Überlegungen beim Systemdesign von Multitouch-Anwendungen

| Redakteur: Hendrik Härter

Ian Crosby ist Vertriebs- und Marketingleiter bei Zytronic: „Es ist wichtig zu verstehen, was ein Touchdisplay in der geplanten Anwendung leisten soll.“
Ian Crosby ist Vertriebs- und Marketingleiter bei Zytronic: „Es ist wichtig zu verstehen, was ein Touchdisplay in der geplanten Anwendung leisten soll.“ (Bild: Zytronic)

Touchdisplays erleichtern die tägliche Arbeit. Doch wer die Toucheingabe entwirft und baut, sollte sich immer über den Anwendungszweck im Klaren sein.

Multitouchfähige Displays sind beliebt, und ihre Funktionalität nimmt stetig zu. Für Anwender reicht ein einfacher Tastendruck schon lange nicht mehr. Er möchte mit zwei Fingern die Anzeige vergrößern oder verkleinern. Auch komplexere Gesten sollen zuverlässig erkannt werden. Gleichzeitig geht der Trend hin zu größeren Touchdisplays. Dies hat zu einem Wettrüsten vieler Hersteller von Touchsensoren geführt. Sie versuchen, dem Anwender so viele Berührungspunkte wie möglich zu bieten. Sich ausschließlich auf die technischen Daten zu fokussieren, birgt jedoch die Gefahr, die individuellen Anforderungen der jeweiligen Anwendung aus den Augen zu verlieren.

Einige Touchsensoren bieten eine unbegrenzte Anzahl an Berührungspunkten. Doch nur wenige Anwendungen erfordern eine derart hohe Berührungsempfindlichkeit. Wichtiger ist es zu verstehen, was ein Touchdisplay in der beabsichtigten Anwendung leisten soll. Eine Spezifizierung der benötigten Hardware und Software gewährleistet, dass die Installation so funktioniert wie geplant und vermeidet damit unnötige Kosten.

Eine große Anzahl an Berührungspunkten zu erfassen ermöglicht dem Softwareentwickler, komplexere Applikationen zu programmieren, mit denen sich vielfältige Gesten erkennen lassen. Außerdem kann das System dazu programmiert werden, versehentliche Berührungen zu ignorieren und beispielsweise zu erkennen, wenn sich ein Benutzer abstützt oder ein Gegenstand auf dem Bildschirm abgestellt wird. Viele Touchdisplays messen in der Diagonale 20 Zoll oder weniger. Zehn Berührungspunkte (zwei Hände) sollten bei den meisten Anwendungen auf Displays dieser Größe ausreichen.

Mit zunehmender Größe muss dem Anwendungszweck jedoch größere Aufmerksamkeit geschenkt und die Anzahl der Berührungspunkte entsprechend angepasst werden. Auch im Großformat ist die Anwendung bei vielen wandmontierten Touchscreens vor allem im Hochformat gewöhnlich auf die Interaktion mit nur einem Anwender ausgelegt. Deshalb sind auch hier zehn Berührungspunkte ausreichend. Im Querformat betriebene Großbildschirme dienen der Interaktion mit mehreren Nutzern und unterstützen daher mindestens 20 Berührungspunkte.

Die geforderte Berührungsempfindlichkeit steigt, wenn ein großer Touchscreen horizontal als Tisch installiert wird. Das ist zunehmend in Unternehmen, im Einzelhandel und Freizeiteinrichtungen gefragt. Hier sollen mehrere Anwender das Gerät gleichzeitig nutzen und dabei zusammenarbeiten können. So wird ein 85 Zoll großer Touchtisch wahrscheinlich von vier oder mehr Menschen gleichzeitig benutzt. Zusätzlich muss das Gerät in der Lage sein, unbeabsichtigte Berührungen zu ignorieren und 40 Berührungspunkte oder mehr zuverlässig zu erkennen.

Doch mehr als 40 bis 60 Berührungspunkte übersteigen die praktisch nutzbare Touchscreen-Leistung der meisten Anwendungen. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Touchsensoren und die zugehörige elektronische Steuerung gleichzeitig Bestandteile größerer, komplexerer Systeme sind und sich in die Computerhardware, das gewählte Betriebssystem und die Anwendungsprogramme einfügen müssen.

Sind die einzelnen Elemente des Systems nicht darauf ausgelegt, optimal zusammenzuarbeiten, wird das Resultat enttäuschen. Es ist sinnlos, einen hochmodernen Touchscreen zu installieren, der 100 Berührungspunkte erfassen und seine XY-Koordinaten in weniger als 5 Millisekunden weiterleiten kann, wenn dieser dann mit einem Billig-PC und veraltetem Grafikprozessor, Betriebssystem und schlecht programmierten Applikationen vom Anwender betrieben wird. Zwar gibt es verschiedene Gründe, die Touch-Technik mit einem oder zwei Touchsensoren zu spezifizieren. Doch sollten sich Entwickler imm Fragen, für welchen Anwendungszweck das Touchdisplay geplant ist, um Hard- und Software des gesamten Systems auf diese abzustimmen.

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44945741 / HMI)