Nach Skandalen Uber-Chef Travis Kalanick dankt ab

Redakteur: Sebastian Gerstl

Travis Kalanick, der Mitbegründer und CEO des Fahrdienstes Uber, ist zurückgetreten. Nach einem Bericht der New York Times haben fünf größere Investoren massiv auf die Demission des umstrittenen Managers gedrängt.

Firma zum Thema

Travis Kalanick, der umstrittene Uber-Mitbegründer und CEO, ist von seinem Posten zurückgetreten. Sein selbstgewählter temporärer Rückzug reichte den Investoren nicht.
Travis Kalanick, der umstrittene Uber-Mitbegründer und CEO, ist von seinem Posten zurückgetreten. Sein selbstgewählter temporärer Rückzug reichte den Investoren nicht.
(Bild: Travis Kalanick, co-founder and CEO of Uber, in 2013 / Dan Taylor/Heisenberg Media - heisenbergmedia.com / BY 2.0)

Die Investorengruppe, darunter wohl auch die Venture-Capital-Firma Benchmark, forderte in einem Brief die sofortige Abdankung Kalanicks. Der Brief sei dem Uber-Chef zugestellt worden, während er sich in Chicago aufhielt, berichtet die New York Times unter Berufung auf informierte Kreise.

Daraufhin hatte sich Kalanick längere Zeit mit einem Aufsichtsratsmitglied von Uber beraten und sich dann zum Rücktritt entschlossen. Er bleibt jedoch im Aufsichtsrat des Fahrdienstunternehmens.

„Ich liebe Uber mehr als alles andere in der Welt. Und in diesem schwierigen Moment meines Lebens habe ich die Bitte der Investoren akzeptiert, zur Seite zu treten, damit Uber wieder zur Tagesordnung zurückkehren kann, anstatt von einem weiteren Streit abgelenkt zu werden“, teilte Kalanick in einem persönlichen Statement mit.

Der Fahrdienst Uber hat die Personenbeförderung in vielen Städten der Welt revolutioniert, sehr zum Ärger konventioneller Taxiunternehmen. Der Dienst UberX erlaubt es auch Privatpersonen, Fahrten in ihrem eigenen Auto anzubieten. Uber fungiert hier also gewissermaßen als Internet- und App-basierte Mitfahrzentrale.

Darüber hinaus entstanden weitere Dienste wie UberPool, der Fahrgemeinschaften vermittelt. Seit 2015 hat die Firma außerdem stark in das autonome Fahren investiert. Seit Herbst vergangenen Jahres wurden dann in Pittsburgh/Pennsylvania auch Fahrdienste in selbstfahrenden Autos angeboten.

Die Innovationen des in San Francisco beheimateten Unternehmens wurden aber gerade in den letzten Wochen und Monaten durch Berichte über eine rücksichtslose und aus den Fugen geratene Unternehmenskultur überschattet. Sexuelle Belästigung und Diskriminierung gehörten nach Insiderberichten zum Firmenalltag und wurden wohl vom Management bis hinauf zur Unternehmensspitze gedeckt.

Auch von außerhalb kam Uber unter Beschuss. Die Google-Tochter Waymo, die ebenfalls das autonome Fahren erforscht, beschuldigte das Unternehmen des Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen. Nicht zuletzt griff Uber vermutlich zu unlauteren Mitteln, um seine Dienste auch in Städten anzubieten, wo sie von den örtlichen Behörden verboten worden waren, so etwa in Portland/Oregon.

Der Uber-Chef hatte in der vergangenen Woche angekündigt, sich zeitweise von seinem Chefposten zurückzuziehen. Er brauche Zeit, um seine Mutter zu trauern, die im Mai bei einem Bootsunfall ums Leben gekommen war, hieß es. Darüber hinaus wolle er an sich selbst arbeiten. Diese temporäre Auszeit kam aber wohl für die Investoren zu spät und war ihnen auch nicht genug.

(ID:44747374)