Open-Source-Prozessor-Architektur Übernimmt Intel RISC-V-Spezialist SiFive?

Redakteur: Michael Eckstein

Noch ist nichts offiziell: Laut Nachrichtendienst Bloomberg steht Intel vor der Übernahme des auf RISC-V spezialisierten Chip-Entwicklers SiFive für rund zwei Milliarden US-Dollar. Doch es gibt wohl auch andere Interessenten.

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Wichtiges Wissen: Prozessorgigant steht laut Nachrichtendienst Bloomberg davor, SiFive zu übernehmen – und sich so wichtiges Knowhow über die alternative Prozessor-Architektur RISC-V zu sichern.
Wichtiges Wissen: Prozessorgigant steht laut Nachrichtendienst Bloomberg davor, SiFive zu übernehmen – und sich so wichtiges Knowhow über die alternative Prozessor-Architektur RISC-V zu sichern.
(Bild: Intel Corporation)

Für rund 2 Mrd. US-Dollar will Intel das auf RISC-V-Prozessoren spezialisierte Unternehmen SiFive übernehmen, berichtet der Branchendienst Bloomberg. Es wäre ein deutliches Zeichen, dass sich die offene ISA endgültig von einer universitären Bastellösung zu einer ernsthaften alternativen Prozessorarchitektur gemausert hat. Eine Stellungnahme von Intel oder SiFive liegt derzeit noch nicht vor.

Die Entwicklung erinnert an die Anfänge von Linux: Das von Linus Torvalds als Open-Source-Projekt gestartete, lange belächelte alternative Unix-Betriebssystem ist aus der heutigen Unternehmens- und Embedded-Elektronik-Welt nicht mehr wegzudenken.

Ein weiteres Puzzleteil in Intels IDM-2.0-Strategie?

Nach Angaben des meist gut informierten Branchendienstes hat das in San Mateo, Kalifornien, ansässige SiFive bereits eine Offerte in der genannten Höhe von Intel erhalten. Durch den Kauf von SiFive würde Intel ein ganzes Bündel von RISC-V-zentriertem Hard- und Software-Knowhow (Intellectual Property, IP) erwerben.

Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund interessant, dass Intel unlängst seine IDM-2.0-Strategie angekündigt hat: Man will weltweit mehr IC-Produktionskapazitäten aufbauen und verstärkt als Auftragsfertiger für andere Chip-Entwickler tätig sein. Hier ist zu erwarten, dass der Anteil RISC-V-basierter Chips in Zukunft schnell zunehmen wird.

Für SiFive sind mehrere Optionen im Spiel

Neben Intel sollen auch weitere Unternehmen an einer Übernahme interessiert sein. Auch ein Angebot für eine weitere Investition in SiFive läge auf dem Tisch. SiFive sei in Gesprächen mit potenziellen Beratern, erklärten laut Bloomberg Insider, die nicht genannt werden wollen. Ob SiFive übernommen wird oder unabhängig bleibt, ließe sich derzeit noch nicht sagen.

Nach Angaben des Datenanbieters PitchBook wird SiFive mit rund 500 Mio. US-Dollar bewertet. Bei der letzten Finanzierungsrunde im Jahr 2020 konnte SiFive ca. 61 Mio. US-Dollar einwerben, unter anderem von SK Hynix, Spark Capital und Prosperity7 Ventures (Aramco), Qualcomm und Western Digital.

RISC-V: Open-Source-Rivale von ARM

SiFive ist ein Entwickler und Lizenzgeber von Prozessor- und Chipdesigns, die auf der frei verfügbaren Befehlssatz-Architektur RISC-V basieren. Diese ursprünglich an der UC Berkeley entwickelte ISA ist angetreten, Halbleiterdesigns mit Open-Source-Methoden günstiger, flexibler und unabhängiger zu machen. In einigen Bereichen konkurriert sie bereits mit den Prozessoren von Marktführer ARM, auch wenn für diese ein (noch) wesentlich breiteres Ökosystem verfügbar ist.

Das Interesse an SiFive ist gestiegen, seit Nvidia im September letzten Jahres ARM vom bisherigen Eigner, der japanischen Softbank Group, für rund 40 Mrd. US-Dollar übernommen hat. Nvidia hat zwar betont, dass ARM auch weiterhin unabhängig agieren wird, doch ist zumindest denkbar, dass man die Entwicklung neuer Funktionen primär auf den eigenen Bedarf ausrichtet.

Wegen US-Sanktionen: RISC-V wird in China immer populärer

Derzeit leitet ein Kenner und Veteran der Chipindustrie die Geschicke des Unternehmens: Patrick Little steht seit 2020 SiFive als Chief Executive Officer vor. Zuvor leitete er als als Senior Vice President das Automobilgeschäft von Mobilfunk-Chipentwickler Qualcomm.

Von der zunehmenden Popularität und Verbreitung von RISC-V zeugt auch das Bekenntnis der Chip-Tochter des chinesischen Hightech-Konzerns Huawei: Hisilicon wird in Zukunft komplett auf RISC-V setzen. Zu diesem Schritt haben Hisilicon letztlich die anhaltenden US-Sanktionen bewegt. Durch den Einsatz von RISC-V können sich chinesische Chip-Entwickler zumindest teilweise von den Fesseln des Handelsembargos befreien.

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