenden haben vom ersten Tag ihres Studiums an einen Ausbildungsvertrag mit ihrem Unternehmen, und damit alle Rechte und Pflichten eines Angestellten – einschließlich eines meist ganz ordentlichen Gehalts. Mittlerweile sind über 9000 Firmen oder soziale Einrichtungen Teil dieses Erfolgsmodells.

* Prof. Andreas Griesinger lehrt an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und ist Gründer des Zentrums für Wärmemanagement, Stuttgart.

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