Turck duotec feiert 30-jähriges Jubiläum

| Redakteur: Dr. Anna-Lena Gutberlet

Geschäftsführer Arthur Rönisch
Geschäftsführer Arthur Rönisch (Bild: Turck duotec)

Zum 30-jährigen Jubiläum spricht Geschäftsführer Arthur Rönisch im Interview mit der Elektronik Praxis über die Gegenwart, die Zukunft und die Basis des Erfolgs von Turck duotec.

Seit nunmehr 30 Jahren steht Turck duotec seinen Kunden als Experte für spezifische Elektronik-Entwicklung und Elektronik-Fertigung als verlässlicher Partner zur Seite. Ein Jubiläum, das am 6. und 19. September gleich zwei Mal würdig gefeiert wurde. Neben Geschäftsführung und Führungskräften von Turck duotec, nahmen auch Mitglieder des Beirats und Gesellschafter der Turck-Gruppe, Einkauf und Geschäftsführung der Kunden, Ehrengäste aus der Politik sowie Mitarbeiter aus dem Produktionsbereich an den Feierlichkeiten teil.

Herr Rönisch, Sie sind seit 28 Jahren im Unternehmen tätig. Wie haben Sie die Entwicklung von Turck duotec miterlebt?

Die Turck duotec war zu Beginn meiner Beschäftigung in der Turck Gruppe nicht im Fokus meiner Tätigkeit, ich war anfangs in der Entwicklungsabteilung der Werner Turck GmbH & Co.KG tätig. Mein Fokus war die Messumformer- und Sensorentwicklung. Trotzdem hatte ich recht schnell auch mit der Geschäftstätigkeit der Turck duotec zu tun. Sei es, dass mal eine in den Schalter von Kaffeemaschinen zu integrierende Zeitsteuerung bei mir in der Entwicklungsabteilung für die Turck duotec erdacht wurde oder sei es, dass in den über die 30 Jahre häufig auftretenden Bauteil-Allokationen meine Expertise zu alternativen Bauteilen gefragt war. Immer wieder kam ich mit der Turck duotec in Kontakt.

Durch die Fülle dieses Unterstützungsbedarfes habe ich dann Ende der 1990er aus meiner Abteilung heraus einen neuen Entwicklungsbereich ausgegründet, der nur für die Turck duotec tätig war. Durch diese Ausgründung war es möglich, noch schneller auf Kundenanfragen zu reagieren und gleichzeitig eine gezielte Spezialisierung in den Turck duotec betreffenden Gebieten zu vollziehen. Nachdem ich im Laufe von 21 Jahren alle Tätigkeitsebenen innerhalb der Turck Gruppen Entwicklung ausüben durfte, ermöglichte mir Werner Turck vor 7 Jahren mit meinem Wechsel zur Turck duotec, die komplette Verantwortung – kaufmännisch ebenso wie technisch – für das Unternehmen zu übernehmen. Aus dieser anderen Perspektive habe ich natürlich ein noch besseres Verständnis für die Tätigkeit und Möglichkeiten der Turck duotec erhalten. In dem besonderen Zusammenspiel zwischen den Kunden und den Turck duotec Mitarbeitern habe ich erfahren können, welches Potential eine partnerschaftliche Zusammenarbeit im Elektronikgeschäft hat. Das ist letztendlich auch die Basis des Erfolgs der Turck duotec.

Turck duotec hat sich nun seit 30 Jahren als Elektronik-Dienstleister behauptet. Wo sehen Sie die Stärken von Turck duotec in der Gegenwart? Was macht das Unternehmen stark für die Zukunft?

Turck duotec hat in den letzten 30 Jahren erfolgreich das Dienstleistungsgeschäft der Leiterplattenbestückung (EMS) betrieben. In diesem Bereich haben wir das Angebot durch einen Mix an vollautomatischer Serienproduktion für große Baugruppen-Stückzahlen, ergänzt durch teilmanuelle Fertigungsprozesse für kleine und mittlere Baugruppen-Stückzahlen, im Lauf der Jahre stark erweitert. Gleichzeitig wurde ein umfangreiches Know-how im Bereich der Entwicklung und Nutzung von Prozesstechnologien, Fertigungskonzepten und Logistikkonzepten aufgebaut. Die 30 Jahre wurden darüber hinaus auch genutzt, um Kompetenzen im Bereich der Forschung, Vorentwicklung und Entwicklung zu gewinnen.

Turck duotec ist heute ein Unternehmen mit einem umfassenden Angebot in den Bereichen EMS + E²MS + ODM. Derart aufgestellt ist Turck duotec ein echter Partner für alle Unternehmen, die in diesen Bereichen Unterstützung brauchen und sich damit auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können. Das ist besonders unter der Berücksichtigung der immer kürzeren verfügbaren Zeiträume zur Markteinführung neuer Produkte notwendig. Digitalisierung, KI, Industrie4.0 – das sind nicht nur Schlagworte. All diese Dinge verändern grundlegend die Welt und erfordern gleichzeitig schnelle Entwicklungs- und Produktionszeiten von allen Produktanbietern. Die Turck duotec hilft den Herstellern dabei. Unsere Vision ist es, führender und vertrauenswürdigster Partner bei zukunftsorientierten, innovativen Elektronikanwendungen zu sein.

Wie hebt sich Turck duotec von anderen Elektronikdienstleistern ab?

Wir bieten den Kunden in vielfacher Hinsicht einen Mehrwert. Es gibt eine extrem große Bandbreite an unterschiedlichsten verfügbaren Technologien. Beispielsweise steht neben dem Standardfertigungsverfahren SMT auch eine extrem große Bandbreite an THT-Verfahren zur Verfügung: Wellenlöten, Selektivwellen-Löten, Bügellöten, Laserlöten, Roboterlöten und natürlich auch das Löten mit dem Handlötkolben. Darüber hinaus werden auch die Technologien COB und Thick Film angewendet. Diese Vielfalt an Fertigungstechnologien ist im Markt bereits außergewöhnlich. Einzigartig wird das Angebot der Turck duotec durch die Möglichkeiten des Elektronikschutzes, beispielsweise in Form von Direktumspritzung der Elektronikmodule mit Thermoplast oder Duroplast, Hotmeltumspritzung oder Lackierung.

Die Nutzung der beschriebenen Fertigungsverfahren wird optimal durch die Entwicklungskompetenz in den Bereichen Hardware, Software und Mechanik ermöglicht. Die Mitarbeiter der Turck duotec entwickeln mit und für die Kunden fertigungsoptimierte Produkte. Dabei wählen die Mitarbeiter die für die jeweilige Lösung jeweils besten Technologien aus diesem sehr großen Technologieportfolio aus. Wenn zusätzlich das Design des Kundenproduktes in die Entwicklung einbezogen wird, sind eine vereinfachte elektrische Isolation, eine optimale Wärmeabfuhr, eine vereinfachte Montage und ein optimiertes Design des Kundenproduktes möglich.

Wie hat sich das Verhältnis von Katalog- zu Auftragsfertigung in den letzten 10 Jahren verändert?

Das reine Automatisierungsgeschäft gehört nicht zu unserem „Daily Business“, deshalb ist die Beantwortung dieser Frage etwas schwierig. Was wir allerdings in den letzten Jahren verstärkt feststellen ist, dass individuelle, kundenspezifische Lösungen immer gefragter werden. Die Kunden sind auf der Suche nach optimalen Lösungen für ihre jeweiligen Anwendungsbereiche. Solche können nur dann erreicht werden, wenn die Zusammenarbeit in Vorplanung, Entwicklung und Produktion zwischen Unternehmen und Kunden sehr intensiv und präzise ist.

Sie haben es gerade schon angesprochen: Wie verändern sich derzeit die Kundenwünsche?

Globale Entwicklungen wie die voranschreitende Digitalisierung oder auch die Elektromobilität erfordern immer höhere Geschwindigkeiten bei der Markteinführung neuer Produkte. Bisher gewohnte zeitliche Abläufe im Entwicklungsprozess schrumpfen, weshalb unsere Kunden auch verstärkt die Zusammenarbeit in der Entwicklung einfordern, um ihre eigenen Ressourcen zu verstärken. Enge Kooperation und gute Kommunikation zwischen uns und dem Kunden während der Entwicklungsphase sind das A und O für eine zeiteffektive und ergebnisorientierte Zusammenarbeit.

Auch die aktuell wieder neu aufgebauten Handelsbarrieren sind ein großes Thema für international tätige Kunden, da ist unser „global footprint“ gefragt und gefordert. Daher planen wir, uns in Zukunft noch internationaler aufzustellen. Zum Beispiel haben wir seit vergangenem Jahr eine Fertigung in Mexiko in Betrieb. Für unsere Kunden ist einerseits wichtig, dass sie mit uns als Partner international vertreten sind. Gleichzeitig erleichtert die regionale Nähe die Zusammenarbeit, gerade während der Entwicklungsphase von Produkten. Es sind also immer mehr die Global Player mit regionaler Verwurzelung gefragt. Dieser Spagat erfordert Flexibilität und Einfühlungsvermögen im Umgang mit Kunden und Partnern. Bei Turck duotec sind diese Eigenschaften fester Bestandteil unseres Selbstverständnisses. Das schätzen auch unsere Kunden.

Wie sehen Sie das Thema Abwanderung der Fertigung in den Asiatischen Raum? Was bleib in Europa und was verschwindet? Wie wird sich der Stellenwert von DACH und EU künftig entwickeln?

Auch hier spielen die neu aufgebauten Handelsbarrieren eine große Rolle. Sie führen dazu, dass wieder vermehrt vor Ort für den Markt vor Ort produziert wird, also für Amerika in Amerika, für Asien in Asien. Allerdings bleibt Europa mit rund 700 Millionen Einwohnern auch weiterhin ein wichtiger Wirtschaftsraum mit einer großen Anzahl an potentiellen Kunden. Damit der europäische Raum auch weiter eine besondere Rolle im Elektronikmarkt spielen kann, sind besondere Anstrengungen in den Bereichen Forschung und Entwicklung notwendig. Gerade die Bereiche Elektromobilität, Medizintechnik und Gebäudeautomation sind hier zu nennen. Für diese Branchen wird auch in Zukunft in Europa gefertigt. Unabhängig davon und auch von sämtlichen Handelsbarrieren wird sich der Trend der Fertigungsausweitung in Asien aber weiter fortsetzen – wofür jedoch weniger die Verlagerung der Produktion als vielmehr der besonders große Markt in Asien verantwortlich ist.

Welche allgemeinen technischen Trends sehen Sie in der Industrie?

Zum einen ist der Trend zur Miniaturisierung der Elektroniken und die Konzentration von Funktionen auf wenige Bauteile bei weiterhin hohem Anspruch an die Performance der Produkte ein großes Thema. Dienstleister müssen dieser Entwicklung durch die Nutzung entsprechend hochwertiger Fertigungsanlagen Rechnung tragen. Aber auch in der Produktentwicklung wird immer weiterführendes Know-how gefordert, sowohl im Hardware- als auch im Softwarebereich. Zusätzlich zu diesen veränderten Anforderungen wird in der Zukunft der Elektronikindustrie außerdem das 3D-Packaging einen besonderen Effekt auf die Branche haben. Durch diese Technologie werden in wenigen Jahren besonders bei Sensor-Elektroniken sowie Elektroniken für Embedded-Systeme herkömmliche Elektronikaufbauten mit den üblichen Leiterplatten substituiert werden.

Gute Nachwuchs- und Fachkräfte sind heiß umworben – wie begeistern Sie neue Fachkräfte für Ihr Unternehmen und wie halten Sie die guten Mitarbeiter?

Die Turck duotec bietet ein hervorragendes Arbeitsumfeld an. Neue Fachkräfte werden bereits im Rahmen des Vorstellungsgespräches von diesem Arbeitsumfeld überzeugt. Zum Arbeitsumfeld gehören jedoch nicht nur die Gebäude und Räume, sondern auch und besonders die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch hier punktet die Turck duotec. Teamarbeit bedeutet zuerst einmal zusammenarbeiten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Turck duotec arbeiten zusammen und unterstützen sich gegenseitig in ihrer Arbeit. Gerade in der Einarbeitungsphase ist das ein wichtiger Faktor. Bei uns werden neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht einfach „ins kalte Wasser geschmissen“, sondern erhalten eine umfassende und intensive Einarbeitung, damit sie alle relevanten Abteilungen, die Produktion und unsere Standorte kennenlernen. Im Fortlauf der Unternehmenszugehörigkeit bieten wir umfangreiche Sozialleistungen und vor allem Weiter­bildungs­möglichkeiten.

Außerdem sind wir inzwischen auch Projektpartner von Schulen und Hochschulen. Zum Beispiel läuft aktuell eine Projektarbeit mit dem Physik-Leistungskurs eines im Nachbarort liegenden Gymnasiums. So stellen wir uns, das Unternehmen und vor allem unser spannendes Tätigkeitsfeld jungen Menschen vor, die wir damit möglicherweise auch irgendwann, nach Schulabschluss, Ausbildung und Studium, als Fachkräfte der Zukunft für Turck duotec begeistern können. Auch Praktikantinnen und Praktikanten sind herzlich in unserem Unternehmen willkommen. Darüber hinaus bieten wir die Möglichkeit eines dualen Studiums und die Kooperation bei Abschlussarbeiten.

Wo sehen Sie die Turck duotec in den nächsten Jahren? Was bleibt gleich? Was wird sich verändern?

Wir werden in den kommenden Jahren in jedem Fall unsere Aktivitäten in den USA und in China weiter auf- und ausbauen. Besonders in den Bereich Forschung und Entwicklung investieren wir weiterhin mit besonderem Engagement, um für die Zukunft auch langfristig gut gerüstet zu sein. Dazu gehört auch die Firmenausrichtung von EMS zu E²MS und ODM, die wir vorantreiben.

Bei allen Entwicklungen, Investitionen und Umstellungen aber bleiben unsere Kunden und ihre Bedarfe auch weiterhin der Fokus unserer Arbeit. Das tragende Element unseres Unternehmens sind dabei unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Deshalb legen wir wie bereits erwähnt großen Wert auf eine angenehme Arbeitsumgebung und die Förderung des Teamzusammenhalts, eine Konstante, die wir bei allen Veränderungen des Marktes auch weiter hochhalten werden.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Turck duotec wurde 1988 als eigenständiges Unternehmen der Turck-Gruppe gegründet und entwickelte sich schnell zum geschätzten Partner der Elektronik-Industrie. Um sowohl Entwicklungs-Ressourcen aufzubauen als auch Kundenwünschen gerecht zu werden, entstand 2005 ein zweiter Standort in Grünhain-Beierfeld.

Schwerpunkte setzt das Unternehmen heute in den Bereichen Medizintechnik, Gebäudetechnik und Mobilität. Dabei setzt Turck duotec auf kundenorientierte Beratung, anwendungsgerechte Konzeption und erstklassige Verarbeitung. Eine Strategie, die aufgeht: Kontinuierliche Umsatzsteigerungen beweisen es.

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