Sexismus- und Diskriminierungsvorwürfe Uber-CEO Travis Kalanick droht Beurlaubung

Autor / Redakteur: dpa / Sebastian Gerstl

Nach der Untersuchung zu Sexismus-Vorwürfen bei Uber soll ein Maßnahmen-Paket für Wandel sorgen. Details hält der Fahrdienst noch zurück, laut Insider-Informationen könnte steht der Job einer weiteren Top-Managers auf dem Spiel. Uber-Chef Kalanick wurde derweil ein mehrmonatiger Urlaub nahegelegt.

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Wie das Wall Street Journal und die New York Times melden, hat der siebenköpfige Verwaltungsrat von Uber dem CEO des Fahrdienstvermittlers, Travis Kalanick , eine mehrmonatige Beurlaubung nahegelegt. Uber muss sich derzeit mit einem schwerwiegenden Ermittluingsbericht zu Sexismus- und Diskriminierungsvorwürfen im unternehmen auseinandersetzen.
Wie das Wall Street Journal und die New York Times melden, hat der siebenköpfige Verwaltungsrat von Uber dem CEO des Fahrdienstvermittlers, Travis Kalanick , eine mehrmonatige Beurlaubung nahegelegt. Uber muss sich derzeit mit einem schwerwiegenden Ermittluingsbericht zu Sexismus- und Diskriminierungsvorwürfen im unternehmen auseinandersetzen.
(Bild: Will Oliver/EPA/dpa)

Der Verwaltungsrat von Uber hat nach der Untersuchung zu Vorwürfen von Sexismus und Diskriminierung ein Paket von Gegenmaßnahmen beschlossen, will Details aber erst am Dienstag veröffentlichen.

Die Vorschläge der Untersuchungskommission unter Leitung des früheren US-Justizministers Eric Holder seien einstimmig angenommen und verabschiedet worden, erklärte der Fahrdienst-Vermittler nach den Beratungen in der Nacht zum Montag. Ihr Inhalt solle aber zunächst am Dienstag der Belegschaft vorgestellt werden.

Am Sonntag hatte es in Medienberichten geheißen, Uber-Chef Travis Kalanick könne für drei Monate beurlaubt werden. Der Verwaltungsrat habe zwar darüber gesprochen, aber die Entscheidung Kalanick selbst überlassen, berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf informierte Personen. Möglich wäre auch, dass das Verwaltungsgremium ihn auf eine andere Rolle im Unternehmen abschiebt.

Es sei allerdings unklar, ob es dazu kommen werde. Ein mehrmonatiger Urlaub für Kalanick oder ein anderes Betätigungsfeld käme einer Bestrafung gleich. Zudem wäre unklar, wie in dieser Zeit die Führung bei Uber geregelt werden soll.

Das Wall Street Journal und die New York Times schrieben auch, Top-Manager Emil Michael, ein enger Vertrauter Kalanicks, könnte nach dem Untersuchungsbericht den Hut nehmen. Michael stand bereits in der Kritik, seit er 2014 in einem vermeintlich vertraulichen Gespräch darüber fantasiert hatte, wie man das Privatleben einer kritischen Journalistin ausforschen könnte.

Uber und Kalanick gerieten in den vergangenen Wochen immer stärker unter Druck. Das wegen seiner aggressiven Firmenkultur und Wachstumsstrategie berüchtigte Unternehmen musste eine tiefgreifende Untersuchung einleiten, nachdem eine ehemalige Software-Entwicklerin von sexuellen Belästigungen und Diskriminierung berichtete.

Unter anderem schrieb sie, ein Vorgesetzter habe Sex von ihr gewollt - und sei unbestraft geblieben, nachdem sie das gemeldet habe. Die Ermittlungen wurden vom ehemaligen Justizminister Holder geleitet, der heute bei einer Anwaltskanzlei arbeitet. In einem ersten Schritt waren rund 20 Mitarbeiter entlassen worden.

Mitgründer und Chef Kalanick musste sich zudem rechtfertigen, nachdem ein Video veröffentlicht worden war, in dem er hitzig mit einem Uber-Fahrer diskutierte. Kalanick versprach danach, künftig erwachsener zu agieren und in den vergangenen Monaten wurde nach einer starken Nummer zwei für ihn gesucht.

Kalanick durchlebt gerade zudem eine persönliche Tragödie: Seine Mutter starb vor wenigen Wochen bei einem Bootsunfall, sein Vater wurde dabei schwer verletzt. Der Uber-Chef verbringe deswegen derzeit viel Zeit mit seinem Vater, hieß es in Medienberichten.

In den letzten Monaten haben mehrere leitende Persönlichkeiten das als Fahrdienstvermittler gegründete Unternehmen Uber verlassen, zum Teil unfreiwillig. Roboterwagenentwickler Anthony Levandowski wurde im Zuge einer Klage, mit Mitbewerber Waymo gegen Uber führt, gefeuert - der frühere Google-Manager soll bei seinem Weggang vom Konkurrenten Informationen gestohlen und bei Uber eingebracht haben.

Im Januar hatte Finanzchef Gautam Gupta seinen Abschied angekündigt, nachdem das Unternehmen im ersten Quartal 2017 finanzielle Verluste zu verzeichnen hatte. Auch auf anderer Ebene häufen sich die negativen Meldungen. Im Mai wurde beispielsweise die Firma von einem New Yorker Richter dazu verurteilt, mehrere Millionen Dollar an Fahrer nachzuzahlen, da das Unternehmen zwei Jahre lang deren Anteile an den getätigten Fahrten falsch abgerechnet hatte.

In Polen, Deutschland und Dänemark steht die Vermittlungsapp Uber unter Kritik; speziell im Fall Deutschland beschäftigt sich derzeit der europäische Gerichtshof mit der Frage, ob die Fahrdienstvermittlung mit geltendem nationalem Recht bricht.

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