Turbulenzen bei Siemens Gamesa: 6.000 Jobs beim Windanlagenbauer bedroht

| Autor / Redakteur: Mit Material von dpa / Michael Eckstein

Abgedreht: Das Geschäft mit Windkraftanlagen bei Siemens Gamesa läuft nicht rund.
Abgedreht: Das Geschäft mit Windkraftanlagen bei Siemens Gamesa läuft nicht rund. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Nach dem angekündigten Kahlschlag in der Kraftwerkssparte folgt die nächste Hiobsbotschaft: Windturbinenhersteller Siemens Gamesa plant offenbar einen massiven Stellenabbau. Betroffen sind auch Niederlassungen in Deutschland.

Der Windturbinenhersteller Siemens Gamesa leidet unter einem steigenden Preisdruck für Windenergieanlagen an Land. Das Unternehmen ist aus dem Zusammenschluss des Windenergiegeschäfts von Siemens mit dem spanischen Konkurrenten Gamesa entstanden. Siemens hält 59 Prozent an dem Unternehmen. Zweitgrößter Aktionär ist der spanische Energieversorger Iberdrola.

Nun will es in drei Jahren bis zu 6.000 Stellen in 24 Ländern streichen. Das entspricht rund einem Fünftel seiner weltweiten Belegschaft. Sechs Länder sind laut Handelsblatt besonders betroffen, darunter Deutschland. Damit verschärft es seinen Sparkurs deutlich: Bislang war lediglich der geplante Abbau von 700 Stellen bekannt.

Siemens begründet die geplanten Restrukturierungsmaßnahmen damit, dass sich sowohl der Markt als auch das regulatorische Umfeld strukturell verändert habe und man darauf reagieren müsse. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern sollen „unverzüglich beginnen“, hieß es am Montagabend in einer Mitteilung.

Sturmwarnung für das nächste Jahr bereits angekündigt

Erst Mitte Oktober hatte Siemens Gamesa mit einer Gewinnwarnung negativ überrascht. Das Unternehmen nannte Abschreibungen auf Lagerbestände vor allem in USA und Südafrika als Grund. Daraufhin drehte sich das Personalkarussell: Sowohl der Finanzchef als auch der für Meeres-Turbinen zuständige Manager mussten gehen. Es ist nicht die erste Enttäuschung bei Siemens Gamesa seit dem im Frühjahr wirksam gewordenen Zusammenschluss: Schon für das dritte Quartal hatte der Konzern schwache Zahlen vorgelegt.

Das bereinigte Ebit sank im abgelaufenen Geschäftsjahr (Ende September) um 18 Prozent auf 774 Millionen Euro. Der Umsatz stieg zwar um 5 Prozent auf knapp 11 Milliarden Euro, doch fiel das zweite Halbjahr deutlich schlechter aus als die erste Jahreshälfte. Unter dem Strich rutschte das Unternehmen im vierten Quartal sogar in die roten Zahlen und verbuchte in dem Dreimonatszeitraum einen Verlust von 147 Millionen Euro. Auch für das nächste Jahr rechnet der Windturbinenbauer mit einem deutlichen Umsatzeinbruch.

Zweite Hiobsbotschaft innerhalb weniger Tage

Erst Ende Oktober war bekannt geworden, dass Siemens tausende Stellen in seiner Kraftwerkssparte streichen und bis zu 11 seiner 23 weltweiten Standorte schließen oder verkaufen will. Siemens-Personalchefin Janina Kugel hatte am Freitag angekündigt: „Es stehen massive Veränderungen bevor.“ Entlassungen schloss sie nicht aus. Einzelheiten würden Mitte November mitgeteilt. Die Energiebranche sei im Umbruch, der Markt für große Gasturbinen und Dampfturbinen sei eingebrochen, die Veränderung sei dauerhaft.

Gegen den geplanten Kahlschlag wehrt sich mittlerweile die Arbeitnehmervertretung IG Metall. In einem am Montag veröffentlichten, konzernweit verteilten Flugblatt warf der Vorstand der Gewerkschaft dem Management Wortbruch vor und kündigte Widerstand an. Der finanzstarke Konzern dürfe den Strukturwandel nicht auf dem Rücken der Beschäftigten austragen.

„Jetzt hat der Vorstand die Katze aus dem Sack gelassen: Betriebsbedingte Kündigungen sind kein Tabu mehr“, heißt es in dem Flugblatt der IG Metall. Das sei ein Angriff auf den bestehenden Standort- und Beschäftigungssicherungspakt. Die bisherigen Proteste an mehreren Standorten der Kraftwerkssparte seien erst der Anfang.

Am Donnerstag will Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser in München die Bilanz für das soeben abgelaufene Geschäftsjahr 2016/17 vorstellen. Darunter werden auch die Zahlen für die Kraftwerks- und Windkraftsparte sein. Gegenwind dürfte ihm gewiss sein.

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